USA : Das Glück kann ein Highway sein

Grandiose Landschaften, kuriose Diner und relaxte Zeitgenossen: Bei der Autofahrt von Las Vegas bis San Francisco darf man sich Zeit lassen.

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Kitsch as kitsch can: Eins der schönsten und prächtigsten Casinos in Las Vegas ist Cesar's Palace.
Kitsch as kitsch can: Eins der schönsten und prächtigsten Casinos in Las Vegas ist Cesar's Palace.Foto: Oliver Hilger

Der Highway muss warten. Vor dem gemütlichen Cruisen gibt sich die Berlinerin noch das Kontrastprogramm. Feuerspeiende Vulkane, ägyptische Pyramiden, Elvis-Imitatoren, Casinos, Mega-Resorts und unsäglicher Kitsch, der in den Augen schmerzt: Wer nach Las Vegas kommt, darf alles, was er dort sieht, nicht so ernst nehmen. Fast 40 Millionen Touristen werden jährlich von dieser Stadt in der Wüste von Nevada angelockt.

Zu betrachten ist der Inbegriff von Kapitalismus und Geldmacherei in riesigen Shoppingmalls, Casinos und Vergnügungspalästen. Gut 150.000 Hotelzimmer gibt es in Las Vegas, geschätzt die Hälfte an der 6,8 Kilometer langen Vergnügungsmeile, dem Strip.

Wer Las Vegas in Reinkultur spüren will, begibt sich ins 1966 eröffnete und inzwischen renovierte Caesar's Palace. In dieser kitschigen römisch-griechischen Umgebung zwischen Säulen, Springbrunnen und Marmortreppen wundert man sich nicht, wenn die Bardamen mit knappen Togen-Outfits und Kleopatra-Kostümen und viele Angestellte als römische Zenturios herumlaufen.

Von Nevada nach Kalifornien - eine Reise zu Wahrzeichen der USA
Die Calico Ghost Town ist eine Geisterstadt in der Mojave-Wüste im Süden Kaliforniens.Weitere Bilder anzeigen
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23.12.2015 11:08Die Calico Ghost Town ist eine Geisterstadt in der Mojave-Wüste im Süden Kaliforniens.

Kurios ist auch die David-Copperfield-Show im MGM Hotel. Zum Ticketpreis von 80 Dollar sieht man einen Magier mit Botox im Gesicht, der zwischen Aliens, Dinosauriern und einer fliegenden Untertasse umherwandelt. Er erzählt von seiner schwierigen Kindheit und rührt die amerikanischen Zuschauer damit zu Tränen. Irgendwann watschelt eine Gans über die Bühne. Wozu? Danach fragt man nicht in Las Vegas. The Show must go on.

Cruisen ist angesagt. Das heißt: gemächlich fahren

Zeit zum Essen. Rein in einen der besten Burgerläden im amerikanischen Westen, dem In-N-Out-Burger. Das Interieur ist rot-weiß, der Slogan lautet: „Quality you can taste“. Zu Recht. Alles wird frisch zubereitet, die French Fries sind handgeschnitten, das Beef hervorragend. Geheimtipp: einen Burger „Animal style“ mit Zwiebeln und einer Spezialsauce bestellen. Steht nicht mal auf der Karte.

Bye-bye, Las Vegas – rauf auf die Interstate I-15 in Richtung Kalifornien. Cruisen ist angesagt. Das heißt: gemächlich fahren, die Landschaft betrachten, die Seele baumeln lassen. Du reihst Dich ein in den rollenden Verkehr, suchst nach einem passenden Radiosender und bekommst „Rat Pack“ rein.

Wenn dann Frank Sinatra sein „I’ve travelled each and every highway; And more, much more than this, I did it my way“ singt, ist das Autofahren in den USA nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein sinnliches Erlebnis. Sinatra sitzt neben Dir, Du singst mit ihm, fährst an typischen Truck Stops vorbei, vor denen chromeglänzende, spritschluckende Lkw-Monster parken.

Bei einem Abstecher, Exit 239 Richtung Baker auf der I-15 ist zur Rechten ein unscheinbares blau-weißes Gebäude zu sehen. Der „Mad Greek“ hat seine besten Jahre hinter sich, auf dem Parkplatz stehen ein paar verbeulte Lkw-Anhänger und ein verrosteter Container mit der Aufschrift „Sealand“. Niemand steht in der verstaubten Einfahrt des „Gyros Drive through“. Der ideale Ort für die Mundharmonika- Szene in Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“.

Am Tresen essen die Trucker ihre mehrstöckigen Burger

Autofahren gehört zum American Way of Life. Im Wagen auf einer schnurgeraden Straße in der kargen, brütend heißen Mojave-Wüste schwirren Szenen aus den Roadmovies „Easy Rider“ oder „Thelma and Louise“ vor den Augen. Du bist auf dem Weg irgendwo hin auf einer der schier endlosen Interstates. Die Freiheit, monatelang durch dieses Land zu fahren, ist plötzlich zum Greifen nah: Cruisen, die Landschaft anschauen, kurze Stopover in einem der unzähligen Diner am Straßenrand, in denen die Trucker an eigenen Tischen oder am Tresen ihre mehrstöckigen Burger essen und vor ihnen XXXL-Becher mit Coke und einem Gebirge an Eiswürfeln stehen.

Auch heute gibt es noch Easy Rider auf den Interstates.
Auch heute gibt es noch Easy Rider auf den Interstates.Foto: Oliver Hilger

Natürlich kauft man selbst auch große eisgekühlte Getränke in den Shops, balanciert sie ins Auto und versucht, sie stoßsicher in dem Getränkehalter zu verankern. Das klappt nicht immer.

Die Amerikaner lieben Autos und das Autofahren. Wer hier rechts oder links überholt, fängt häufig einen freundlichen Blick der Insassen des nebenher fahrenden Fahrzeugs auf. Man grüßt mit einem kurzen Nicken und weiter geht’s. Das Tempo beim Fahren ist selbst für eingefleischte deutsche Fahrer irgendwann nicht mehr wichtig. Nach ein paar Tagen legt sich das Gefühl zu kriechen und man muss anerkennen, wie stressfrei Autofahren sein kann. Auch in einem coolen roten Porsche 911. Let it roll.

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