Riesiger Feuerball : 68 Menschen sterben bei Flugzeugabsturz

In Kuba ist am Donnerstag ein Passagierflugzeug mit 68 Kubanern und Touristen auf dem Weg von Santiago de Cuba nach Havanna abgestürzt. Keiner hat das Unglück überlebt. In der Maschine saßen auch zwei Deutsche.

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Menschen aus umliegenden Orten helfen bei den Rettungsarbeiten am brennenden Wrack. Foto: AFP PHOTO/HO/ESCAMBRAY NEWSPAPER
Menschen aus umliegenden Orten helfen bei den Rettungsarbeiten am brennenden Wrack. Foto: AFP PHOTO/HO/ESCAMBRAY NEWSPAPERFoto: AFP

„Das Flugzeug kam ins Trudeln und stürzte dann auf die Erde, wo es explodierte und in Flammen aufging. Es sah aus wie ein riesiger Feuerball. Man konnte es aus mehreren Kilometern Entfernung sehen.“ So beschrieben Augenzeugen der kubanischen Lokalzeitung „Escambray“ den Absturz der Aerocarribean am Donnerstag nachmittag auf dem Flug von Santiago de Cuba nach Havanna. An Bord des Flugs 883 waren 68 Menschen, darunter sieben Besatzungsmitglieder und 28 Ausländer, wie die Luftfahrtbehörde mitteilte. Zwei Deutsche befanden sich einer Liste der Fluggesellschaft zufolge ebenfalls unter den Toten. Das Auswärtige Amt konnte nicht sagen, woher sie kamen. Die Airline war am Freitag nicht für weitere Auskünfte erreichbar, auch die deutsche Botschaft wollte keine Auskunft erteilen. Zunächst war auch von zwei Österreichern die Rede, anschließend hieß es aber, es handele sich um Australier. Außerdem starben sieben Mexikaner, neun Argentinier, drei Holländer, ein Spanier, ein Franzose, ein Italiener und ein Venezolaner.

Die Ursachen für das Unglück waren zunächst unklar. „Momentan ermittelt die Flugsicherung gerade die genauen Umstände“, hieß es in einer offiziellen Erklärung, die im kubanischen Radio verlesen wurde. Der Flug war um 16 Uhr 45 im südöstlichen Santiago de Cuba gestartet. Santiago gehört zu den bei Touristen besonders beliebten Urlaubsorten. Nach Angaben der Fluglotsen erhielten sie einen SOS-Hilferuf gut eine dreiviertel Stunde nach dem Start und verloren dann Kontakt mit der Maschine, wie der staatliche Informationsdienst Cubadebate vermeldete. Die meteorologischen Bedingungen waren zu dem Moment nicht optimal. Ausläufer des Hurrikan „Tomas“, der sich südlich von Santiago de Kuba befand, sorgten für Windböen und Niederschlag. Kurze Zeit später wurden die Flüge nach Santiago und Guantánamo eingestellt. Für die Provinzen wurde eine staatliche Hurrikanwarnung ausgegeben. Auch Bus- und Zugverkehr wurden eingestellt. „Tomas“, der auf seinem Weg durch die Karibik 14 Tote in Santa Lucia und einen in Haiti hinterlassen hat, wird nach Angaben des Hurrikanzentrums in Miami noch an Stärke zulegen.

Der Absturzort lag in der schwer zugänglichen, ländlichen Region von Guasimal in der zentralkubanischen Provinz Sancti Spiritus nahe des Stausees Zaza. Die kubanischen Behörden mobilisierten sofort nach Bekanntwerden des Unglücks Rettungsmannschaften an den Unglücksort, die dort gegen die Flammen kämpften. Außerdem bargen sie Leichen. Sie sollten in die 350 Kilometer entfernte Hauptstadt Havanna überführt werden. Das Feuer und das dichte Buschwerk erschwerte die Bergung, die sich über die ganze Nacht bis zu den Morgenstunden hinzog. Die Retter, die laut Cubaweb von der örtlichen Bevölkerung aktiv unterstützt wurden, mussten demnach mit einem Bagger durch das Dickicht bis zur Absturzstelle vordringen. Überlebende gab es nicht. Bis Freitagmorgen wurden nach Berichten von Mitarbeitern des örtlichen Krankenhauses sechs Leichen geborgen.

Bei dem Flugzeug, das zweimal wöchentlich die Route Santiago-Havanna flog, handelte es sich um eine Propellermaschine vom Typ ATR-72-212 aus französisch-italienischer Fabrikation. Das Flugzeug war nach Angaben der Webseite planespotters.net 15 Jahre alt. Die kubanischen Fluggesellschaften, die früher ältere Maschinen sowjetischer Bauart flogen, haben in den vergangenen Jahren ihre Flotten verjüngt.

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