Malediven Urlaub : Papa, da war ein Kugelfisch

Vater und Sohn wollen im Malediven Urlaub nicht ausruhen. Sie wollen was erleben. Auf den Malediven muss man dazu nur untertauchen

Stefan Ribbert
Tauchen im Malediven Urlaub: Bevor Drücker-, Papageien- oder Kugelfische vor der Taucherbrille tanzen, gilt es, dem gestrengen „Dive Master“ genau zuzuhören.
Tauchen im Malediven Urlaub: Bevor Drücker-, Papageien- oder Kugelfische vor der Taucherbrille tanzen, gilt es, dem gestrengen...Ribbert

Werden potenzielle Urlauber nach einem der sogenannten Traumziele auf dieser Welt gefragt, werden definitiv auch die Malediven genannt. Besonders bei Paaren, die sich einen Verwöhnurlaub in trauter Zweisamkeit gönnen wollen, ist die Inselwelt im Indischen Ozean beliebt. Doch Malediven Urlaub als Vater-Sohn-Urlaub? Unser Autor hat das Experiment gewagt und lässt in seinem Text auch den neunjährigen Emil zu Wort kommen.

Man kann sagen, dass die Malediven wunderschön sind – zum Tauchen und Schnorcheln. Ich habe heute einen Drückerfisch, ein paar Papageienfische, einen Kugelfisch, sieben Haie und noch ungefähr 50 andere Fischarten, die Papa nicht kannte, gesehen.

Das Wasser steht bedenklich flach in der Lagune. Bis zur Riffkante sind es nur hundert Meter, aber die haben es in sich. Flach atmen, Kind gut festhalten und behutsam paddelnd durch die mit einer Fahne markierte Rifföffnung schwimmen. Jetzt bloß keinen der intakten Korallenstöcke touchieren – das kann hässliche Wunden geben und ein frühes Aus für weitere Schnorchelausflüge bedeuten. Was mein Sohn als ersten tropischen Schnorchelausflug seines Lebens sorglos strampelnd genießt, ist für mich erst mal sorgenvoller Stress. Und dann noch das – gleich hinter der Schneise zum steil abfallenden Hausriff patrouillieren sechs elegante Schwarzspitzenhaie. Dass die für Menschen harmlos sind weiß ich – aber wie reagiert ein Neunjähriger auf so eine Begegnung mit Raubfischen, die deutlich größer sind als er selbst? Emil macht zum Glück nur große Augen hinter seiner leicht beschlagenen Kindermaske (die er zur Sicherheit mit einer Hand festhält), zählt die eleganten Schwimmer und will dann aber weiter bunte Fische gucken. Schnorcheltest bestanden – Erleichterung bei Papa.

Malediven Urlaub mit Kind

Einen Kinderclub gibt es auch im Hotel. Sogar mit einem Babyraum. Und es gibt Louise, die zauberhafte junge Kindergärtnerin aus Schwaben. Seit gerade mal drei Wochen ist sie auf den Malediven – zum ersten Mal in ihrem Leben. Die Arbeitsagentur hatte ihr den Job angeboten, und sie hat ihn sofort genommen. Was es nicht alles gibt ... Bei ihr weiß ich Emil in guten Händen und mache eine eher wenig kindgerechte Orientierungstour auf Englisch über die mit 1,5 Kilometer Länge für Malediven-Verhältnisse riesige Insel mit. Kuramathi hat elf Restaurants, fünf Bars, ein Eiscafé (mit Screw Pine-Eis, das es vielleicht nur hier gibt), eine meeresbiologische Station, ein Wassersportzentrum, zwei Tauchcenter, eine endlose Sandbank, ein Spa, zwei Pools, ein Fußballfeld und 300 Bungalows in elf verschiedenen Kategorien. Wenn die Insel ausgebucht ist, leben hier 1300 Menschen – 600 Gäste und 700 Mitarbeiter. So viele Bewohner hat sonst nur die Hauptinsel Malé.

Heute habe ich einen Tauchkurs gemacht. Zuerst hat mir Sven das Tauchgerät gezeigt und aufgesetzt. Dann bin ich mit ihm ungefähr 1,50 Meter tief und 100 Meter weit getaucht. Danach sind wir ein Riff entlanggetaucht. Und haben wieder ungefähr 50 verschiedene Arten Fische gesehen.

Ich habe nur eine Fischart gesehen – beim Morgentauchgang um sechs Uhr früh: Hammerhaie. Die gibt es gleich gegenüber von Kuramathi ganzjährig mit großer Verlässlichkeit. Solche Tauchplätze sind selten auf der Welt, und nur deshalb kommen manche Taucher hierher. Hammerhaie mögen keine Riffe. Wir haben also einen reinen Blauwassertauchgang vor uns. Tauchlehrerin Tatjana (auch eine Deutsche) hat heute Frühschicht und macht klar, was auf uns zukommt: „Es geht mehr darum, dass die Haie uns finden, als dass wir die Haie finden. Wir gehen auf 25 Meter. Und falls wir welche sehen, noch fünf Meter tiefer. Es kann aber auch sein, dass wir außer etwas Plankton gar nichts sehen.“ Wir treffen, kurz bevor alle Hoffnung verloren ist, auf sieben Prachtexemplare. Majestätisch und kraftvoll ziehen sie ihre geheimnisvolle Bahn. Woher, wohin weiß niemand so recht. Nur, dass sie pünktlich sind. 6 Uhr 15. Emil schläft hoffentlich noch, denn Louise vom Kids Club ist noch nicht im Dienst ...

