Reise : Bunt ist Zukunft

Polen, Partner der ITB 2011, profiliert sich als Reiseland mit hoher Qualität

Stereotyp ade! Polen präsentiert sich heute als Reiseziel für junge Menschen, die die Kultur in Städten wie Krakau anzieht. Foto: laif
Stereotyp ade! Polen präsentiert sich heute als Reiseziel für junge Menschen, die die Kultur in Städten wie Krakau anzieht. Foto:...Foto: Rabouan/hemis.fr/laif

Polen ist in diesem Jahr Partnerland der ITB und wird noch deutlicher, möglicherweise auch lauter als sonst auf der Messe in Erscheinung treten. Wie wichtig ist der deutsche Markt für Polen?

Die Zahlen bestätigen, dass das Interesse an Polen in Deutschland konstant wächst. Seit Jahren befindet sich Polen unter den zehn beliebtesten touristischen Zielen der Deutschen. Bei organisierten Busreisen werden nur noch Österreich und Italien öfter besucht. 4,7 Millionen Deutsche – ohne Tagesgäste – reisen jährlich zu uns, das macht mehr als ein Drittel aller ausländischen Gäste aus. Und der wachsenden Zahl von deutschen Tagestouristen geht es immer seltener um Schnäppchenjagd auf den Grenzmärkten, immer häufiger stehen vielmehr Sonntagsausflüge zu touristischen Attraktionen im Grenzgebiet, Radtouren oder Wandern auf dem Programm.

Gibt es den typischen Polen-Besucher?

Ich glaube nicht. Versuchte man deutsche Touristen in Polen zu charakterisieren, gäbe es drei Typen. Zum einen die Familie mit Kindern, die einen längeren Erholungsurlaub plant, an einem landschaftlich schönen Ort mit guter Infrastruktur und zu einem günstigen Preis. Diese Menschen fahren zur Ostseeküste, in die Masuren und nach Niederschlesien. Immer häufiger kommt auch der junge Tourist, der auf die Großstädte fokussiert ist, mit Interesse an einem vielfältigen Kulturangebot, Unterhaltung und Shopping. Die Jungen fahren zunächst nach Warschau, Danzig, Breslau, Krakau oder Posen, lernen so polnische Kultur kennen. Später kommen sie für länger, suchen nach Möglichkeiten des Aktivurlaubs und nach Sportangeboten. Letztendlich kommt die dritte Gruppe – Menschen unterschiedlichen Alters, die das Kur- und Wellnessangebot nutzen. Wir möchten uns jedoch vor allem so präsentieren, wie wir uns selbst sehen: als junges und modernes Land.

Allerdings macht besonders der Gesundheitstourismus von sich reden. Welches Potenzial steckt in der Sparte?

Die Zukunftschancen sind groß. Das Angebot der polnischen Kurorte ist sehr umfangreich, es werden fast alle Krankheiten in Polen behandelt. Eine gute Qualität, verbunden mit einer attraktiven Lage, lockt auch viele Deutsche ins Land. In jüngster Zeit wird der Gesundheitstourismus um den sich schnell entwickelnden Wellness- und Spa-Bereich ausgebaut, den Deutsche gern nutzen. Für diesen Zweck werden moderne Zentren gebaut, die sich an etwas besser situierte Gäste richten.

Bisher galten Ungarn und Tschechien als führend im Bereich Gesundheitstourismus in Mittelosteuropa.

Ja schon, aber die bessere Erreichbarkeit ist ein Argument, das am stärksten für Polen spricht. Dazu ist die Vielfalt bei uns weit größer: Wir haben die Ostsee, Gebirge, Seen. Und vor allem – Polen ist immer noch preisgünstig. Es ist kein Billigland mehr, aber aus deutscher Sicht bietet es hohe Qualität zum vernünftigen Preis.

Gibt es denn in Polen Regionen, die außer der Ostsee oder Masuren noch interessant sein könnten, die aber bisher weitgehend unentdeckt sind?

Definitiv Ostpolen. Dazu gehört Podlachien, mit seiner wunderschönen unberührten Natur. Auch die Karpaten, wo sich bisher nur die mutigsten Deutschen hintrauen. Die Karpaten sind abgelegen und haben noch einen recht wilden Charakter. Gleichzeitig sind die polnischen Karpaten als Teil des Drei-Länder-Ecks eine gute Basis für Ausflüge in die benachbarte Ukraine oder die Slowakei. Eine andere, ganz nahe, doch in Deutschland noch unbekannte Region: die westpommersche Seenplatte. Sie ist ganz sicher eine Überlegung wert für alle, die an Wassersport interessiert sind.

Warum engagiert sich Polen gerade in diesem Jahr als Partnerland der ITB?

Umfragen zeigen, dass bisher nur ein Drittel der Deutschen schon Polen besucht hat. Also müssen wir auf das Land neugierig machen und vor allem alte Vorurteile abbauen. Die grauen Zeiten sind vorbei. Und wer mit seinem Auto kommt, fährt damit auch zurück. Im Januar war Polen Partnerland der Grünen Woche, bald übernimmt es die EU-Präsidentschaft und in 2012 organisiert es die Fußball-Europameisterschaft. Polen ist also aus guten Gründen im Gespräch.







— Jan Wawrzyniak
ist

Leiter des Polnischen Fremdenverkehrsamts in Berlin.

Mit ihm sprach

Agnieszka Hreczuk

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