Über den Pazifik : Auf dem Meer der Unendlichkeit

Auf der langen Pazifikpassage von Vancouver nach Sydney sieht man meist nur Wellen und Wolken. Gegen Langeweile hilft Bohnensackwerfen.

von
In bester Gesellschaft. Im Hafen von Sydney liegt die „Volendam“ in der Nähe des für seine Architektur ausgezeichneten Opernhauses.
In bester Gesellschaft. Im Hafen von Sydney liegt die „Volendam“ in der Nähe des für seine Architektur ausgezeichneten...Foto: Bruce Tuten

Ein Schiff! Da vorne. Die wenigen Passagiere, die sich auf dem Oberdeck der „Volendam“ befinden, eilen sofort Richtung Steuerbord zur Reling. Wer eine Kamera dabei hat, zückt sie, und lässt es klicken. Ein Schiff, ein echtes Schiff! Vielleicht ein Fischerboot?

Man sollte denken, dass ein solcher Anblick auf dem Meer keine große Sensation sein kann. Aber auf der langen Passage über den Pazifik von Vancouver nach Sydney, von der nördlichen in die südliche und von der westlichen in die östliche Hemisphäre, auf der Reise über den Äquator und die internationale Datumsgrenze werden auch kleine Erscheinungen wie ein Fischerboot zum Tagesgespräch.

An Bord sind weniger die üblichen Kreuzfahrtpassagiere. Die wollen, aktuellen Trends zufolge, möglichst jeden Morgen einen anderen Hafen anlaufen und am Ende der Reise an den Ausgangspunkt zurückkehren. So was hat die „Volendam“ auch zu bieten, allerdings nur auf ihren sommerlichen Sieben-Tage-Törns nach Alaska. Doch wenn der Winter im Anmarsch ist und die Schiffsaison im Norden der Welt zu Ende geht, heißt es, andere Kreuzfahrtgefilde der Welt ansteuern. „Repositioning“ nennen das die Fachleute. Der Vorteil solcher Überführungen: Der Tagespreis fällt oft preiswerter aus als für einschlägige Kreuzfahrten. Und auch das Publikum ist ein anderes.

Diese Passage hat erstaunlich viele Menschen angezogen, die das Schiff tatsächlich noch als Transportmittel betrachten und eben nicht als Ferienziel, als das sich die neuen Superschiffe inszenieren. Es gibt hier auch keine Unterhaltungsgags, keine Kletterwand und keine Eislaufbahn. Stattdessen Klassiker wie Tischtennis, Basketball, Volleyball. Auch schon mal eine Runde Bohnensackwerfen. Das beherrschen die australischen Farmer beneidenswert gut. Die einfachen Vergnügungen können ungeheuer viel Spaß machen. Warum soll der Mensch auf einem bewegten Ozean Eis laufen?

Man könnte die Tour trotzdem zwei- oder dreimal machen, ohne jemals Langeweile zu empfinden. Das Spiel der Sonne mit den Wolken ist atemberaubend. In jeder Minute gibt es ein neues Bild am Horizont. Die Show der Natur schlägt alles, was im Bauch eines Schiffes auf die Bühne gebracht werden kann, obwohl sich auch bei dieser Reise das Entertainment-Team alle Mühe gibt, die Gäste bei Laune zu halten. Was gar nicht einfach sein dürfte, denn nicht alle Gäste halten es gut aus, so weit vom Land entfernt zu sein.

Es ist erstaunlich, worüber sich Menschen so beschweren können. Wer eine klassische Kreuzfahrt erwartet hat, wird vielleicht enttäuscht sein von dieser Reise. Allerdings gibt es auch Passagiere, die hochzufrieden sind. Die australische Farmersfamilie, die zuletzt drei Tage im kalifornischen Disneyland war und nun die lange, langsame Heimreise angetreten hat. Die australische Umweltexpertin, die viele Jahre in Kanada zu Hause war und sich nun mitsamt ihrem Umzugsgepäck auf dem Rückzug in die alte Heimat befindet. Mit dem Flugzeug wäre ihr das einfach zu schnell gegangen, sagt sie.

Das junge Paar, das in der kalifornischen Heimat der Braut Hochzeit gefeiert hat und in der australischen Heimat des Bräutigams eine Existenz aufbauen will, findet dies eine gute Möglichkeit, die Flitterwochen auf dem Schiff mit einem vergleichsweise preiswerten Transport von Hochzeitsgeschenken und Hausstand zu verbinden. Und dann sind da noch der pensionierte Flugkapitän und seine Frau, die alles etwas läppisch finden. Vielleicht, weil sie schon so viel gesehen haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben