Stipendien : Erfahrungen sammeln

Das Bildungsnetzwerk ASA vergibt Arbeitsstipenden für Windhoek.

Philipp Eins

Nach ihrem ersten Tag in Windhoek wollte Susan Scholze sofort wieder abreisen. „Ich war geschockt vom Anblick dieser Stadt“, schreibt die ehemalige Austauschpraktikantin in ihrem Reisebericht. Ihr Arbeitsplatz für die nächsten vier Monate war ein rechteckiger brauner Betonklotz im Stadtzentrum, das namibische Nationaltheater. Dort sollte die angehende Maskenbildnerin Workshops im Schminken und Kostümieren anbieten.

Trotz aller Verwirrung legte Susan Scholze sofort los. Sie stöberte Schminkmaterialien auf, klapperte Läden für Künstlerbedarf ab und suchte in Bibliotheken nach afrikanischen Vorbildern in der Maskenbildnerei. Keine leichte Aufgabe: Ihr Beruf existierte in Namibia bislang nicht. Nach zwei Wochen war der Schock vorbei, der Spaß begann. „Ich habe kreative und spannende Menschen in meinen Kursen kennen gelernt – und viel gelacht“, schreibt Scholze.

Das fremde, exotische Windhoek: Nach Ansicht der Senatskanzlei soll es den Berlinern näher rücken. Schon vor acht Jahren gründeten die beiden Hauptstädte von Deutschland und Namibia deshalb eine Städtepartnerschaft. Das Ziel: Die Bewohner beider Städte sollen ihr Wissen übereinander vertiefen, Erfahrungen zu den Themen Wirtschaft, Bildung und Umweltschutz austauschen. Damit das gelingt, gibt es Austauschpraktikanten wie Susan Scholze – und Netzwerke wie das ASA-Programm, die den Austausch finanzieren.

„Unsere Praktikanten sollen im Gastland Erfahrungen machen, die sie zu Hause in ihre Arbeit einbringen können“, sagt Doris Deiglmayr vom Betreuerteam. Rund 250 Teilnehmer reisen jährlich mit ASA für rund drei Monate nach Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa. Sie besuchten Nähwerkstätten in Nicaragua, Schulen in Burkina Faso und die Vorstadtstraßen in Kairo. Die Zeit ist laut Deiglmayr gut genutzt: „Immer mehr Arbeitgeber in großen Unternehmen schätzen Kenntnisse über Afrika und Lateinamerika“, erklärt sie. Für ihren Austausch erhalten die Praktikanten Zuschüsse: ASA trägt einen Teil der Flugkosten und zahlt 280 bis 400 Euro pro Monat als Aufwandsentschädigung. Außerdem übernimmt das Netzwerk die Kosten der Vorbereitungsseminare in Deutschland sowie alle notwendigen Versicherungen.

Hinter dem ASA-Programm steht die Gesellschaft für Internationale Weiterbildung und Entwicklung (Inwent). Sie kümmert sich um die Finanzierung der Bildungsreisen. Die Gelder kommen vor allem vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), aber auch aus den Bundesländern. Darüber hinaus unterstützt Inwent auch die Kommunen selbst: Seit 2001 berät Ulrich Nitschke als Leiter der Servicestelle „Kommunen in der Einen Welt“ Gemeinden, die Kontakte zu ihren Partnern im Ausland aufbauen wollen. Seine Stärke: „Wir wissen, welche Themen interessant sind und wie die Kommunen ihre Recherchefahrten finanzieren können.“ Sein letztes Projekt: Eine Bildungsreise für eine zwölfköpfige Delegation: Beamte, Wissenschaftler, Unternehmer und Studenten aus Aachen, die ihre Partnerstadt Kapstadt besuchte. Das Thema lautete: erneuerbare Energien.

Eine Delegation nach Windhoek wird es dieses Jahr nicht geben. Dafür reisen drei Modeschneider und Designer für sechs Monate mit dem ASA-Programm von Berlin in ihre Partnerstadt, um dort mit namibischen Künstlern eine gemeinsame Kollektion zu entwerfen. Wer im September mitfahren darf, steht noch nicht fest: Die Bewerber müssen sich einem Auswahlverfahren stellen. Die Sieger erwartet neben dem Praktikumsplatz eine eigene Modenschau in Berlin. Dort dürfen sie nach dem Austausch ihre Kollektion vorstellen. Philipp Eins

Weiteres im Internet:

http://www.asa-programm.de/

http://www.service-eine-welt.de/

http://www.inwent.org/

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