Rožnov, km 2480 : Die heit’ren Stunden nur

Jaromír Rehák baut im tschechischen Rožnov Solarzellen. Er kann nur darüber lächeln, dass sein Präsident den Klimawandel leugnet und das Land Umengen Atomstrom an seine Nachbarn verkauft.

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Sonnige Aussichten? Noch halten viele der atomverliebten Tschechen wenig von Jaromír Reháks Geschäftsidee Solarzellen. -Foto: Stefan Jacobs

RožnovIn einem politisch finsteren Jahr versuchten Prager Forscher erstmals, Energie aus Sonnenlicht zu gewinnen: 1968, als sowjetische Truppen in die Tschechoslowakei einmarschiert waren, um Moskaus Macht über das Land zu sichern. Jetzt, knapp 40 Jahre später, produziert Jaromír Rehák Solarzellen, während der tschechische Präsident Václav Klaus den Klimawandel leugnet. Die Rahmenbedingungen für Reháks Firma Solartec könnten also besser sein. Der heute 49-Jährige hat 1989 bei der Solarforschung angefangen, damals noch im Kombinat "Tesla", einem der größten Elektronikhersteller im Ostblock.

Die Wende pulverisierte den Riesen zu 300 kleinen Spezialfirmen, von denen viele nicht lange überlebten. Solartec schon. Der tschechische Solarzellen-Marktführer sitzt in einer alten Fabrikhalle, der man ansieht, dass die Miete günstig ist. 75 Menschen arbeiten hier. Zwar waren es mal 120, aber nachdem eine deutsche Firma Solartec Ende 2001 übernahm und ein Jahr später Pleite ging, musste Rehák wieder neu - und nun allein - um Lieferanten, Geldgeber und Marktanteile kämpfen. Solange Solarstrom teurer ist als konventionell erzeugter, lässt er sich nur mit politischer Hilfe vermarkten. Gebraucht wird er ohnehin nicht, denn Braunkohle ist ebenso reichlich vorhanden wie Atomkraftwerkskapazitäten.

Tschechien verkauft Unmengen Atomstrom an seine Nachbarn: Deutschland, Österreich, Slowakei. Rehák lächelt, als er auf den ignoranten Staatspräsidenten angesprochen wird. Kein Kommentar zur Politik. Er sagt nur, dass bis 2010 acht Prozent der Energie in Tschechien aus erneuerbaren Quellen stammen müssen. "Das war Teil der EU-Beitrittsvereinbarung." Schon seit 2000 läuft das Förderprogramm "Sonne in die Schulen" des Umweltministeriums, das Solartec einen Absatzmarkt sichert. Und vor gut zwei Jahren hat das Parlament ein Gesetz beschlossen, das Solaranlagenbetreibern 15 Jahre lang etwa 42 Cent pro Kilowattstunde Strom garantiert. Diese Regelung ist nicht so attraktiv wie die deutsche, aber ein Anfang.

Für Hausbesitzer in Tschechien ist es bisher keine Imagefrage wie hierzulande, ob man eine Solaranlage auf dem Dach hat. Aber Rehák trägt das Thema auf mehreren Wegen ins Bewusstsein der Leute: Auf dem Prager Corinthia-Hotel hat er eine besonders große Anlage installiert. Ihre Funktionsweise ist samt Foto sogar im Physikbuch der 9. Klassen dargestellt. Und auf dem Flachdach vor Reháks Bürofenster steht neben einer Reihe gewöhnlicher Solarzellen auch eines für interessierte Bürger und Experten: Die vor einer Webcam installierte Anlage lässt sich via Internet nach dem Sonnenstand ausrichten und meldet ihre aktuelle Energieleistung. Ein Gag, der zeigen soll, wie sauberer Strom entsteht. Stefan Jacobs

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