Am Nachmittag war ich segeln. Das Boot war sehr schnell. Es heißt Minicat.

Eigentlich wollten wir Wasserski fahren. Aber die weißen Schaumkrönchen auf den Wellen zeigen uns schnell, dass das keine gute Idee ist. Theresia Linke, die Leiterin des Wassersportzentrums – gibt es denn hier nur Deutsche?, – bietet eine Fahrt im Katamaran an. Ob Emil mit Papa oder einem Segellehrer rausfahren möchte, fragt sie ihn. Er zeigt ohne zu zögern auf den maledivischen Segellehrer. Die erste Schmach des Urlaubs – ein bisschen mehr Vertrauen in die Fähigkeiten seines Vaters hätte ich schon von meinem Sohn erwartet. Andererseits: Ich habe zwar einen Segelschein, aber einen Katamaran habe ich noch nie gesteuert. Also bin ich ein wenig erleichtert und rede mir die väterliche Enttäuschung schön.

Ich komme mit einem indischen Ehepaar aus Kalkutta ins Gespräch. Der Mann besitzt eine Eisenerzmine und beschäftigt 2000 Angestellte unter Tage plus 4000 in der überirdischen Verarbeitung und Verwaltung. Er ist Ende 40, und dies ist der erste Urlaub seines Lebens. Seine Frau hat ihm gedroht. Wenn er jetzt keinen Urlaub mit ihr mache, ließe sie sich scheiden. So weit will ich es nie kommen lassen ...

Es gibt auch ein Angelboot mit vier Angeln. Es passen vier Menschen mit Besatzung darauf. Je mehr Angler, desto billiger der Preis. Wenn jemand den Fisch hat, muss der Nächste warten bis wieder ein Fisch an der Angel ist. Und so weiter ...

Emil ist begeisterter Angler. Sein größter Fisch war bis jetzt eine Laube aus einem See bei Salzburg – 20 Zentimeter, 40 Gramm schwer. Und jetzt spielen wir Hemingway – mit Kampfstuhl, allem Pipapo und einem leicht schlechten väterlichen Gewissen. Mama (die mit ihren Freundinnen verreist ist) wäre nicht amüsiert – ein Neunjähriger im Kampfstuhl! Aber darunter gibt es für Angelfreunde nichts auf Kuramathi. Die Wellen sind heute besonders hoch. Die beiden mitfahrenden chinesischen Honeymooner verabschieden sich spontan in anhaltende Seekrankheit. Der erste Biss gehört dem jüngsten Angler an Bord – kurz bevor auch ihm übel zu werden droht. Das Angelfieber siegt, als er den majestätischen Segelfisch aus dem Wasser springen sieht. Mehr als zwei Meter lang und bestimmt 40 Kilo schwer.

Beim Frühstück haben wir kurz durchgesprochen, was jetzt zu tun ist. Papa steckt die Angel in die Führungsöffnung und zieht den Schaft Richtung Himmel. Emil macht die Arbeit an der Kurbel. Nach 15 Minuten haben wir das schöne Tier am Boot. Wollen wir ihn nicht lieber wieder freilassen? Emil schwankt: „Schmeckt der Fisch gut?“ „Ja, sehr gut. Viel besser als eine Laube.“ Das Schicksal des Segelfisches ist besiegelt. Der Inselkoch wird ihn uns abends zubereiten, und Emil lädt jeden zu dem Mahl ein, der uns über den Weg läuft.

Heute Morgen bin ich mit Papa, einer Meeresbiologin und noch gut 14 Personen auf einem Boot schnorcheln gegangen. Wir haben einen Manta und noch eine Schildkröte gesehen. Von denen gibt es hier echt viele.

Bei jedem Fisch steckt Emil den Kopf über Wasser und fragt: „Was war das?“ Die jeweilige Antwort quittiert er mit „wow“ und steckt den Kopf wieder unter Wasser. Auch der Manta löst mit seinen 3,50 Metern keine andere Euphorie aus als zwei Anemonenfische – Nemo sei Dank.

Ich weiß trotzdem jetzt schon, was die vernünftige Mama sagen wird: „Er wird das jetzt völlig normal finden, beim Schnorcheln einen Riesenmanta zu sehen. Was willst du ihm später noch bieten? Er hat doch bald schon alles gesehen.“ Ein Traumurlaub kann ganz schön anstrengend sein ...

Wer mehr Informationen zu den Malediven möchte, sollte sich auf der ITB in Halle 5.2 umschauen

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