Südafrika : Kick am Kap

Ein Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft schnüren Anbieter Südafrika-Reisepakete.

Christian Röwekamp
Tafelberg
Warten auf Fans. Kapstadt, hier vom Tafelberg aus gesehen, hofft auf viele Besucher im kommenden Jahr. -Foto: Mauritius

Die Qualifikation für Südafrika hat das deutsche Fußball-Nationalteam noch nicht geschafft, und erst im Dezember werden die WM-Gruppen ausgelost. Doch für einige Reiseveranstalter hat das Projekt „Weltmeisterschaft 2010“ längst begonnen. Zwar dürften die meisten WM-Touristen ihre Tour ans Kap der Guten Hoffnung erst buchen, wenn feststeht, ob, wann und wo die Elf von Joachim Löw bei dem Turnier vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 antritt. Doch schon jetzt sind erste Reisepakete geschnürt.

Anders als 2002 in Japan und Südkorea sowie 2006 in Deutschland werden für Südafrika wieder Pauschalreisen erhältlich sein, bei denen neben Anreise, Hotels und Ausflügen auch Stadiontickets enthalten sind. Partner des Weltfußballverbandes Fifa in Deutschland ist dabei der Veranstalter Dertour in Frankfurt am Main. Die Marke der Rewe-Touristik hat ihr WM-Programm bereits in die Reisebüros gebracht.

Auswählen können Fans zwischen sieben Südafrika-Paketen, kündigt Produktleiter Tom Rostek an. Pauschalen rund um das erste und zweite Spiel der deutschen Elf sollen einzeln buchbar sein, das dritte Vorrundenspiel zusammen mit einem Achtelfinale. Neben dem Aufenthalt am Spielort und den Flügen ab/bis Deutschland sind immer auch Touren im Lande enthalten, zum Beispiel in den Krüger-Nationalpark oder von Kapstadt aus entlang der Küste. Was es als fertiges Produkt dagegen nicht geben wird, ist eine Reise über die gesamte Dauer der WM. Wer will, kann sich aber auch solch ein Vier-Wochen-Paket zusammenstellen lassen, das erledigt die „à la carte“-Abteilung des Veranstalters. Die neuntägige Reise mit Halbfinale und Finale etwa kostet ab 5469 Euro pro Person im Doppelzimmer, inklusive „kompletter Transportlogistik“, wie es heißt.

Die Nachfrage nach Fußball-WM-Reisen sei schon jetzt „sehr groß“, hat Rostek beobachtet. Die gleiche Erfahrung macht Wolfgang Vieten vom Sportreisen-Spezialisten Vietentours in Düsseldorf: „Wir erwarten einige tausend Gäste“, sagt der Geschäftsführer, der nach eigener Aussage derzeit noch mit der Fifa im Gespräch ist, um ebenfalls offizieller Veranstalter-Partner zu werden. Wenn das klappt, wird Vietentours seine Stadiontickets vom Weltverband erhalten. Wenn nicht, verkauft das Unternehmen trotzdem seine Südafrika-Pakete und hilft bei der Kartenbestellung über den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Denn der bekommt für die deutschen Spiele Ticketkontingente, die er über mehrere Kanäle absetzt.

Einwöchige Reisen rund um jeweils ein Vorrundenspiel kosten bei Vietentours ab 2995 Euro pro Person. Die ganze WM ist für 9380 Euro zu haben – jeweils ohne die Kosten für Stadiontickets, die separat bezahlt werden müssen. Die Preise hierfür liegen zwischen 160 Euro für ein Gruppenspiel und 900 Euro für das Finale. Vieten will die Fans vor allem mit Partys und Promi- Begegnungen locken: Fußballtrainer wie Mirko Slomka und Jörg Berger sowie Kabarettisten wie Dieter Nuhr und Bernd Stelter sitzen bei ihm schon zum Frühstück mit den Gästen zusammen. Für diese sei der Fußball „nur eine von mehreren Komponenten einer erfolgreichen Reise“. Dass es mit den Hotels knapp werden könnte, fürchtet Vieten nicht: „Wir haben uns mehrere tausend Zimmer gesichert.“    

Andere Sportreisen-Spezialisten sind noch nicht ganz so weit. Bei Voss und Votava in Unna heißt es, einen WM-Katalog werde es wohl erst nach der Auslosung im Dezember geben. Auf Anfrage werden individuelle Südafrika-Reisen jedoch zusammengstellt. Und das Euro-Lloyd-DFBReisebüro in Frankfurt, das die Reisen der Nationalelf samt ihrem Umfeld organisiert, bringt gar kein frei buchbares Fanprogramm auf den Markt, so Geschäftsführer Wolfgang Wirthmann: „Wir konzentrieren uns auf Anfragen, die zum Beispiel von Bundesliga-Vereinen kommen.“ Auch Euro Lloyd greift dabei auf das Kartenkontingent des DFB zurück.

Derzeit buchen etwa 60 Prozent der deutschen Südafrika-Touristen über einen Veranstalter, erklärt Theresa Bay- Müller, Chefin von South Africa Tourism in Frankfurt. Während der WM sei damit zu rechnen, dass dieser Anteil noch steigt. Wie viele Bundesbürger wegen der WM im Jahr 2010 zusätzlich nach Südafrika reisen werden, lässt sich aber nicht vorhersagen. Die Gesamtzahl der Besucher mit deutschem Pass war nach einem Rekordwert von 254 000 Touristen im Jahr 2007 zuletzt rückläufig und lag 2008 bei 240 000. Neben ihrem eigenen Team drückt Bay-Müller schon jetzt der Elf von Joachim Löw die Daumen – denn bei einem erfolgreichen Turnierverlauf bliebe auch Südafrika insgesamt bei den deutschen Fans in guter Erinnerung.

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