Reiselektüre : Komm’ ein bisschen mit nach Italien

Seine Arbeit hat ihn kreuz und quer durch sein Land geführt. In dem Buch erzählt Bruno Maccallini viele komische Geschichten über das wunderbar chaotische Italien.

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Bruno Maccallini ist ein erfolgreicher Schauspieler und Regisseur. Vor allem aber ist er überzeugter Italiener. Seine Arbeit hat ihn jahrzehntelang kreuz und quer durch sein Land geführt – und das Erlebte liefert nun bunten Stoff für sein Buch. Darin plumpst er mitten hinein in dieses wunderbar chaotische Italien. Avezzano, Todi, Monticchiello, ach, so viele schöne Orte, so viele komische Geschichten.

Im apulischen Cerignola wird der Theatertruppe der Lkw mit allen Requisiten gestohlen. In letzter Minute wird das Fahrzeug gefunden, auf dem Sitz liegt ein Entschuldigungszettel. Sorry, man habe den Wagen verwechselt, schreibt einer aus der Diebesbande und setzt verschämt dazu: „... wäre als junger Mann am liebsten selbst Schauspieler geworden.“

Eine Drei-Stunden-Tour durch die Grotte di Frasassi in Genga ist gebucht. „Alles ist sicher“, heißt es, doch Bruno stürzt dennoch in ein zwei Meter tiefes Loch. Per Seil soll er hochgehievt werden. Zum Glück haben die Guides eine Bohrmaschine dabei, um einen Haken im Fels zu befestigen. Dumm nur, dass die Spitze des Bohrers verbogen ist. Am Ende regelt sich’s irgendwie.

Andere Männer mieten sich Cabrios, um eine Frau zu beeindrucken. Bruno leiht eine alte Vespa aus, um Schauspielerkollegin Jutta Speidel die Amalfiküste zu zeigen. In Ravello stoppen sie. „Stellen Sie die Vespa irgendwo ab, schlendern Sie durch diesen wunderschönen Garten, und atmen Sie den Duft der Rosen und Hortensien ein ...“ rät Bruno. Prompt ist Jutta verliebt.

Es geht auch um Palazzi, Kirchen und Kunst in diesem Buch, zwischendurch wird aber immer wieder gespeist. In Neapel die klassische Pizza Margherita mit San-Marzano-Tomaten und Büffelmozzarella, in Syrakus mit Ricotta gefüllte cannoli, in Genua farinata, ein salziger Kuchen aus Kichererbsenmehl, in Rimini piadina, dick belegte Fladenbrote aus Schweineschmalz. In Triest kann der Gast in einer Bar unter sieben verschiedenen Kaffeezubereitungen wählen. Eine lautet: „Caffè in Goccia“ – Espresso mit einem Tropfen Milchschaum. Wehe, der Tropfen ist nicht genau in der Mitte der Tasse.

Wie Kabarett lesen sich die Dialoge, die der Regisseur in Florenz führt, um jene Drehgenehmigung zu erhalten, die längst erteilt, aber leider nicht in seinem Briefkasten gelandet war. Fünf Stunden verbringt er in der Stadtverwaltung und auf dem Polizeipräsidium, bis eine gutherzige Angestellte mit einem Computertrick hilft. „Italien ist das Land, wo die kürzeste Linie zwischen zwei Punkten eine Arabeske ist“, befand der Dichter Ennio Flaiano. Kein Wunder, dass man es lieben muss.


— Bruno Maccallini: Die italienischen Momente im Leben,

aus dem Italienischen von Barbara Neeb und Katharina Schmidt, Malik-Verlag München, 2012,

284 Seiten, 19,99 Euro

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