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Australien : Natur ist gemustert

16.12.2012 00:00 UhrVon Uwe Junker
Painted Cliffs. Die „bemalten Felsen“ gehören zur bizarren Küstenlandschaft auf Maria Island. Wer die Insel entdecken will, geht zu Fuß oder nimmt das Rad. Foto: Markus Kirchgessner/laifBild vergrößern
Painted Cliffs. Die „bemalten Felsen“ gehören zur bizarren Küstenlandschaft auf Maria Island. Wer die Insel entdecken will, geht zu Fuß oder nimmt das Rad. - Foto: Markus Kirchgessner/laif

Maria Island liegt vor der Küste Tasmaniens. Ein Italiener wollte hier große Geschäfte machen – und scheiterte. Die Insel freut’s.

Der Himmel ist blau und klar, doch es ist kalt, als wir in der Früh unser Quartier im Freycinet Nationalpark verlassen, um in Tribuanna die Morgenfähre nach Maria Island zu erreichen. So sind sie eben – die Sommermorgen im rauen Tasmanien. In Tribuanna am kleinen Hafen haben Anne und John schon mit ihrer Arbeit begonnen. Sie betreiben die Fähre, die zweimal täglich nach Maria Island fährt. Außerdem verleihen sie Mountainbikes für die Inselerkundung. Anne ist Nachfahrin einer jüdischen Familie aus Wien, die auf der Flucht vor den Nazis einst hier eine neue Heimat fand.

Während der einstündigen Überfahrt steuert John den Katamaran, deutet hin und wieder auf vorbeiziehende Delfine oder am Himmel kreisende Seeadler, überlässt aber ansonsten seiner Frau die Gestaltung des Bordprogramms.

Und Anne hat viel zu erzählen. Von den Ureinwohnern dieser Region, den Tyredemme, die in ihren Kanus aus Schilfrohr zu der Insel übersetzten. „Toarra-Marra-Monah“ haben sie das Eiland genannt. Oder vom Entdecker Abel Tasman, der die Insel 1642 nach Maria van Diemen benannte, der Frau des Generalgouverneurs von Niederländisch-Ostindien, Anton van Diemen. Der göttliche Name habe aber in krassem Gegensatz zu den rauen Gesellen gestanden, die die Insel in der Folgezeit besiedelten: Wal- und Robbenfänger zu Beginn des 19. Jahrhunderts, gefolgt von englischen Sträflingen von den 1820er Jahren an.

Und dann gab es noch Diego Bernacchi, jenen italienischen Unternehmer, der Maria Island 1884 gemietet hatte. Industrialisieren wollte er das Eiland und gleichzeitig ein zweites Venedig daraus machen. Zunächst ließ er eine Zementfabrik errichten, versuchte Wein und Maulbeerbäume anzupflanzen – und scheiterte. 1891 verließ er die Insel – und kam knapp zwei Jahrzehnte später dorthin zurück. 1925 starb er. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise musste auch diese, seine zweite Zementfabrik 1930 endgültig schließen. Gebäudereste und andere Spuren aus Bernacchis Zeit sind noch immer zu finden. Doch das Faszinosum vom 115 Quadratkilometer großen Maria Island heute ist die ursprüngliche Natur.

Anne hat für uns ein Tagesprogramm konzipiert, in dem alle Höhepunkte enthalten sind, die man ihrer Meinung nach auf der Insel gesehen haben muss. Mit den Worten „Ihr seht sportlich aus, das schafft ihr schon“, schickt sie uns erst einmal vom Schiffsanleger in der ehemaligen Siedlung Darlington auf den „Fossil Cliffs Circuit“, immer bergan und gegen den Wind. Den „Commissariat Store“, die heutige Ranger Station des Nationalparks und Reste der Zementfabrik hinter uns lassend, erreichen wir bald den Inselfriedhof und stoßen auf eine interessante Geschichte. Ein Grabstein weist auf einen Maori Krieger namens „Hohepa Te Umuora“ hin, einen ehemaligen Gefangenen der Maori Kriege, der hier 1847 starb. Sein Grabstein blieb, seine Gebeine wurden 1988 exhumiert und nach Neuseeland überführt, um dort im Rahmen eines traditionellen Stammesbegräbnisses beigesetzt zu werden.

Schließlich stehen wir verschwitzt und windumtost hoch über der Fossil Bay an der Nordküste der Insel. Der Ausblick ist nahezu „pilcheresk“, erinnert er doch mit seinem Mix aus blauem Meer, schroffen Felswänden und satten, grünen Wiesen stark an die Landschaften Cornwalls. Die Felswände hier sind übersät mit Abertausenden versteinerter Muscheln und Meeresschnecken. Es herrscht gerade Ebbe, so dass wir zu den riesigen Steinblöcken hinuntersteigen können, gegen die sonst die Wellen klatschen. Bizarre Versteinerungen entdecken wir und lesen später, dass sie viele Millionen Jahre alt sein sollen.

Wieder oben angekommen schwingen wir uns auf unsere Mountainbikes und lassen uns mit Rückenwind zügig bergab rollen. Eine kurze Pause aber gönnen wir uns, für eine intensive Begegnung mit einem Paar Cape-Barren-Gänsen, die uns ganz nahe an sich heranlassen. Unser Ziel sind die Painted Cliffs, die „angemalten Felsen“ die wir – so Annes nachdrückliche Empfehlung – unbedingt noch bei Ebbe erreichen sollen. Nur dann seien sie gefahrlos zu begehen und außerdem sei das Licht zum Fotografieren um diese Tageszeit am besten.

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