Bratislava, km 2875 : Die Steuer herumgerissen

19 Prozent auf alles und für jeden. Ungerecht? Egal, sagt der Finanzbeamte Tomáš Majercak. Schließlich versuchen jetzt viel weniger Leute, Geld zu verstecken, und der der Staat nimmt mehr ein.

Majercak
Einfach machen: Tomáš Majercak arbeitet im slowakischen Finanzministerium. Er hat kein Verständnis für langwierige Diskussionen...Foto: Stefan Jacobs

BratislavaBei Wirtschaftsleuten ist das slowakische Steuersystem berühmt. Ob es zu radikal sei, ungerecht? "Darüber kann man philosophieren wie in Deutschland üblich", sagt Tomáš Majercak. "Aber wir haben keine Zeit für jahrelange Diskussionen, bei denen vielleicht noch nicht einmal was herauskommt. In den 50ern, als Deutschland arm war, konnte es sich solche Debatten auch nicht leisten."

Vielleicht muss man es so sehen wie Majercak, wenn man 31 ist und im slowakischen Finanzministerium das EU-Geld verteilt, mit dem überall im Land Straßen, Bahnhöfe und Schulen erneuert werden. Vor dem EU-Beitritt 2004 hat die Regierung die sogenannte Flat Tax eingeführt: 19 Prozent auf alles - ob Mehrwert-, Einkommens- oder Unternehmenssteuer. Ausnahmen gibt es keine, nur einen Freibetrag von knapp 3000 Euro im Jahr. "Es geht darum, ein überschaubares System zu haben", sagt Majercak.

"Wer 45 Prozent Steuern zahlen soll, versucht natürlich, sein Geld zu verstecken." Die Flat Tax zahlt sich aus, "der Staat nimmt effektiv mehr ein", und für Investoren sind die 19 Prozent ebenso unwiderstehlich, wie es die slowakischen Löhne waren. Gehälter von 300 Euro waren nach der Jahrtausendwende in Mitteleuropa sonst nirgends machbar, die Wirtschaft wächst um acht Prozent.

Inzwischen können die Leute in Industrie und Behörden von dem leben, was sie verdienen; die Löhne haben sich verdoppelt. Die Mieten allerdings auch. Viele Slowaken teilen sich Wohnungen mit Freunden, erzählt Majercak. Er hat ein Zimmer in Bratislava. "Allein in einer Zweizimmerwohnung, wie in Deutschland - das leisten sich hier höchstens Manager", sagt er in einem Ton, als könne man es auch übertreiben mit dem Luxus. Stefan Jacobs

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