Literatur : Lesen & Reisen

Reisebücher & Reiseführer

Anna Gerstlacher

Auf die leise Tour.


Lydia und Klaus Riedel: Mit dem Fahrrad unterwegs von Berlin nach Tallinn durch Polen, Litauen, Lettland und Estland. Projekte- Verlag, Halle 2007, 176 Seiten, 12 Euro.
Im Geist aufsteigen, zurücklehnen und einfach auf dem Fahrrad mitnehmen lassen. Es ist kein spektakuläres Reisebuch, das Lydia und Klaus Riedel geschrieben haben. Vielmehr sind es Tagebuchaufzeichnungen einer Reise, die sich mancher vielleicht vorstellen kann, die jedoch kaum einer unternimmt. Aus unterschiedlichen Gründen. Keine Zeit, sagen die Jüngeren. Zu anstrengend, zu unsicher, argumentieren die Älteren. Das Argument Zeit muss man gelten lassen, schließlich dauerte die Reise des Berliner Ehepaares von Mitte Mai bis Mitte August. Die anderen Einwände dagegen gelten kaum, schließlich sind die Riedels bereits jenseits der 70. Allerdings, das sei gesagt, sie sind geübte Radler, die Zeit ihres Lebens ausgedehnte Touren auf vielen Kontinenten unternommen haben.
Auf sehr persönliche Weise nehmen die Riedels den Leser mit, lassen ihn teilhaben an individuellen Erlebnissen und Begegnungen, durch die die passierten Länder, Landschaften und deren Menschen anschaulich beschrieben werden. Wer ganz sanft durch die Nachbarländer im Osten geführt werden möchte, sollte sich den Lesegenuss dieses völlig unaufgeregten Buches gönnen. Und dabei noch einiges lernen.
PS: Die Riedels haben übrigens auch eine Radtour von Berlin nach Rumänien unternommen und ihre Erfahrungen in Form eines Tagebuchs aufgeschrieben. Wer daran Interesse hat, kann sich unter der Rufnummer 030/3233828 melden.

Ein langer Weg.
Philippe Frey: Der weiße Nomade. Unionsverlag, Zürich 2008, 251 Seiten, 14,90 Euro.
Zu einer keineswegs alltäglichen Reise lädt der französische Wüsten- und Nomadenkenner Philippe Frey den Leser ein. Seine Wüstendurchquerung vom Roten Meer bis in den Tschad führt ihn in den sudanesischen Teil der Libyschen Wüste, der geografisch kaum erforscht und auf Karten nur ungenau verzeichnet ist. Weiter durch die Sahara bis zum Atlantik scheint dann fast nur noch ein Kinderspiel. Durch seine Detailbeschreibungen lässt der Autor teilhaben an seinen Glücksmomenten über schöne Landschaftsbilder, unermesslich große Dünen, die sich an schwindelerregende Felswände stützen. Natürlich steckt das Unternehmen auch voller Gefahren: Sandstürme, Vipern, Minen, Diebstahl, Schmuggler, kriegerische Auseinandersetzungen, Hunger. Und immer wieder die Suche nach Wasser nach der eisernen Faustregel: Wenn es wenig Wasser gibt, muss man laufen, laufen, sehr schnell laufen. Ebenso gilt seine Sorge den öfters zu wechselnden Kamelen. Wie die Nomaden kümmert er sich um seine Kamele, denn ihnen verdankt auch er sein Wüstenleben. Woran denkt man, wenn man alleine in der Wüste ist? Leidet man unter Einsamkeit? Verspürt man nicht eine gewisse Furcht angesichts dieser unberührten Weiten? Fehlen einem nicht die Menschen?
Auf all diese Fragen antwortet der Autor überraschenderweise mit einem klaren Nein. Selbst lesend ist zu spüren, dass man mit einem Experten unterwegs ist. Kein Wunder: Philippe Frey hat alle Wüsten dieser Welt zu Fuß durchquert.

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