Resieführer : Robert De Niro hilft

Stars werben für ihre Heimatorte: Wie man fremde Städte mit Insidern erkundet.

Hans Gasser

Abends angekommen in der fremden Stadt und nur noch eines wollen: ein nettes Lokal zum Essen, dann einen Absacker in einer angesagten Bar und schließlich nichts wie ins Bett. Bloß, wo ist das nette Lokal und die angesagte Bar? Auf die Adressen im zwei Jahre alten Reiseführer kann man nicht bauen. Clever ist, wer sich schon vor der Reise aktuelle Tipps von Einheimischen holt – im Internet.

So hat das holländische Fremdenverkehrsamt eine Seite eingerichtet (www.citybreaks.holland.com), auf der Einheimische Touristen erzählen, wohin sie selbst gern gehen oder was gerade los ist in der Stadt. Joram und Madeleine aus Utrecht empfehlen, am Verkaufsstand eines surinamischen Lokals in der Oudegracht unbedingt die belegten Brote mit Huhn und Curry zu probieren. Und Joeke aus Rotterdam rät, den neuen Amphibienbus zu nehmen, der von der Straße ins Wasser fährt und an der Skyline entlangschwimmt. Die Tipps auf der Seite sind meist mit selbst geschossenen Fotos, manchmal auch mit kurzen Videos unterlegt und werden im Stil eines Blogs laufend aktualisiert. „Die Insider wurden gecastet“, sagt Martin Pohl von Niederlande-Tourismus, und erhielten für ihre Mitarbeit ein Taschengeld. Abgesehen von Tabuthemen wie Rotlicht und Drogen seien sie in ihrer Themenwahl völlig frei.

Ähnliches wie in den Niederlanden gibt es seit kurzem in New York. Aber da kommen die Tipps aus dem Mund von prominenten Stadtbewohnern wie Robert De Niro, Julianne Moore oder Tiki Barber. Die Werbekampagne „Just ask the locals“ wird außer mit den in Schwarzweiß plakatierten Stars auch mit deren Originalstimme geführt. Zwar wird der New-York-Besucher nicht vom leibhaftigen De Niro durch dessen Lieblingsviertel Tribeca geführt, aber er kann in der Stadt die Telefonnummer 311 anrufen, und dann erzählt der Hollywoodstar vom Band, warum man unbedingt das Feuerwehrmuseum besuchen sollte oder was sein Lieblingslokal anzubieten hat. Julianne Moore hingegen empfiehlt besonders kinderfreundliche Plätze, den Chelsea-Market etwa, wo es viele „tasting events“ gebe und man die großen Kekse mit einem Glas frischer Milch hinunterspülen könne. In ihrem Lieblingslokal Piccolo Angolo in der Hudsonstreet solle man auf keinen Fall die Hummer-Cannelloni versäumen, auch wenn es etwas länger dauere. Und noch eins: Kinder bis sechs könne und solle man am besten im Kinderwagen durch die City befördern. Alles andere sei zu anstrengend.

Auf der Seite www.nycvisit.com kann man zudem die Tipps der Stars nach Kategorien abrufen und sich auf einem Stadtplan oder auf der Satellitenbilder-Seite Google Earth den Standort der Empfehlungen abrufen. Bedauerlich ist, dass man sich die gesprochenen Tipps nicht einfach aus dem Netz auf seinen MP3-Player herunterladen kann.

Wer ohnehin lieber mit leibhaftigen Menschen zu tun haben will, der kann in New York die Dienste der Big Apple Greeters in Anspruch nehmen (www.bigapplegreeter.org). Das ist ein gemeinnütziger Verein von 300 Stadtbewohnern, die unentgeltlich und aus reinem Spaß Fremden einen halben Tag lang ihr New York zeigen. Man muss sich dazu drei bis vier Wochen vorher anmelden und braucht eine New Yorker Telefonnummer, unter der die Führung bestätigt und der genaue Termin ausgemacht wird. So kann man etwa mit einem Ex-Broker durch den Finanzdistrikt oder mit einer ehemaligen Lehrerin durchs indische Viertel streifen. Gäste können bereits bei der Anmeldung Wünsche äußern, denen die Führer dann nach Möglichkeit nachkommen. Weil die Nachfrage groß ist, bekommt nicht jeder Angemeldete eine Führung. Wer eine ergattert hat Glück – und ist hinterher begeistert. Hans Gasser

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