Welt : Rettendes Handy

Wer einen Unfall hat und nicht weiß, wo er sich gerade befindet, kann bei einem Anruf mit dem Handy geortet werden – aber nur mit vorherigem Einverständnis

Gideon Heimann

Wer in einen schlimmen Unfall verwickelt wird oder auch nur als Erster an der Unfallstelle eintrifft und helfen will, ist emotional und nervlich sehr angespannt. Die gerade dann nötige Ruhe und die Übersicht zu bewahren, das gelingt meist nur Mitarbeitern von Rettungsdiensten und Medizinern. Der in solchen Situationen Ungeübte blendet alles Nebensächliche aus – oder das, was er dafür hält. Aber schon wenn er (nach der sofortigen Absicherung der Unfallstelle!) per Handy Hilfe herbeiholen will, stellt er fest, dass er eine wichtige Information vergessen hat: genaue Angaben über den Unfallort.

Um kostbare Zeit zu sparen, hat die Notrufzentrale der Autoversicherer in Hamburg jetzt einen Service für die gebührenfreie Notrufnummer 0800 668 366 3 eingerichtet, die innerhalb von Sekunden eine präzise Standortbestimmung ermöglicht. Diese wird dann – nachdem der Anrufer sein Einverständnis erklärt hat – an die jeweilige Leitstelle weitergegeben. Dann wissen je nach Situation die örtlichen Rettungsdienste, die Polizei oder auch Abschleppdienste Bescheid.

Diese Ortungsfunktion ist in der Handytechnik selbst schon angelegt, sie unterliegt freilich den Datenschutzvorschriften – deshalb die Frage nach dem Einverständnis des Anrufers. Wegen der geringen Reichweite der Sender im Handy muss sich der Nutzer nämlich in einem vergleichsweise engen Raster von Relaisstationen bewegen. Außerhalb dieses Netzes kann keine Verbindung aufgebaut werden.

Der Handynutzer bewegt sich also von „Funkzelle" zu „Funkzelle" – deshalb sprechen die Amerikaner auch von „cell phone", die Franzosen vom „téléphone cellulaire". Dieses Raster muss in Städten mit dichter Bebauung engmaschiger sein als auf dem flachen Land, sonst entstehen störende „Funklöcher". In der Stadt sind die Antennen bisweilen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt, draußen können es einige Kilometer sein. Die Technik muss aber eben auch in der Lage sein, den reisenden und telefonierenden Nutzer an die nächste Zelle weiterzureichen, ohne dass es zu Unterbrechungen kommt. All das bedeutet, dass das System stets weiß, wo sich der Betreffende aufhält.

Der Geschäftsführer der Notrufzentrale, Heiko Beermann, ist über diese Ortungsmöglichkeit jedenfalls sehr froh. Von den 500000 Notrufern pro Jahr weiß fast jeder dritte nicht genau, wo er sich gerade befindet. Übrigens verfügen 23 Millionen deutscher Führerscheinbesitzer über ein Handy. Demgegenüber sind erst wenige Millionen Autos mit einem GPS-Navigationssystem ausgestattet, das bei der Suche nach dem aktuellen Standort hilft.

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