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Reisetagebuch Tag 12 : Patina ist besser als Rost

09.12.2012 13:17 Uhrvon
Große Rah-Segler haben ihren ganz besonderen Reiz, vor allem bei einer Trans-Atlantik-Fahrt. Entsprechend groß sind auch die Fan-Gemeinden der Schiffe. Foto: Reinhart BüngerBild vergrößern
Große Rah-Segler haben ihren ganz besonderen Reiz, vor allem bei einer Trans-Atlantik-Fahrt. Entsprechend groß sind auch die Fan-Gemeinden der Schiffe. - Foto: Reinhart Bünger

Mann, ist das schwül heute! Das Wasser läuft ja aus den Schuhen. 28 Grad Celsius beträgt die Lufttemperatur, die Luftfeuchtigkeit ist enorm: Ruck-Zuck sind wir klatschnass. Heute lässt die Karibik aber wirklich grüßen. Und so hilft nur ein Sitzplatz im Schatten weiter. An Deck riecht es nach Messingpolitur.

Bei strahlendem Sonnenschein ist die Crew mit Wartungsarbeiten beschäftigt: Sie schleifen Metallteile ab und überziehen sie mit einem Schutzanstrich gegen Rost, die Taue zum An- und Ablegen werden mit einem Heizluftgebläse abgeflammt, damit sich die vielen kleinen hochstehenden Polyesterhaare wieder mit dem Zopf verbinden. In Handarbeit werden Teile der hölzernen Deckaufbauten abgeschmirgelt und anschließend neu gestrichen.

Im Kampf gegen das Meerwasser und gegen die Folgen der Regenfälle gewinnt letzten Endes immer die See – es sei denn, Mannschaften und Eigner gehen massiv gegen Rost und Verfall an. Da geht der 81 Jahre alten „Sea Cloud“ so wie ihrer jüngeren Schwester, der „Sea Cloud II“, die im März 1999 vom Stapel lief.

Beide Großsegler haben ihre Fans, die meisten der Wiederholungsreisenden kennen beide Schiffe. Es gibt gute Gründe für das eine oder das andere. Hier ein kleiner Vergleich aus Gästesicht:

Törns:

Es gibt Gäste, die sich für die „Sea Cloud II“ entscheiden, wenn es um die längeren Transatlantikreisen geht. Der Neubau bietet einfach mehr Platz und wurde im Gegensatz zur älteren Windjammer-Lady gleich als Passagierschiff gebaut. „Für kleinere Fahrten würde ich aber immer die ,Sea Cloud' nehmen,“ sagt ein Mitreisender. Sie habe mehr Patina.

Unterhaltungsangebot:

Die „Sea Cloud“ ist mit Blick auf elektronische Unterhaltungsangebote puristischer angelegt. Während auf „Sea Cloud II“ in den Kabinen Bildschirme zum Empfang der bordeigenen Videofilmangebotes zu finden sind, können auf der „Sea Cloud“ in den Kabinen zwei Musikkanäle empfangen werden. Das ist kein Mangel, finden viele und entscheiden sich gerade deshalb für die „Sea Cloud“.

Bordbibliothek:

Wer längere Zeit auf einem der beiden Rahsegler verbringt, freut sich über den Extra-Raum für eine Bordbibliothek auf der „Sea Cloud II“. Hier finden sich rund um das Thema Seefahrt zudem weitaus mehr Bücher, als sie auf der „Sea Cloud“ Platz finden können. Natürlich gibt es auch auf dem älteren Schwesterschiff – allerdings sehr überschaubare – Leseangebote.

Segel- und Fahreigenschaften:

Der Blick auf die Weiten des Meeres ist auf beiden Schiffen die Hauptattraktion. Vor allem, weil selten Schiffsmotoren stören. Foto: Reinhart BüngerBild vergrößern
Der Blick auf die Weiten des Meeres ist auf beiden Schiffen die Hauptattraktion. Vor allem, weil selten Schiffsmotoren stören. - Foto: Reinhart Bünger

„Sea Cloud“ und „Sea Cloud II“ unterscheiden sich auch in der Form ihrer Unterwasserschiffe. Viele Reisende sind der Meinung, dass die „Sea Cloud“ mit ihrem Yacht-Rumpf besser im Wasser liegt. Vor allem auch bei der oft gar nicht so seltenen Fahrt unter Motor.

Mannschaftsunterkünfte:
Die Mannschaften fühlen sich auf der „Sea Cloud“ mehr „zu Hause“. Das Schiff ist familiärer; allerdings sind die Mannschaftsunterkünfte auf der „Sea Cloud II“ besser und größer.

Mannschaft:
Aus Sicht der Passagiere gibt es für beide Schiffe nur eine Mannschaft, da Service- und Deckpersonal mal auf dem einen, mal auf dem anderen Schiff arbeiten. Das heißt: wer schon einmal auf einem der beiden „Sea Cloud“-Schiffe gefahren ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf dem anderen bekannte Crew-Member treffen. Dieser Wiedererkennungseffekt ist auf beiden Windjammern gleich groß.

Luxus:

Ein Crew-Mitglied beim Angeln. Foto: Reinhart BüngerBild vergrößern
Ein Crew-Mitglied beim Angeln. - Foto: Reinhart Bünger

Die „Sea Cloud“ ist einst als Segelyacht für eine sehr reiche Familie gebaut worden. Um sie zu einem Passagierschiff zu machen, kamen Deckaufbauten hinzu, die Kabinen stammen also nicht alle aus dem gleichen Jahr. Das Outfit ist bei gleichem technischen Standard unterschiedlich, was aber nicht als Mangel empfunden wird. Die „Sea Cloud II“ ist in dieser Hinsicht aus einem Guss.

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