Reise : Jenseits von Acapulco

Mexiko wehrt sich gegen negative Schlagzeilen – und startet eine große Werbekampagne. Touristen sind sicher, heißt es

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Mexikaner unter sich. In den 60er, 70er Jahren war Acapulco Treffpunkt der Reichen und Schönen dieser Welt. Doch seit 1990 stieg die Kriminalität massiv, die Mafia hat das Seebad fest im Griff, auch tagsüber gibt es Schießereien. Ausländische Touristen sollten den Ort, zumindest vorerst, meiden. Foto: Your-Photo-Today
Mexikaner unter sich. In den 60er, 70er Jahren war Acapulco Treffpunkt der Reichen und Schönen dieser Welt. Doch seit 1990 stieg...Foto: Your_Photo_Today

Ausgerechnet in einer Zeit, in der sich die Meldungen über Morde und brutale Gewaltakte in Mexiko häufen, rief der mexikanische Staatspräsident Felipe Calderón 2011 zum Jahr des Tourismus aus. Immerhin hat sich der Tourismus, der ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Land darstellt, trotz aller Negativmeldungen positiv entwickelt. Nicht nur die 37 (!) Unesco-Weltkulturerbestätten und die Küche, die ebenfalls zum Welterbe erhoben wurde, sind bei Urlaubern beliebt. Auch als Kreuzfahrtdestination hat sich das Maya-Land etabliert. So kamen im vergangenen Jahr insgesamt rund 22,4 Millionen ausländische Besucher, bei den deutschen Gästen lässt sich in den vergangenen 18 Monaten ein Zuwachs von 18 Prozent verzeichnen.

Vor kurzem hat Lufthansa eine weitere Non-Stop-Verbindung zwischen München und Mexiko City in den Flugplan aufgenommen. Und an Berlin rückt Mexiko künftig auch viel näher heran: Das mexikanische Fremdenverkehrsamt verlegt seine Zentrale von Frankfurt am Main nach Berlin. Außerdem startet das Land eine groß angelegte Werbekampagne, die das Image eines modernen, ja avantgardistischen Mexiko verbreiten soll. Schlüsselthemen sind zum einen Abenteuerurlaub im Zusammenhang mit Naturwundern wie Grotten, Höhlen oder Bergen, zum anderen die archäologischen Stätten, mit denen das Land reich gesegnet ist. Dabei richtet sich das Augenmerk insbesondere auf die Maya-Kultur. Nachdem der Maya-Kalender den 21. Dezember 2012 den Untergang der Welt prophezeit, soll das kommende Jahr entgegen der düsteren Prognose von Mexiko gleich als Beginn einer neuen, auch touristischen Ära gefeiert werden.

Sicher ist es kein Zufall, wenn gerade die Maya-Stätten im Mittelpunkt stehen – liegen sie doch in Bundesstaaten, die als sicher gelten und bislang von den Auswirkungen der Gewaltakte weitgehend verschont blieben. Das Land, für das das Auswärtige Amt auf seiner Homepage eine Fülle von Sicherheitshinweisen gelistet hat, leidet unter einer hohen Kriminalität. So sollen seit dem Beginn des Kampfes gegen die organisierte Kriminalität Ende 2006, in dem auch Militär eingesetzt wird, mehr als 35 000 Menschen gestorben sein. Diese Zahlen kennt auch Rodolfo López Negrete, leitender Direktor von Visit Mexico. Doch ist er der Auffassung, dass die Darstellung in den Medien nicht ganz der tatsächlichen Situation entspricht. „Die harten Fakten belegen, dass die Kriminalitätsrate beispielsweise in Yucatán und Städten wie Cancún weiter unter der anderer Tourismusdestinationen liegt“, meint er. Selbst Mexiko City mit einer Mordrate von 8,5 Personen pro 100 000 Einwohnern sei sicherer als etwa Chicago, Miami oder New Orleans. „Ich behaupte sogar, dass Mexiko City eine der sichersten Hauptstädte der Welt ist. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer“, erklärt López Negrete vollmundig.

Ende September erst hatte sich in Acapulco Grausames zugetragen. Fünf abgeschlagene Menschenköpfe, in Plastiktüten verpackt, waren von der Mafia auf einem Schulhof abgelegt worden, um die Schutzgeldforderungen für die Lehrer zu unterstreichen. Was in Acapulco passiert ist, sei barbarisch, sagt Negrete. Trotzdem könne man auch in diesem Seebad, das in den letzten Jahren fast nur noch von Einheimischen besucht wurde, einen Wandlungsprozess wahrnehmen. Der Ort, in den 1960er, 1970er Jahren Ziel der Schönen und Reichen, würde sich wieder erholen, da ist sich Negrete sicher. Auf die Frage, was er deutschen Urlaubern empfehlen würde, antwortet der Tourismuschef, dass sie mit Ausnahme einiger weniger Orte unbesorgt überall hinfahren könnten. „22,4 Millionen Besucher können sich schließlich nicht irren, oder?“, sagt er lächelnd.

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