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Wettstreit um Urlauber : Die neue Klassengesellschaft

09.12.2012 00:00 Uhrvon
Bescheidene Ansprüche. Ostseeurlauber sind genügsam. Einen Strandkorb mit Sandwall drumherum, das macht viele schon glücklich. Foto: Michael Bahlo/dpaBild vergrößern
Bescheidene Ansprüche. Ostseeurlauber sind genügsam. Einen Strandkorb mit Sandwall drumherum, das macht viele schon glücklich. - Foto: Michael Bahlo/dpa

Jeder nach seiner Fasson: Mit immer spezielleren Angeboten wollen Veranstalter jeder Zielgruppe gerecht werden.

Classic, Nature, Beach, Scene, Premium, Family, Balance, Vital: Das ist nur eine kleine Auswahl der Kategorien, in die Touristiker derzeit die Urlauber einordnen. „Das Produkt-Reise wird immer zielgruppenspezifischer“, sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV). Das schlägt sich in neuen Hotelkonzepten und in den Katalogen nieder.

Den Auftakt machte im vergangenen Jahr Thomas Cook mit seinen „Erlebniswelten“. Familywelt, Balancewelt, Vitalwelt, Sportwelt, XPeriencewelt lauten die Titel. Im Katalog finden sich zu den einzelnen Kategorien geeignete Hotels. Tui hat nun nachgezogen und noch zwei Welten mehr für seine „Reisewelten“ obendrauf gepackt: Classic, Beach, Nature, Scene, Lifestyle, Premium und Vital heißen hier die Labels.

Die Rewe-Pauschaltouristikmarken arbeiten zwar noch nicht mit dem Weltenkonzept. Doch ITS bringt für den kommenden Sommer erstmals einen eigenen Familienkatalog mit rund 120 Hotels heraus. Jahn Reisen hat eine Produktlinie für Familien aufgelegt – neben Wellness und Select.

„Wirklich neu ist der Trend eigentlich nicht“, gibt Ulf Sonntag vom Institut für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa in Kiel zu bedenken. „Es gibt aber einen Trend, es verstärkt bei der Kundenansprache zu nutzen.“ Ein Weg dabei seien Labels in Katalogen wie „grüner Urlaub“ oder „Familie“, ein anderer Weg, in Anzeigen eine bestimmte Tonalität zu treffen.

Dabei arbeiten die Reiseveranstalter immer häufiger auch mit wissenschaftlichen Methoden. Allen voran die sogenannte Sinus-Studie erfreut sich dabei großer Beliebtheit. Anhand soziokultureller Milieus erforschen die Touristiker, ob sie für alle relevanten Zielgruppen passende Angebote haben. Auch in der Werbung für Reisen ist der Sinus-Ansatz weit verbreitet. „Wie muss ich welche Zielgruppe ansprechen, damit sie bei mir ihren Urlaub bucht?“, nennt Sonntag die wichtigste Frage.

Ein reiner Werbegag also? Oder haben die Themenwelten und Labels einen Nutzen für den Kunden? „Urlauber profitieren gleich mehrfach“, ist Oliver Dörschuck, Touristikchef bei Tui, überzeugt. Erstens fänden Kunden darin nur die besten Hotels mit hohen Qualitätsstandards. Denn die darin aufgenommenen Hotels müssten harte Auswahlkriterien erfüllen. Zum anderen könne sich der Urlauber zielsicher an der Fülle der Angebote orientieren und das passende Hotel finden, ohne sich durch den Dschungel zahlloser Angebote zu kämpfen.

Orientierung ist auch für DRV-Sprecherin Zeuch der wichtigste Vorteil: „Die Urlauber fragen auf jeden Fall immer stärker nach solchen Angeboten. Sie wollen in einem Land genau das Hotel finden, das ihre Bedürfnisse am besten erfüllt.“ Das sieht Rewe-Pauschaltouristik-Sprecher Christian Weßels ähnlich: „Orientierung für Kunden ist immer wichtiger in Zeiten einer immer größeren Informationsflut.“ Aber die Reiseveranstalter machen keinen Hehl daraus, dass die neuen Produktwelten auch den Unternehmen einen deutlichen Vorteil bringen: „Die Veranstalter wollen sich mit solchen Angeboten immer deutlicher im Wettbewerb positionieren“, sagt Zeuch.

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