Reise : Viel Platz im Hotel Sacher

Reisende liebten Wien. Nun machen sich Gäste rar

Mit der Finanzkrise kam der Einbruch: Sechs Jahre lang meldete Wiens Tourismusindustrie immer neue Rekordzahlen. Allein 2008 kamen knapp sechs Prozent mehr Kurzurlauber in die Donaustadt. Erstmals stieg die Zahl der Übernachtungen über die Zehn-Millionen-Marke. Doch seit Anfang des Jahres bleiben immer mehr Ausländer zu Hause. Schloss Schönbrunn, die Sommerresidenz von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Sisi, ist zwar auch in Zeiten der Wirtschaftskrise ein Publikumsmagnet, doch auch hier kommen weniger Besucher. „Die Zeiten, in denen Hotels und Attraktionen ausgebucht sind, sind vorbei“, sagt der Geschäftsführer der Schönbrunn-Verwaltungsgesellschaft, Franz Sattlecker.

Auch an der Spanischen Hofreitschule „tanzen“ die Lipizzaner-Schimmel derzeit für ein kleineres Publikum. Nach Angaben der Geschäftsleitung lagen die Besucherzahlen im März mit einem Rückgang von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr unter der Budgetplanung. Der Umsatz sei sogar noch stärker betroffen; die Pferdeliebhaber entschieden sich nämlich eher für billigere Karten.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben auch die Fiakerfahrer, die Romantiker aus aller Welt durch Wien kutschieren, weniger Kundschaft. „Es ist noch nicht so tragisch, aber man merkt es vor allem am Trinkgeld“, sagt Kutscher Wolfgang Fasching.

Nach sechs „Rekordjahren“ ist die Gästezahl im März um 15,1 Prozent im Vergleich zu 2008 eingebrochen, wie die Sprecherin von Wien-Tourismus, Vera Schweder, berichtet. Damit übernachteten im ersten Quartal 9,5 Prozent – rund 1,7 Millionen – weniger Besucher in der Kaiserstadt. Vor allem Amerikaner (minus 27 Prozent), Engländer (21 Prozent) und Italiener (minus 21 Prozent), bleiben zu Hause. Auch die Deutschen (minus 12 Prozent), Japaner und Russen bleiben fern. „Die Stadt ist besonders von internationalen Gästen abhängig, was man derzeit spüren kann“, sagt Schweder.

Das Ausbleiben der Gäste trifft vor allem die hochklassigen Hotels. Das tradtionsreiche Fünf-Sterne-Hotel Sacher, das schon viele Prominente beherbergte, bestätigt die Entwicklung. „Wir sind sehr betroffen“, sagt Sacher-Geschäftsführerin Elisabeth Gürtler, „und das ist noch nicht das Ende“. Einige Luxushotels haben inzwischen ihre Preise auf das Niveau von Vier-Sterne- Hotels gesenkt. „Ein Städteurlaub ist das Erste, worauf Privatpersonen verzichten“, weiß Sacher-Direktor Reiner Heilmann. Auch für die kommenden Monate gehen die Luxushotels von niedrigen Buchungszahlen aus.

Insgesamt erwartet das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo für die gesamte Tourismuswirtschaft des Landes für die nächsten zwei Jahre schwere Zeiten. Die Tourismusumsätze würden 2009 insgesamt um knapp drei Prozent zurückgehen, 2010 sei eine Stagnation zu erwarten. dpa

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