Housekeeping Manager 2014 : 20 Minuten pro Zimmer

Sascha Radda hat sich mit Bravour in einer Frauendomäne durchgesetzt. Der 26-Jährige wurde zum „Housekeeping Manager des Jahres 2014“gewählt.

Jessica Braun
Keinen Krümel übersehen. Sascha Radda saugt im Hamburger Hotel Rilano.
Keinen Krümel übersehen. Sascha Radda saugt im Hamburger Hotel Rilano.Foto: promo

Herr Radda, Sie haben gerade die Auszeichnung „Housekeeping Manager des Jahres“ erhalten. In der Endrunde waren Sie der einzige Mann neben vier Frauen. Ist das die übliche Geschlechterverteilung in Ihrer Branche?

Als ich meinen ersten Housekeeping-Kongress besuchte, war ich, glaube ich, der einzige Mann in einer Führungsposition. Mittlerweile sehe ich auf solchen Veranstaltungen häufiger auch männliche Kollegen, und das Reinigungspersonal der meisten Hotels besteht fast zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen.

In Deutschland sagt man ja „Hausdame“. Gibt es dafür eine männliche Entsprechung?

Nein. Als mein damaliger Chef mir vor fünf Jahren anbot, als „männliche Hausdame“ zu arbeiten, fragte er mich: Wie betiteln wir Dich? Wir entschieden uns für die neutrale englische Form. Hausherr wäre irreführend gewesen – und ein wenig albern.

Sie bekleiden eine Führungsposition. Wie groß ist Ihr Team?

Mit Azubis, Gärtner, Maler, Aushilfen und den Kollegen, die für Zimmer zuständig sind, habe ich etwa 20 Mitarbeiter. Ihre Zahl bemisst sich daran, wie die Auslastung des Hotels ist und wie groß die Zimmer, die gereinigt werden müssen.

Wie lange braucht ein Mitarbeiter dafür normalerweise? Als Gast bekommt man das ja nicht mit.

Das soll der Gast auch nicht mitbekommen! Für ein Standard-Doppelzimmer kalkulieren wir am Abreisetag, wenn das komplette Zimmer frisch gemacht wird, eine halbe Stunde. Bleibt der Gast länger, brauchen wir täglich etwa 20 Minuten.

Zimmer zu reinigen klingt erstmal nicht nach einem Traumberuf. Wie sind Sie dazu gekommen?

Eigentlich wollte ich auf eine andere Position im Haus wechseln. Den Housekeeping-Job habe ich nur angenommen, um die Zeit zu überbrücken. Aber nach drei Monaten wollte ich schon nichts anderes mehr machen.

Was gefällt Ihnen daran?

Ich finde es spannend, gemeinsam mit den Kollegen Prozesse im Haus zu optimieren: Wie wir den Garten oder die Tiefgarage in Ordnung halten, welche Blumenarrangements zur Einrichtung passen, wie wir den Mitarbeiterbereich verschönern können oder wie sich Flecken im Teppich ohne Chemie entfernen lassen – und das alles, ohne zuviel Zeit zu verlieren. Neulich haben mir die Kollegen vorgeschlagen, die Kissen auf dem Bett anders zu drapieren. Das Ergebnis fand ich toll. Im Housekeeping ist man, salopp gesagt, ja nicht nur die Putze vom Dienst.

Sie arbeiten unter Zeitdruck. Machen Ihnen unordentliche Gäste zu schaffen?

Unordentlich klingt so böse. Jeder Gast schläft im Bett, jeder Gast benutzt das Bad – das ist selbstverständlich. Ein Hotelzimmer ist ein Zuhause auf Zeit. Wir dringen in diese Privatsphäre der Gäste ein. Ob da nun ein Paar Schuhe mehr oder weniger herumsteht, macht für uns keinen Unterschied.

Laut einer Studie klaut jeder dritte Hotelgast. Können Sie das bestätigen?

In der Hotellerie wird höchstens über Schwundzahlen gesprochen: Bei 300 Bademänteln registriert man im Jahr zum Beispiel einen Schwund von 10 Prozent.

Haben Sie oft mit Sonderwünschen zu tun?

Frauen legen mehr Wert auf einen guten Föhn, Männer wünschen sich meist einen Kamm statt einer Bürste. Darauf gehen wir ein, ohne dass der Gast danach fragen muss. Auch auf Hunde sind wir mit Decken, Hundekeksen und Freßnäpfen vorbereitet.

Nervt es Sie nicht, wenn Sie zum Beispiel kurzfristig die Minibar umräumen müssen, weil ein Gast keine Gluten im Zimmer haben will?

Wenn ein Gast uns seine Wünsche wissen lässt, empfinde ich das als ein Zeichen seiner Wertschätzung. Sagt er uns zum Beispiel, dass er sich vegan ernährt, Gluten nicht verträgt oder kein Schweinefleisch isst, gibt er damit ja etwas Privates von sich preis. Ich finde das toll, denn es schafft Vertrautheit.

Wenn Sie jeden Tag 170 Zimmer in Ordnung halten müssen, haben Sie sicher keine Lust mehr, auch noch zu Hause sauber zu machen, oder?

Doch, da putze ich selbst. Ich besitze sogar einen Putzkoffer mit einem Farbsystem – wie im Hotel. In puncto Sauberkeit bin ich Perfektionist. Im Urlaub mache ich immer erst einen Zimmercheck, bevor ich in einem Hotel übernachte.

Wie sieht der aus?

Ich prüfe zum Beispiel mit der Hand, ob in den Regalen Staub gewischt wurde.

Welchen Veränderungen ist Ihre Branche unterworfen?

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Und die Hausdrachen – strenge Hausdamen der alten Schule – werden seltener. Auch im Housekeeping kann es sich kein Chef mehr erlauben, die Mitarbeiter nur herumzukommandieren.

Das Gespräch führte Jessica Braun.

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