Reise : Mit Sicherheit unbequemer

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hat sich auch im Tourismus viel verändert

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Unter Polizeischutz. An den großen Sehenswürdigkeiten der Welt – hier die Pyramiden von Gizeh – werden die Touristen bewacht. So gut es geht. Foto: laif
Unter Polizeischutz. An den großen Sehenswürdigkeiten der Welt – hier die Pyramiden von Gizeh – werden die Touristen bewacht. So...Foto: Markus Kirchgessner/laif

Die Sicherheitslage auf der Welt hat sich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 dramatisch verändert. Insbesondere musste sich auch die gesamte Tourismusindustrie entsprechend einstellen, und jeder einzelne Reisende bekommt es buchstäblich am eigenen Leib zu spüren, sobald er zum Beispiel ein Flugzeug besteigen möchte. Obwohl das Fliegen unmittelbar nach den Anschlägen eigentlich um ein Vielfaches sicherer wurde – Kontrollen an Flughäfen und Gefahrenabwehr an Bord der Flugzeuge wurden massiv verstärkt –, erlebte die zivile Luftfahrt damals eine bis dahin nie gekannte Buchungsdelle. Wie jedoch sehr oft nach Katastrophen jedweder Art erholte sich der Tourismus besonders schnell. Reiseveranstalter taten aus naheliegenden Gründen ihr Möglichstes, damit Urlauber wieder Vertrauen fassten. Gleichwohl: Das Sicherheitsgefühl auf Reisen hat abgenommen, Sicherheit steht jedoch bei den meisten Urlaubern seit 2001 ganz oben auf der persönlichen Agenda. Durch Scanner und Leibesvisitationen ist die Flugreise heute erheblich unbequemer und zeitraubender geworden – der Reiselust hingegen hat das letztlich keinen Abbruch getan.

Die renommierten deutschen Reiseveranstalter reagierten nach dem 11. September 2001 konsequent auf die zunehmende Verunsicherung der Urlauber und bauten relativ zügig ein umfangreiches Sicherheitsmanagement auf, das nach wie vor weltweit Branchenmaßstäbe setzt. Die ständige Analyse der Sicherheitslage (Terror, politische Unruhen, Naturkatastrophen) in nahezu allen Zielgebieten, auch in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt, sowie eine aktive und offene Informationspolitik bilden die Eckpfeiler des Systems.

So erhalten beispielsweise Gäste des Münchener Studienreiseveranstalters Studiosus mit ihrer Reisebestätigung und laufend bis zum Reiseantritt aktualisierte Sicherheitseinschätzungen der hauseigenen Länderexperten beziehungsweise des Auswärtigen Amts. Bereits Reisende informiert der Veranstalter über seine Reiseleiter, sollten Veränderungen der Sicherheitslage eingetreten sein. Ganz ähnlich verhält es sich bei den meisten anderen deutschen Veranstaltern.

„Die Tourismusindustrie muss dem Wunsch des Verbrauchers nach mehr Information über alle sicherheitsrelevanten Themen gerecht werden“, sagt Tui Deutschland-Chef Volker Böttcher. Deutlich wird das gestiegene Sicherheitsbedürfnis vor allem im Falle einer Krise: 95 Prozent der Bundesbürger erwarten dann eine umfassende Betreuung durch den Reiseveranstalter. Noch vor einem Jahr war dieser Aspekt nur 81 Prozent der Deutschen wichtig, ergab eine Tui-Umfrage im Mai 2010. Und für neun von zehn Befragten sind sowohl die schnelle Information am Urlaubsort und die Organisation der Rückreise im Krisenfall (93 Prozent) sowie die Kostenübernahme für den Rücktransport (91 Prozent) wichtige Kriterien, wenn es um eine sichere Veranstalterreise geht.

Wer eine Reise plant und vorher abwägen möchte, ob er unter Umständen in dem gewünschten Zielgebiet buchstäblich auf der sicheren Seite ist, wird sich im Reisebüro erkundigen oder selbst im Internet recherchieren. Während selbst klassische Reiseländer oft sehr zurückhaltend sind, auf mögliche Gefahren im eigenen Land hinzuweisen, finden sich auf den Seiten der meisten Veranstalter stets aktuelle Sicherheitshinweise. Geradezu musterhaft verhält sich hier Studiosus. Im Jahr 2010 etwa publizierte das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 300 Mitteilungen zu sicherheitsrelevanten Belangen. Im vergangenen Frühjahr beispielsweise dominierten die Sicherheitslage in der Arabischen Welt und die Havarie des Kernkraftwerks Fukushima die Agenda. Seit Februar 2003 versendet der Marktführer bei Studienreisen außerdem regelmäßig alle im Internet veröffentlichten Meldungen auch als aktuelle Sicherheitsinfos per E-Mail an mehr als 7000 Reisebüros in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Beides gilt laut Studiosus als „einmalig in der Tourismusbranche“.

Aufgrund von Analysen werden Länder und Regionen bei Studiosus in bereisbare und nicht bereisbare eingeteilt. Länder und Regionen mit hohem Risiko politischer Unruhen, wie zum Beispiel aktuell im Süden Kirgisistans, hoher Gewaltkriminalität, wie zum Beispiel in Guatemala, oder sehr hoher Terrorgefahr, wie sie derzeit beispielsweise in Pakistan herrscht, werden selbst dann nicht bereist, wenn es keine explizite Reisewarnung beziehungsweise kein Abraten des Auswärtigen Amtes gibt. So umfasst die Liste der „Aus Sicherheitsgründen nicht bereisten Länder und Regionen“, die auf der Studiosus-Homepage abrufbar ist (www.studiosus.com/Informationen/Reisesicherheit), derzeit 18 Länder beziehungsweise Gebiete, für die eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes besteht. Darüber hinaus bietet der Veranstalter aus Sicherheitsgründen aktuell in 46 weitere Länder und touristisch interessante Regionen keine Reisen an.

Durch eine gute Präventionsarbeit können Sicherheitsgefährdungen zwar weitgehend ausgeschlossen werden. Allerdings kann kein Veranstalter unvorhersehbaren Ereignissen, wie zum Beispiel dem Terroranschlag auf das World Trade Center, dem Tsunami in Südostasien im Jahr 2004 oder dem Vulkanausbruch in Island 2010, vorbeugend begegnen. Es kann nur darum gehen, die negativen Folgen für Reisende in Grenzen zu halten.

Um für Katastrophen gerüstet zu sein, arbeiten die renommierten Veranstalter deshalb kontinuierlich an der Weiterentwicklung ihres Krisen- und Sicherheitsmanagements. So bietet Studiosus beispielsweise seit 2010 seinen Gästen einen EDV-gestützten Notfallservice an. Dadurch ist gewährleistet, dass eine aktuelle Handynummer von Reiseteilnehmern vorliegt, die eine schnelle Erreichbarkeit in Krisenfällen ermöglicht. Für eine schnellstmögliche Hilfe nutzt Tui den Alarmierungs- und Krisenmanagementdienst Fact24. „Mithilfe der Technik können sogenannte Care-Teams auf Basis individueller Kriterien wie Aufenthaltsort, Qualifikationen und Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder schneller zusammengestellt werden“, beschreibt Ulrich Heuer, Leiter des Krisenstabs, die Vorteile von Fact24.

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