Reise : Winter nach Geschmack

Tirol, Kärnten oder Tschechien: Standortwahl in der weißen Saison

Annette Kögel

Man muss nicht mehr auf einen Gletscher fahren, um einen garantiert weißen Winterurlaub auf Brettern verbringen zu können. Kaum ein Skigebiet – selbst im Mittelgebirge –, das seine Pisten nicht beschneien kann. Entsprechende Temperaturen vorausgesetzt. Zudem bieten viele Regionen Alternativen in Sachen Sport und Spaß.

Drei Beispiele zur zünftigen Winterauskehr:

Sitzheizung und Solarlift. 91 Bahnen und Lifte, 279 Pistenkilometer: Die Skiwelt Wilder Kaiser Brixental bildet Österreichs größtes zusammenhängendes Skigebiet. Da lässt sich der Skipass bis zum Abwinken ausnutzen. Beim Liften kann man sich sogar aufwärmen: In der Gondel von der Mittelstation direkt auf die Hohe Salve in 1829 Meter Höhe gibt es eine Sitzheizung. Unterwegs im weißen Gefilde muss niemand darben: 70 Hütten empfehlen sich für den Einkehrschwung.

Wenn es mal partout nicht schneien will, können rund 100 der insgesamt 210 beschneibaren Pistenkilometer binnen drei Tagen abfahrtsfest gemacht werden. Aber auch in schlechten Skiwintern, das zeigt die Erfahrung, sind die Bedingungen am Wilden Kaiser immer noch ausreichend, selbst wenn es neben den Pisten grasgrün ist und man woanders längst abschnallen muss. Besonderheit: Am Wilden Kaiser kann man sich vom ersten Solar-Schlepplift der Welt ziehen lassen.

Einsteigen in die Region lässt sich’s beispielsweise gut in Hopfgarten, dem kleinen Ort am Fuße des Rigi-Gipfels und der Hohen Salve. Hier kann man beim Spazierengehen noch Landluft schnuppern, in den Bauernhöfen stehen eben oft noch Kühe im Stall. Die Gegend ist optimal für Skiferien mit der ganzen Familie.

Von den Gipfeln aus bieten sich spektakuläre Ausblicke bis hin nach Kitzbühel, St. Johann – oder ins flache Land. Wer’s niedriger mag, probiert in Ellmau, Going, Söll oder Scheffau den Skiwanderweg.

Hin kommt man beispielsweise mit Air Berlin nach München und dann mit dem Zubringerbus – oder mit der Bahn über Wörgl. Das kann allerdings mit Skigepäck eine ziemliche Schlepperei werden. (Skiwelt Wilder Kaiser Brixental; Internet: www.skiwelt.at)

Von der Piste in die Therme. Kaum eine Urlaubsform kann so erholsam sein wie Wintersport: den ganzen Tag an der frischen Luft, viel Bewegung, viel Schlaf. Und wenn man dann an der Piste gleich einen Schwung in die Wellnesstherme machen kann, wird die positive Wirkung noch verstärkt. In Bad Kleinkirchheim, in der Kärntener Skiregion Nockberge, ist’s möglich. Dort sind übrigens die Bergbahnen gleichzeitig Betreiber des „Römerbads“. Das benachbarte St. Kathrein bietet Skifahrern und Snowboardern mit Muskelkater ebenfalls Möglichkeiten zum Entspannen.

Überhaupt macht man sich in der Region viele Gedanken darüber, wie man den Gast gut erholt nach Hause entlassen kann. So stehen an den Pisten bisweilen knallrote Sofas, auf denen man sich zum Ausruhen in voller Skimontur lümmeln kann. An einer Skihütte lässt sich’s cool auf ausrangierten Sesselliftsitzen entspannen. Insgesamt bietet Bad Kleinkirchheim/St. Oswald mehr als 100 Abfahrtskilometer. Eine Piste ist übrigens nach dem Lokalmatador Franz Klammer benannt. Alternativ können Urlauber die sanfte Art des Winters genießen – zum Beispiel bei geführten Schneeschuhwanderungen.

Auch bei den Unterkünften setzt man aufs „Wohlfühlkonzept“. So stehen im Ort angeblich herzschlagberuhigende Zimmer mit Zirbenholz zur Auswahl oder gesunde Logis auf einem Bio-Bauernhof. Und im „Harmony Hotel Prägant“ wohnt man schön und direkt an Therme und Talstation. (Kärnten, Bad Kleinkirchheim, Region Nockberge; Internet: www.badkleinkirchheim.at)

Boarderpark und Pferdefuhrwerk. Eher nostalgisch mutet die Winterwelt in Spindlermühle, im tschechischen Riesengebirge an: Man kurvt zwar im Auto zunächst durch noch sehr sozialistisch wirkende Dörfer und fühlt sich ob des Gestanks von Zweitaktern und Kohleheizungen sowie angesichts mancher Schaufensterdekoration zurückversetzt in alte Zeiten. Doch nach gut fünfeinhalb Autostunden ab Berlin öffnet sich das Tal mit dem Flüsschen Labe – und man ist inmitten einer weißen Landschaft samt – immerhin – 25 Kilometer Skipisten.

Der beste Einstieg ist in Hromovka, dort befindet sich ein großer Gratisparkplatz. Der Dreitagepass kostet in der Hochsaison knapp 80 Euro, das zahlt man woanders schon für zwei Tage. Gewiss, Gondeln gibt es nicht, aber die Vierersessellifte sausen schnell auf 1200 Meter hinauf. Perfekt für einen Kurzurlaub, am besten während der Woche.Griffiger Schnee, anspruchsvolle Pisten, für Snowboarder ein Spaßpark – was will man mehr? Und in dieser Saison: schneebedeckte Tannen vor tiefblauem Himmel.

Im amerikanisch anmutenden Hotel Westend ist das Personal ausgesprochen freundlich, und das Riesenapartment kostet pro Person mit Frühstück in der Nebensaison etwas mehr als 30 Euro. Anständig essen kann man im Ortszentrum im „Albacante“ oder in der „Penzion Erika“. Nur vor der Kartoffel- und Gulaschsuppe in der Hütte der Talstation von Svaty Petr sei gewarnt. Übrigens: Fürs Kantenschleifen und Wachsen des Snowboards werden im Skiladen – mit bullerndem Holzofen – gerade mal zehn Euro fällig. Tagsüber kann man sich per Pferdefuhrwerk durch die Gegend kutschieren lassen, abends am romantischen, beleuchteten Flüsschen spazieren gehen. (Spindlermühle, Tschechien, Riesengebirge; Internet: www.spindleruv-mlyn.com/de)

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