Harz : Erhellendes unter Tage

Im Harz haben Schaubergwerke und Tropfsteinhöhlen auch im Winter geöffnet. Ein Besuch ist spannend – und lehrreich.

Dagmar Krappe

„Erwachsene finden Schutzkleidung und Helme links, Kinder rechts“, ruft Ernst Thoms den wartenden Besuchern zu. Nach und nach kommen alle mit blauen Umhängen und verschiedenfarbigen Schutzhelmen aus dem Umkleideraum. Ernst Thoms ist inzwischen mit der Grubenbahn vorgefahren. Jeweils zwei Personen zwängen sich auf die engen Bänke der umgebauten ehemaligen Lorenbahn. Und schon geht es 600 Meter tief hinein ins Besucherbergwerk „Drei Kronen & Ehrt“ in Elbingerode im Unterharz.

Durch dunkle, schmale Gänge schaukelt der Zug. Jetzt heißt es aussteigen, und die 90-minütige Führung geht zu Fuß weiter. Von den Wänden tropft Wasser. Die Luft ist klamm. Die Wege sind hell ausgeleuchtet, aber feucht und schlammig. Mit rutschfesten Schuhen sind sie jedoch bequem und gefahrlos zu begehen.

Mit dem Bergmannsgruß „Glück auf“ begrüßt Thoms seine Gäste. Bis 1987 war er selbst als Steiger (Aufsichtsperson) im Bergwerk tätig. Jetzt ist er Museumsführer unter Tage. „Von 1889 bis 1990 wurden in der Grube Eisenerz und später Schwefelkies gefördert. Nach der Wende waren die Erzeugnisse auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig“, erzählt Thoms. Seit 1992 ist der Stollen als Besucherbergwerk eingerichtet. So wie viele weitere rund um den Brocken.

Das Schaubergwerk Büchenberg, das sich ebenfalls in Elbingerode befindet, das Besucherbergwerk Rammelsberg in Goslar, die Gruben Samson und Catharina Neufang in St. Andreasberg, der 19-Lachter-Stollen in Wildemann oder der Röhrigschacht in Wettelrode. Hinzu kommen verschiedene Hütten- und Technikmuseen.

Ausgestattet mit Grubenlicht „fährt“ Thoms mit seinen Besuchern durch die einzelnen Schächte. „Ganz gleich, ob gegangen, geklettert oder gefahren wird, ,fahren‘ ist der Begriff für jegliche Art von Fortbewegung unter Tage“, erläutert der Museumsführer.

Da der Betrieb erst vor 17 Jahren eingestellt wurde, sind noch alle Geräte voll funktionstüchtig, und Thoms führt sie den Besuchern begeistert vor. Besonders beim Einsatz von Handbohrgezähe, Lafettenbohrgerät und der „Überhauen-Aufbruchbühne“ ist anzuraten, sich die Ohren zuzuhalten.

Bevor die Besucher wieder die Grubenbahn besteigen, knipst Ernst Thoms das elektrische Licht aus, um zu demonstrieren, wie es war, nur bei Grubenlicht zu arbeiten. Die Ausfahrt geht schnell. Nach 200 Metern ist bereits wieder Sonnenlicht am Ende des Tunnels zu sehen.

Doch im wenige Kilometer entfernten Nachbarort Rübeland wartet noch ein anderes Unter-Tage-Erlebnis. Nicht Eisenerz oder Schwefelkies, sondern Stalagmiten und Stalaktiten haben die Baumanns- und die Hermannshöhle zu bieten. Letztere wurde 1866 bei Straßenbauarbeiten entdeckt. Sie ist die größere der beiden Tropfsteinhöhlen. Ihre Besonderheiten sind die Kristallkammer und der Olmensee, in dem sich lichtscheue Grottenolme versteckt halten.

„Die Baumannshöhle ist die älteste Schauhöhle der Welt“, verrät die Höhlenführerin: „Ein Bergmann namens Friedrich Baumann soll sie in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entdeckt haben. Schon 1646 gab es in dieser Höhle die ersten organisierten Führungen“, berichtet sie weiter: „Selbst Johann Wolfgang von Goethe hat sie zwischen 1777 und 1784 mehrmals besucht. Er soll sich hier Inspirationen zum ,Faust‘ geholt haben.“ Der nach ihm benannte Höhlensaal mit dem künstlich angelegten Wolfgangsee bietet 300 Personen Platz. In ihm finden bei einer konstanten Temperatur von acht Grad Celsius zu unterschiedlichen Jahreszeiten Theateraufführungen statt. Die „Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen und „Die Nacht der Vampire“ – frei nach Bram Stokers Roman „Dracula“ – stehen vom 13. bis 29. Dezember auf dem Spielplan unter Tage. Glück auf!

Besucherbergwerke und Tropfsteinhöhlen sind ganzjährig geöffnet. Das Pauschalangebot „Harzer Bergbau und märchenhafte Höhlenwelt“ beinhaltet: zwei Übernachtungen und Bergwerkführung in Elbingerode Drei Kronen & Ehrt, Tropfsteinhöhlenführung in Rübeland, Schlossbesichtigung und Stadtführung Wernigerode, ab 115 Euro pro Person. Auskunft: Wernigerode Tourismus, Marktplatz 10, 38855 Wernigerode; Telefon.: 039 43 / 553 78 35, Internet: www.wer nigerode-tourismus.de

Theateraufführungen in der Baumannshöhle: Harzer Bergtheater Thale, Telefon: 039 47 / 23 24

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