Oman : Über allem liegt der Weihrauch

Das wertvolle Harz hat den Oman reich gemacht. Heute profitiert das Land von Bodenschätzen – und einem außergewöhnlichen Sultan.

Kristin Oeing
Für eine Handvoll Weihrauch aus Oman wird heute im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten nicht mehr sehr viel gezahlt, obwohl die Nachfrage weiter groß ist.
Für eine Handvoll Weihrauch aus Oman wird heute im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten nicht mehr sehr viel gezahlt, obwohl die...Foto: imago/imagebroker/puchinger

Sultan Qabus begrüßt die ankommenden Gäste am Flughafen von Maskat, der Hauptstadt des Omans. Nicht höchstpersönlich, doch sein Abbild blickt mit väterlicher Miene auf die Besucher herab, die in der Ankunftshalle in einer Schlange stehend auf ihr Visum warten. Den traditionellen Krummdolch „Khanjar“ trägt er im Hosenbund, sein weißer Bart ist fein säuberlich gestutzt, die Hände hat er übereinander gefaltet. Das Porträt des Autokraten, sorgfältig gerahmt, ist eines von Abertausenden, die das alltägliche Leben der Menschen in Oman begleiten. An Wänden von Cafés und Geschäften, in Hotelfoyers und Supermärkten. Es prangt an Häuserfassaden und ziert Souvenirs in den Andenkenläden der Souks. Der Monarch ist allgegenwärtig. Das Volk ist ihm treu ergeben, bejubelt seinen Sultan manchmal gar mit kindlichem Eifer, seine Beliebtheit konnte auch der arabische Frühling nicht trüben.

Seit mehr als 40 Jahren ist Qabus Staatsoberhaupt, Ministerpräsident, Außenminister und Oberbefehlshaber der Streitkräfte und der Polizei. Ein absolutistischer Monarch, der das Land im rasanten Tempo aus dem arabischen Mittelalter in die westliche Moderne geführt hat – und die mangelnden politischen Mitsprachemöglichkeiten aufgrund seiner imposanten Leistung vergessen ließ. Das „schwarze Gold“, das aus dem trockenen Wüstenboden emporquillt, machte das Sultanat zu einem reichen Land.

Die Ölmilliarden investierte der Sultan in die Schulbildung seiner Untertanen, Mädchen wie Jungen, und spendierte seinem Land eine flächendeckende, kostenlose Gesundheitsversorgung. Zwar sind die Ölreserven endlich, reichen Expertenschätzungen zufolge noch für 15 Jahre. Und obwohl Erdgas in großem Stil gefördert wird und riesige Vorkommen im Landesinneren entdeckt wurden, macht der Sultan Staat und Volk fit für die Zukunft: Bildung und Forschung, neuen Technologien und Tourismus gilt das Hauptaugenmerk.

Thronerben gibt es nicht – die Gerüchteküche brodelt

„Er ist ein weiser Mann“, sagt Salim Suhail Ali Al Kathiri. Der 35-Jährige arbeitet als Qualitätsmanager im Bildungsministerium und führt als Nebenjob Touristen durchs Land. „Er gibt unserem Land Stabilität und Sicherheit.“ Doch der Sultan ist nicht mehr der Jüngste, soeben hat er seinen 73. Geburtstag gefeiert, ist unverheiratet. Einen Thronerben gibt es nicht, zumindest keinen offiziellen. Die Gerüchteküche brodelt. Ein Busfahrer berichtet von einem geheimen Thronfolger, ein anderer von zwei Namen in einem Umschlag – potenzielle Nachfolger, zwischen denen die Berater des Sultans nach seinem Ableben wählen sollen. Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, dass der Sultan es nicht so mit Frauen habe. Verschlusssache Qabus, sein Privatleben ist auch für viele Omaner ein Mysterium, sein Privatleben ein Tabu.

Der Monarch. Sultan Qabus ist seit mehr als 40 Jahren Staatsoberhaupt in Oman.
Der Monarch. Sultan Qabus ist seit mehr als 40 Jahren Staatsoberhaupt in Oman.Foto: Ahmad Halabisaz, imago

Die Jacht des Sultans ankert im Hafenbecken, ein elfenbeinfarbener Luxusliner, 155 Meter lang, sechs Decks, inklusive Konzertsaal und Helikopterlandeplatz. Momentan ist der Sultan nicht in der Stadt, der Blick auf den beflaggten Arbeitspalast und die piekfein herausgeputzten Regierungsgebäude ist also frei. Wäre der Herrscher anwesend, so erzählen die Schaulustigen, wäre das Gebiet weiträumig abgesperrt.

Die Fahrt vom Stadtzentrum zum Hafen führt an weißen, mit Türmchen und Zinnen dekorierten Neubauten im maurischen Stil, Ladenpassagen und Fast- Food-Läden vorbei, prächtige Miniaturpaläste und prunkvolle Hotels reihen sich aneinander, die Rasenflächen sind saftig- grün und akkurat geschnitten, die Blumenbeete entlang der viel befahrenen Straßen leuchten in allen Farben – im Vergleich zu den Disneyland-Metropolen Dubai und Abu Dhabi ist die omanische Hauptstadt sympathisch bescheiden geblieben, umsichtig geplant und bebaut. Nur die Sultan-Qabus-Moschee, die als zweitgrößte Moschee der Welt bezeichnet wird – ein monumentaler Bau aus indischem Sandstein – zeigt, dass man Superlative erschaffen könnte, wenn man wollte.

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