Richard-Wagner-Festspiele : Debüt geglückt

Katharina Wagner eröffnete die Festspiele mit den "Meistersingern". Der erwartete Skandal blieb aus.

Wagner
Aus dem Schatten des Vaters getreten: Katharina Wagner. -Foto: ddp

Die Spannung war riesengroß am "Grünen Hügel", nicht minder das Interesse der Medien: Im Blickpunkt stand Katharina Wagner. Die 29-jährige Urenkelin des Komponisten und Tochter von Festspielleiter Wolfgang Wagner gab mit der Neuinszenierung der Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" ihr Regie-Debüt bei den Richard-Wagner-Festspielen. Zumindest nach dem ersten Aufzug lässt sich sagen: Der erwartete Skandal blieb aus.

Noch am Mittwochmorgen zeigte sich die mögliche künftige Festspielchefin sichtlich nervös. Nach technischen Problemen insbesondere mit der Lichtregie wurde noch bis zum Vorabend an dem viereinhalbstündigen Werk geprobt.

Wenige Minuten bevor sich der Vorhang für die Premiere öffnete, trat sie im ausgeschnittenen silbermetallicfarbenen Kleid aus dem Schatten ihres 87 Jahre alten Vaters. Dutzende Fotografen und Kameraleute hatten auf ein Bild von Katharina Wagner ohne das gewohnte Umfeld von Wolfgang und Gudrun Wagner bestanden. Eine Geste, die auch von den gut 1000 Zaungästen mit viel Applaus honoriert wurde.

Im Inneren des Musentempels löste sich die Spannung kurz nach 16 Uhr. Katharina Wagner näherte sich dem Werk respektlos und mit viel Witz. In einem Diskurs über die Kunst interpretiert sie die "Meistersinger" als Zusammenprall zwischen Tradition und Moderne. Walther von Stolzing bricht in Turnschuhen in die konservative, starre Welt der Meistersinger ein und wirbelt sie gehörig durcheinander.

In einem hermetisch abgedunkelten Saal, an dessen Wänden verstaubte Büsten deutscher Geistesgrößen hängen, sitzen sie in schwarzen Talaren über ihn zu Gericht. Lediglich der Schuster Hans Sachs tanzt barfuß und Zigaretten rauchend aus der Reihe und plädiert für Stolzing. Der Lohn nach knapp 90 Minuten: großer Beifall, nur vereinzelte Buh-, aber auch einige Bravo-Rufe.

Zum Auftakt der Festspiele gaben sich wie alle Jahre zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Show-Geschäft ein Stelldichein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schritt im lilafarbenen Abendkleid über den roten Teppich zum Königsportal. Wenige Minuten vor Beginn der Vorstellung fand die bekennende Wagner-Anhängerin sogar noch Zeit zum Händeschütteln und Autogramme geben - zur Freude der Schaulustigen und zum Leidwesen der zahlreichen Sicherheitskräfte.

Die lange Liste der politischen Prominenz reichte von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso über die Altbundespräsidenten Walter Scheel und Roman Herzog sowie die Bundesminister Brigitte Zypries (SPD) und Michael Glos (CSU) bis hin zu Edmund Stoiber. Der CSU-Chef genoss seinen letzten Auftritt als Ministerpräsident bei den Festspielen sichtlich.

Die traditionelle Auffahrt der Gäste begann schon eine Stunde vor Beginn der Vorstellung. Als einer der ersten Promis zeigten sich Roberto Blanco sowie die beiden Schauspieler Robert Atzorn und Christian Wolff den begeisterten Bayreuthern. Freudig begrüßt vor der "Meistersinger"-Premiere wurden auch Thomas Gottschalk - modisch gewagt mit goldener Krawatte und goldenen Schuhen - und Bayreuth-Stammgast Margot Werner im eng anliegenden schwarzbraunen Kleid mit goldenen Streifen.

Glück hatten Premieren- wie Zaungäste in diesem Jahr mit dem Wetter. Sechs Tage nach einem schweren Unwetter rund um Bayreuth und das Festspielhaus zeigte sich die Sonne zwischen einzelnen Wolken. Im Gegensatz zu den knackig heißen 37 Grad im vergangenen Jahr musste die Wagner-Gemeinde weder vor noch im Festspielhaus schwitzen. (mit dpa)

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