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Reisetagebuch Tag 13 : Auf einem Bein kann man nicht stehen

10.12.2012 14:25 Uhrvon
Die erste Flasche Champus ist schnell geköpft.Bild vergrößern
Die erste Flasche Champus ist schnell geköpft. - Foto: Reinhart Bünger

Noch 655 Seemeilen bis Barbados. Die „Sea Cloud II“ segelt mit 7,4 Knoten von einer Regenfront in die nächste. Die an Bord gefallenen Seeschwalben kommen langsam wieder auf die Füße. Nach einem improvisierten Champagner-Empfang stimmt sich der Shanty-Chor in der Lido-Bar mit Grog auf die Rückkehr in kältere Gefilde ein.

27 Grad und jede Menge Regen: Die feuchte und warme Luft schmeichelt der Haut, es ist prima auszuhalten an Deck. Aber die Sonne lässt sich heute nur kurz sehen. Gleich zwei Regenbögen rahmen sie zu ihrem Aufgang ein. Augenärztin Bärbel aus München hat am Vormittag einen prima Einfall. Eben habe ich mich mit dem Mexikaner Luis auf eine vor dem Regen geschützten Bank hinter der Lounge etwa in der Mitte des Schiffes gesetzt, da schlendert Bärbel vorbei und fragt uns zur besten Brunchzeit: „Trinkt Ihr ein Glas Champagner mit mir?“ - Tja, warum eigentlich nicht? Wir haben heute ja nichts mehr vor, die Besichtigung der Tischlerei und der Segelmacherei im Vorschiff liegt ja gerade hinter uns.

Helmuth, der die Transatlantik-Reise auf der letztjährigen Tagesspiegel-Weihnachtsauktion ersteigert hatte, stößt mit seiner Frau Marlies, einer Physiotherapeutin aus Friedenau, auch dazu. Jetzt wird es richtig nett, zumal Bärbel kurz mit den Worten „Ich hol' uns etwas Salziges“ in die Lido-Bar verschwindet. Gesagt, getan: Die erste Flasche Champus ist schnell geköpft. Jetzt legt Luis seinen regennassen Panamahut und sein Buch beiseite: „Ich habe auch noch eine Flasche unten im Kühlschrank.“ Gesagt, getan.

Am Brunchbuffet im Heck herrscht reges Treiben. Wir holen uns paar Tische zum Abstellen der Gläser, etwas Käse, etwas Schinken, später noch angebratene Bohnen, ein paar Teller und Gabeln und machen es uns gemütlich. Erst einmal die Serviette in den Regen halten und als Tischdecke auflegen. So klatschnass rutscht sie nicht. Marlies: „Es gibt Nürnberger Würstchen, ich hol' welche!“ Bärbels Champagnerempfang kommt eindeutig auf Touren. „Was ist denn hier los? Das sieht ja gut aus!“

Schnell wird ein Liegestuhl für Jutta herangeschafft, die mit unserem Doc vor einigen Tagen so prima Rock'n Roll getanzt hat. „Ich muss nur noch kurz nach unten.“ Jutta ist stets einwandfrei und der Situation entsprechend gekleidet. Luis, der Kosmopolit, der auf dem Weg zu seinen Eltern in Mexiko ist, lässt den Korken der zweiten Champagnerflasche wie eine Signalrakete knallen. Mit einer Bluse, auf der viele Sternchen zu sehen sind, und einem Kopftuch, auf dem noch mehr Sternchen gezeigt werden, kehrt nun Jutta aus ihrer Kabine zurück. Sie hat die Situation wieder völlig richtig erfasst.

Die zweite Champagnerflasche ist rasch zur Hälfte gelehrt, da sieht der Service, worauf es jetzt ankommt: Nachschub. Denn Helmuth berichtet von Golferlebnissen auf hoher See: „Wusstet Ihr, dass es Golfbälle gibt, die sich später in Fischfutter auflösen?“ Das Thema ist schnell durch, und so beginnt Helmuth vom Krieg zu erzählen, von seinem Vater. Einmalig, wer hier alles an Bord ist! Uns würde auch nach zwei weiteren Wochen der Gesprächsstoff nicht ausgehen.

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