Welt : Rinderwahn: Katzen können weiter Whiskas essen

Solveig Wright

Seit ein paar Monaten ist der BSE-Schreck nun vorbei. Nach dem ersten Schock am Anfang des Jahres und einigen Diskussionen über Seperatorenfleisch ist der Absatz von Steak und Rindswurst wieder auf Normalniveau. Jetzt kommt aber eine neue Horrormeldung zum Thema Rinderwahnsinn oder BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) aus der Schweiz: nicht der Mensch ist jetzt Opfer dieser Seuche, sondern sein ständiger Begleiter: die Katze.

In der Schweiz musste nach Angaben des Schweizer Veterinäramts in Zürich eine Katze eingeschläfert werden, die mit einer Rinderwahnsinn verwandten Krankheit infiziert war. Es handelt sich hierbei um den ersten in der Schweiz bekannt gewordenen Fall der Felinen Spongiformen Enzephalopathie (FSE) sagte der Sprecher des Amts Heinz Müller, am Dienstag im Fernsehen. Wie beim Rinderwahnsinn führt die Erkrankung an "Katzenwahnsinn" zu schweren Störungen des zentralen Nervensstems des Tieres. FSE wurde zuerst in Grossbritannien entdeckt. Es sollen dort inwischen mehr als 90 Fälle von FSE registriert worden sein.

In Deutschland ist bislang kein solcher Fall bekannt geworden. Und dass noch einer auftreten könnte, ist relativ unwahrscheinlich. Das zumindest sagt Professor Goetz Hildebrandt von der Freien Universität Berlin. Der Lebensmittelhygieniker bestätigte, dass es eine Verbindung zwischen BSE und den sogenannten "crazy cats" (verrückten Katzen) gebe, die Anfang der 90er Jahre in England gegeben hatte. "Aber die Katzenfutterindustrie hat schon damals alle Risikogewebe aus der Produktion entfernt", sagte er. So habe die Tierfutterproduktion nach seinen Informationen die Verarbeitung von Hirn, Rückenmark und anderen belasteten Geweben schneller eingestellt, als alle anderen Nahrungshersteller. "Katzen und Hunde hatten wesentlich früher eine risikofreie Ernährung als Menschen oder Nutztiere." Ein Grund hierfür sei, seiner Meinung nach, dass der Haustierfuttermarkt wesentlich rentabler sei, als der Verkauf von Lebensmitteln, die für Menschen bestimmt sind. "Das klingt vielleicht seltsam, aber das ist tatsächlich so."

Es bestehe seiner Meinung nach eher von anderer Seite eine Gefahr für die pelzigen Freunde. "Die normale Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen wird nicht übertragen sondern entsteht in der Regel spontan", erklärt der Wissenschaftler. Die Krankheit verhalte sich da wie Krebs, der ja auch nicht ansteckend ist, sondern lediglich eine Fehlfunktion der Zelle. Ähnlich komme es bei CJD zu einem Absterben der Nervenzellen im Gehirn, ohne dass dies durch einen äußeren Faktor ausgelöst ist. "Die Krankheit kann also durch Prionen übertragen werden, muss aber nicht", so der Professor. Aber auch dann ist die Gefahr an CJD zu erkranken für einen Menschen sehr klein. Im Durchschnitt bricht CJD nur bei einem von einer Millionen Menschen aus. "Bei Katzen könnte das ganz ähnlich sein", vermutet Hildebrandt.

Wegen der langen Inkubationszeit der sogenannten spongiformen Enzephalopathien sei es jedoch möglich, dass noch vereinzelt FSE-Fälle auftreten. "Aber das sind dann Tiere, die sich vor Beginn der 90er-Jahre angesteckt haben, oder mit Frischfleisch gefüttert wurden, das infiziert war", so Hildebrandt. "Heute ist es unmöglich an das sogenannte Risikomaterial heranzukommen, damit man es überhaupt verfüttern kann." Für Katzen, die jünger sind als zehn Jahre besteht also kaum noch eine Gefahr, an diesem seltenen Leiden zu erkranken. Selbst wenn eine Hauskatze an FSE erkranken sollte, ist dies für Menschen absolut ungefährlich. Mit einer Ansteckung muss man nur rechnen, wenn man das Gehirn einer infizierten Katze verspeist. "Wer etwa Katzen isst, sollte in der nächsten Zeit ein wenig aufpassen", scherzte der Sprecher des Schweizer Veterinäramts. Die Lage ist nicht sehr ernst. Wenn die Katze spinnt, muss das keine gefährliche Krankheit sein. Alle Katzenbesitzer können beruhigt zur Dose greifen.

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