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Deutsche Seemannsmission : Karaoke um Mitternacht

23.12.2012 00:00 UhrVon Dagmar Gehm
Unverkennbar – Seemannsheim. Das Hamburger „Duckdalben“ ist mit Rettungsringen dekoriert, symbolisch für den Halt, den die Männer hier fern der Heimat finden.Bild vergrößern
Unverkennbar – Seemannsheim. Das Hamburger „Duckdalben“ ist mit Rettungsringen dekoriert, symbolisch für den Halt, den die Männer hier fern der Heimat finden. - Foto: Dagmar Gehm

Schiffsleute aus rund 15 Nationen ankern zu Silvester in der Seemannsmission von Hamburg-Harburg.

Justin Jay D. Estacio aus Manila sitzt vor dem Laptop. Vor ihm auf dem Bildschirm erscheint via Skype seine gesamte Familie auf der anderen Seite des Erdballs: seine Frau, die zwölfjährige Tochter Presley und eine große Anzahl von Verwandten. „Daheim ist jetzt schon Mitternacht“, sagt der Filipino und holt tief Luft. „Da muss ich meinen Lieben Glück wünschen.“ Schließlich ist Silvester. Silvester im Hafen! Für Hamburger und Touristen ein ganz besonderer Platz, um das neue Jahr zu begrüßen. Doch für Seeleute, tausende Meilen von zu Hause entfernt, ist die Feier im Hafen fern von jeglicher Romantik eine Notwendigkeit, die sie hinnehmen wie Sturm und Wind, wie Ebbe und Flut.

Die meisten Schiffe verlassen zwar wegen der teuren Liegegebühren den Hafen schon vor dem Jahreswechsel. Doch um ein paar hundert „Gestrandeten“ die Wartezeit zu verkürzen bis die amtlich angeordnete Hafenruhe über Neujahr beendet wird, bietet die Deutsche Seemannsmission Hamburg-Harburg im „Duckdalben – international seamen’s club“ den Fahrensmännern einen Ankerplatz, der sich besonders zu Silvester in eine fröhliche Partylocation verwandelt.

Schiffskoch Justin Jay ist nicht zum ersten Mal im Duckdalben, das im vergangenen Jahr von Seemännern rund um den Erdball zum „besten Seemannsclub der Welt“ auserkoren wurde. In der Regel ein Mal pro Woche macht Justins Schiff, der 14 000-Tonnen-Frachter „Thetis“, in der Hansestadt fest, und jedes Mal lässt sich der Smutje in der Seemannsmission zu Füßen der rund zwei Kilometer langen Köhlbrandbrücke blicken. „Ich treffe Landsleute“, freut sich der 32-Jährige, „kann mit ihnen Tischfußball oder Billard spielen und ein Bier trinken.“ 1,50 Euro kostet die Flasche, so preiswert bekommt er sie kaum sonst irgendwo. „Außerdem hören mir die Leute hier wirklich zu.“

Eine der Zuhörerinnen ist Corinna Dohotariu. Seit sechseinhalb Jahren arbeitet die 29-Jährige hauptamtlich als Seemannsdiakonin in der Mission, bietet am Shoptresen von der Gitarre bis zu Hygieneartikeln alles an, was ein Seemann an Bord so braucht, schenkt an der Bar alles aus – außer Schnaps. Denn „blaue Jungs“ dürfen hier nicht blau sein. Corinna verkauft auch Wertkarten fürs Internet, und insgesamt 17 Telefone im Haus stellen eine Nabelschnur zur Heimat der Seeleute her.

Die riesige Tanne im Eingang ist noch geschmückt, die Räume sind allerdings bereits mit Luftschlangen und einer glitzernden Diskokugel dekoriert. Außerdem ist schon eine Seifenblasenmaschine im Einsatz, und ausnahmsweise sind sogar zwei Bars geöffnet. Die Mitarbeiter im Duckdalben – viele davon sind ehrenamtlich tätig – haben ein Büfett mit Würstchen und Kartoffelsalat aufgebaut, danach gibt es nach deutscher Sitte noch „Berliner“, also Pfannkuchen, und Sekt. „Wir wollen unseren Seeleuten zu Silvester immer eine richtig schöne Party bereiten“, sagt die Diakonin. „So zwischen 250 und 300 aus bis zu 15 Nationen feiern jedes Jahr bei uns.“

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