Cartoonmuseum von Luckau : Freiheit im Knast

Das Cartoonmuseum von Luckau ist in ehemaligem Gefängnis untergebracht.

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Anmaßend? Vielleicht. Aber lustig. Und ohne Konsequenzen. Tagesspiegel-Karikaturist Stuttmann stellt derzeit in Luckau aus.
Anmaßend? Vielleicht. Aber lustig. Und ohne Konsequenzen. Tagesspiegel-Karikaturist Stuttmann stellt derzeit in Luckau aus.© Klaus Stuttmann

In diesen Tagen – „Je suis Charlie“ – fantasieren Freiheitsverächter von etwas, das in Luckau Realität ist. Dort, im Herzen der brandenburgischen Niederlausitz, sind Cartoons und Karikaturen weggesperrt, hinter Gittern. Und zwar im Erdgeschoss eines Gefängnisgebäudes, das fast 200 Jahre lang als Knast diente, zuletzt für inhaftierte Frauen. 2005 zog das Luckauer Gefängnis an die Peripherie nach Luckau-Duben um. Im Zentrum der Stadt blieb der kräftigrote Backsteinbau – vier Stockwerke hoch, jeweils 13 Zellen breit. Das typische Ambiente ist im Inneren erhalten geblieben.

Wo einst Zellentüren zum Umschluss ins Schloss knallten, huschen heute Besucher und Behördenmenschen durch die Zellentrakte, die jetzt Büros und Besprechungsräume verbinden. Der eindrucksvolle Ex-Knast wurde vor acht Jahren nach allen Regeln der Denkmalpflege grundsaniert, er beherbergt seitdem unter anderem das Archiv des Landkreises Dahme-Spreewald – und das Cartoonmuseum Brandenburg. Mit 150 Quadratmetern ist der Ausstellungsraum nicht größer als eine geräumige Berliner Altbauwohnung, aber die gut ausgeleuchteten Ausstellungsstücke sind an den Wänden und in der Raummitte dennoch so präsentiert, dass sich Betrachter nicht in die Quere kommen.

Noch bis zum 25. Januar sind dort in einer Einzelausstellung „Politische Karikaturen“ des Tagesspiegel-Zeichners Klaus Stuttmann ausgestellt. Nebenher ist der Grundstock der Sammlung zu begutachten – rund 20 000 originalgrafische Blätter Zeichnungen, Druckgrafiken, Plakate, Illustrationen, Skizzen, Studien, Entwürfe, Collagen, Fotomontagen, die im Besitz der Sammlung sind, als Dauerleihgabe oder in treuhänderischer Verwaltung.

Wenn Andreas Nicolai, der Initiator der Sammlung, die nüchtern grauweißen Büroschubladen der Sammlung öffnet, dann offenbart sich den Besuchern ein Stück DDR-Kulturgeschichte – und manchmal auch die geheime Kunst der deutschdemokratischen Cartoonisten, so zwischen den Strichen zu zeichnen, wie Literaten angeblich zwischen den Zeilen schreiben konnten.

Cartoonlobby kämpft für Meinungsfreiheit

Grundstock der Luckauer Sammlung bilden heute, so beschreibt es Andreas Nicolai, die Werke und das künstlerische Erbe ostdeutscher Karikaturisten und Zeichner, oft aus dem Umfeld der Satirezeitschrift „Eulenspiegel“. Nicolai (56) selbst, ein studierter Chemiker, konnte seinerzeit auch einige Zeichnungen im „Eulenspiegel“ unterbringen, sah aber bald ein, dass er es bis ganz oben in den Olymp der Spötter nicht bringen würde – und konzentrierte sich auf das Vermitteln, das Arrangieren, das Kuratieren und das Lobbying von Karikaturisten und Cartoonisten.

Andreas Nicolai, Initiator der Sammlung im Cartoonmuseum von Luckau
Andreas Nicolai, Initiator der Sammlung im Cartoonmuseum von LuckauFoto: Schulte Döinghaus

Im eingetragenen Verein Cartoonlobby, der auch Träger des Luckauer Cartoonmuseums ist, haben sich 67 Künstler zusammengeschlossen, die zum Beispiel für Urheberrechte in Zeiten der unkontrollierbaren Internetverbreitung streiten oder die sich – nicht nur in diesen Tagen – gegen Angriffe auf die Meinungsfreiheit solidarisch zur Wehr setzen.

Als Gefechtsstation in diesem Kampf ist der Luckauer Knast gut geeignet. Zum einen, weil die Mietforderungen des Landkreises Dahme-Spreewald maßvoll sind. Zum anderen, weil in den denkmalschützerisch erhalten gebliebenen benachbarten Zellen an politische Häftlinge wie Karl Liebknecht, Wolfgang Abendroth oder Adolf Grimme erinnert wird.

Was sie und ihre Mithäftlinge ertragen mussten, das ist in einer Art Knastmuseum zu erahnen, das im Luckauer Backsteingebäude und im Gebäude nebenan untergebracht ist. Einige Zellen sind so erhalten geblieben, wie sie 2005 verlassen wurden, andere – etwa sogenannte Schlichtzellen oder Gefängniswerkstätten – wurden restauriert oder nachgebaut.

Cartoonmuseum Brandenburg, Telefon: 035 44 / 507 70 42

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