Cluburlaub : Die Konkurrenz schläft nie

Anbieter von Cluburlaub müssen sich neue Zielgruppen erschließen. Geld für die exklusiven Angebote haben die Gäste - aber die Qualität muss stimmen.

Friederike Marx und Philip Laage
Unterhaltung auch für die Kleinen – so wie hier im Club Calimera - gehört beim Cluburlaub dazu. Die Eltern können es sich derweil gemütlich machen.
Unterhaltung auch für die Kleinen – so wie hier im Club Calimera - gehört beim Cluburlaub dazu. Die Eltern können es sich derweil...Foto: DER Touristik

Erholung und Genuss, Party und Kultur, Gesundheits- und Aktivurlaub: Mit zahlreichen Angeboten buhlen Ferienclubs wie Club Med, Robinson oder Aldiana um zahlungskräftige Kunden. „Urlauber haben hohe Ansprüche, wenn es um Erlebnisse geht, und sind bereit, dafür viel auszugeben“, weiß Tourismusexperte Martin Lohmann.

Das hat auch die Hotellerie erkannt. „Manch türkisches Großhotel bietet ein ähnlich großes Spektrum an wie klassische Ferienclubs. Ein Alleinstellungsmerkmal wie früher gibt es nicht mehr“, sagt Lohmann, Geschäftsführer des Kieler Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa.

„Der klassische Cluburlaub muss sich weiterentwickeln und eine Antwort finden auf die Konkurrenz durch clubähnliche Hotels und Kreuzfahrten“, mahnt auch Tourismusexperte Roland Gassner vom Marktforschungsinstitut GfK. Konkurrenz gibt es zum Teil auch im eigenen Haus. So buhlen beim Branchenprimus Tui Robinson-Clubs und Hotelmarken wie Viverde oder Sensimar um die Gunst Erholungssuchender und Erlebnishungriger.

Das Qualitätsbewusstsein der Gäste ist sehr hoch

Dennoch: „In den kommenden fünf Jahren soll die Zahl unserer Robinson-Clubs von derzeit 23 auf 40 steigen“, sagt Oliver Dörschuck, bei Tui Deutschland für das Tagesgeschäft zuständiger Geschäftsführer. Cluburlauber seien treue Fans. Der Stammkundenanteil liegt seinen Angaben zufolge bei Robinson bei 63 Prozent.

„Entscheidend sind passgenaue Konzepte für einzelne Zielgruppen. Wer versucht in zu vielen Teichen zu fischen, wird nichts fangen“, sagt der Manager. Insbesondere Club-Urlauber wüssten sehr genau, was sie von den schönsten Wochen des Jahres erwarteten. „Deshalb gibt es bei Robinson sowie bei Magic Life unterschiedliche Ausrichtungen der Clubs, zum Beispiel das Familien-Resort oder den Club in der Türkei, wo mehr gefeiert wird.“ Eines haben die Fans gemeinsam: Gute Sportangebote sind ihnen sehr wichtig, das Qualitätsbewusstsein ist sehr hoch. Dafür sind sie bereit, einiges zu zahlen.

Tourismusexperte Martin Lohmann.
Tourismusexperte Martin Lohmann.Foto: NIT / picture alliance

Der Vorteil von Robinson und Co. ist die starke Marke. „Die Urlauber wissen, welche Leistungen und Qualität sie erwarten“, sagt Lohmann, der auch Professor für Wirtschaftspsychologie an der heutigen Leuphana-Universität Lüneburg ist. Nach GfK-Daten liegt der Anteil der Cluburlaube und clubähnlichen Angebote am Gesamtreisemarkt mittlerweile bei 15 Prozent. Das Segment wächst seit 2009 im Schnitt jährlich um drei Prozent und damit etwas stärker als der Gesamtmarkt.

Im Hochpreissegment werden mehr als 3000 Euro pro Urlaub ausgegeben

Tui-Konkurrent Thomas Cook kündigte denn auch kürzlich an, seine Vertriebspartnerschaft mit dem Ferienclubpionier Club Méditerranée in Europa kräftig auszubauen. Beide Unternehmen, an denen der chinesische Mischkonzern Fosun International beteiligt ist, wollen bis 2018 das Umsatzvolumen im Thomas-Cook-Vertrieb auf 100 Millionen Euro pro Jahr steigern. Noch 2005 hatte Thomas Cook seinen Clubanbieter Aldiana verkauft.

Grundsätzlich werden es immer mehr, die sich ihren Urlaub so richtig was kosten lassen. Nach einer Analyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (Fur) hat sich das Volumen des gesamten Hochpreissegments – Ausgaben von mehr als 3000 Euro pro Person und Urlaub – binnen zehn Jahren auf inzwischen 2,4 Millionen Reisen verdoppelt.

Urlauber, die die viel apostrophierten „schönsten Wochen des Jahres“ im Ferienclub oder ähnlichen Anlagen verbringen, gelten als ausgesprochen zahlungskräftig. Der GfK zufolge geben sie im Schnitt täglich etwa 20 Prozent mehr aus als der Durchschnittsurlauber.

Langfristig könnte allerdings die Altersstruktur ein Problem werden, meint Gassner: Clubreisende sind durchschnittlich 51 Jahre alt und damit deutlich älter als der Durchschnittsurlauber (46 Jahre). „Die Anbieter müssen sich junge Zielgruppen erschließen.“ Grundsätzlich sieht der Experte die Branche auf dem richtigen Weg. „Das Altersprofil bei einzelnen Clubs unterscheidet sich immer stärker.“

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