Reise : Wie im Märchen

Ein Museum für Frau Holle in Hessisch Lichtenau

Blonde Fee. Marlu Stoffels mimt Frau Holle in neuen Museum. Foto: dpa
Blonde Fee. Marlu Stoffels mimt Frau Holle in neuen Museum. Foto: dpaFoto: dpa

Wenn Frau Holle die Betten ausschüttelt, schneit es – diese Geschichte kennt wohl jeder. In Hessisch Lichtenau ist jetzt ein Frau-Holle-Museum eröffnet worden, das nicht nur das Märchengesicht der Frauengestalt zeigt. „Wir wollen Frau Holle in bekannten und unbekannten Facetten darstellen“, sagt Monika Walenta-Müller vom Kulturbüro der nordhessischen Stadt.

Warum ausgerechnet in Hessisch Lichtenau? Der nahe Hohe Meißner gilt als die Heimat der Frau Holle. Die Stadt wirbt bereits seit Jahrzehnten mit der Figur. „Ob die Kitzkammer oder der Frau-Holle-Teich – es gibt mehrere Bezugspunkte. Und die Orte sind alle da“, sagt Walenta-Müller. Mit dem Hessentag 2006 verordnete sich die 13 000-Einwohner-Stadt ein neues Tourismus-Konzept und wurde zur „Frau-Holle-Stadt“.

Von Anfang an dabei ist auch Marlu Stoffels – und zwar als Verkörperung der Frau Holle. Wenn die 66-Jährige in weißer Bluse, rotem Jäckchen und mit ihrem dicken Kissen durch die Straßen läuft, wird sie oft angesprochen, erzählt die blonde Frau. „Die Leute sind sehr freundlich. Meistens sagen sie, ich soll nicht die Kissen ausschütteln. Vor allem im Sommer.“ Das Museum zeigt aber mehr als nur das Märchengesicht von Frau Holle. Demnach wurde die Frauengestalt im frühen Mittelalter als Erdmutter und Fruchtbarkeitsgöttin verehrt und mit der nordischen Göttin Freya verglichen. In einem Teil des Museums wird sie als Herrscherin der Unterwelt dargestellt. „Das ist besonders für die älteren Kinder interessant“, sagt Walenta-Müller.

Das Museum ist das Herz eines Frau-Holle-Rundwegs mit zwölf Stationen, der durch Hessisch Lichtenau führt. Ziel des Museums sei es, den Tagestourismus zu fördern, betont Walenta-Müller. Gekostet hat es die Stadt kaum etwas. Ein Teil der Museumskosten von rund 100000 Euro wird aus einer Erbschaft bezahlt, die die Stadt in den 1970er Jahren gemacht hat. Vorgabe war es, von dem Geld – umgerechnet rund 38 000 Euro – ein Museum in der Kernstadt zu bauen. Der Rest kam aus Fördermitteln der EU.

Die Federn im Kissen von Stoffels alias Frau Holle stammen übrigens aus der Umgebung – aus einer Bettfedernfabrik im benachbarten Helsa. Innerhalb von sechs Jahren hat Stoffels als Frau Holle geschätzt rund ein Kilogramm Federn verbraucht. Das klingt nach wenig, allerdings wirft sie bei Auftritten auch immer nur wenige Federn – das reicht, um den Effekt zu erzielen. Außerdem sind Federn ja federleicht – ein Kilogramm ist ein fast mannshoher Sack voll. dpa

„Holleum“ im „Alten Rathaus“, Landgrafenstraße 17, Hessisch Lichtenau, geöffnet sonnabends und sonntags von 14 bis 17 Uhr, Eintritt: zwei Euro.

Touristeninformation Hessisch Lichtenau, Telefon: 05 60 28 07 /147

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