Schmutzige Schifffahrt : Die Zukunft schwimmt sauber

Das Thema Klimawandel beschäftigt längst auch Reedereien. Was ihre Pläne bringen, ist umstritten.

von
Gästeempfang. Ob sich Pinguine über Kreuzfahrtschiffe freuen, steht auf einem anderen Blatt. In der Antarktis lagern sich Rußpartikel auf dem Eis ab.
Gästeempfang. Ob sich Pinguine über Kreuzfahrtschiffe freuen, steht auf einem anderen Blatt. In der Antarktis lagern sich...Foto: John Frumm/hemis-fr/laif u

So ein Kreuzfahrtschiff ist eine schwimmende Stadt: Auf der „Aida Sol“ zum Beispiel können gleichzeitig mehr als 2500 Gäste wohnen, rund 600 Besatzungsmitglieder kümmern sich Tag und Nacht um sie. Der Antrieb der Schiffe verschlingt genauso viel Energie wie der Betrieb auf dem Schiff: Klimaanlagen, Fahrstühle, Beleuchtung, aber auch die Wellness-, Sport- und Restaurantbereiche: All das ist sehr energieintensiv. Und enorm klimaschädlich, wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kritisiert. Er hat die Kreuzfahrtschiffe mit seiner Kampagne „Mir stinkt’s!“ ins Visier genommen. Der Umweltverband fordert, endlich die Verbrennung von Schweröl zu beenden. Denn Schweröl sei ein giftiger Abfallstoff, den die Schiffe auf See kostengünstig entsorgten. „Das sind schwimmende Müllverbrennungsanlagen“, kritisiert Dietmar Oeliger, Referent beim Nabu.

Wer Schweröl verbrennt, stößt Schwefel, Stickoxide und Rußpartikel aus; im Jahr 2000 waren das nach Angaben der Umweltschutzorganisation allein in Europa etwa 2,3 Millionen Tonnen Schwefeloxid und 3,3 Millionen Stickstoffoxid. Sie schaden der Gesundheit und dem Klima gleichermaßen. Wenn sich Rußpartikel an Nord- und Südpol auf dem Eis ablagern, beschleunigen sie die Erwärmung. Das Eis taut. Einer Untersuchung des amerikanischen Nasa Goddard Institute for Space Studies zufolge sollen Rußpartikel, die in Antarktis und Arktis geweht werden, die Ursache für bis zu fünfzig Prozent der klimatischen Veränderungen in diesen Regionen sein.

Die Kampagne rückt das Problem der schmutzigen Schifffahrt in die öffentliche Wahrnehmung. Reedereien werben schließlich mit unberührten Landschaften für ihre Zielgebiete und kristallklarem Wasser, auf dem ihre Schiffe fahren – sie können es sich nicht erlauben, als Dreckschleudern wahrgenommen zu werden.

Den Verantwortlichen ist die Problematik offenbar bewusst. Tui Cruises heuerte mit Lucienne Damm eine „Environmental Managerin“ an. Sie war zuvor Referentin für Nachhaltigkeit beim Nabu, ihr Wechsel ein Coup der Reederei. Einige Monate später schuf Aida Cruises einen ähnlichen Posten: Monika Griefahn, ehemalige Greenpeace-Aktivistin und in den 90er Jahren Umweltministerin in Niedersachsen, ist seit dem vergangenen Mai als „Chief Sustainability Officer“ bei der Reederei zuständig für den Umweltschutz.

Was hat sie seitdem konkret bewirken können? Sie sei aktuell mit der „Bestandsaufnahme“ beschäftigt, sagt sie. Ihre Kollegin Damm wird kaum konkreter, auch bei ihr fällt das Wort „Bestandsaufnahme“. Tui Cruises will erst im kommenden Jahr einen Umweltbericht veröffentlichen, in dem das Unternehmen darlegt, wo es steht und wo es hin will.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben