Welt : Rolling Stones: Legenden um Legenden

Matthias Thibaut,Claudia Lepping

Offiziell gibt es keine Bestätigung, aber die Anzeichen für eine neue Welttournee der Rolling Stones verdichten sich. Die Altrocker wollten noch einmal in die Großkampfarenen des Rocks einziehen und würden 2003 dann zu Großkonzerten in ihrer Heimat Großbritannien erwartet, berichten die britischen Zeitungen. Auch deutsche Medien hatten die Meldung am Osterwochenende begierig aufgenommen. Die Plattenfirme der Stones dagegen war sich sicher. "Da ist nichts dran", kommentierte Virgin Records die Berichte über eine weitere Welt-Tour der Briten ab Ende 2002 und 2003. Es habe Pläne gegeben, die seien nun aber auf Eis gelegt, so die Virgin-Sprecherin. Und weiter: "Band-Chef Mick Jagger konzentriert sich zur Zeit auf seine anderen Projekte." Die PR-Firma der Vier wollte nicht einmal von den Plänen des Stones-Boss etwas wissen - auch über eine Tournee sei sie nichts bekannt: "Alles nur Spekulationen aufgeregter Fans."

Gerüchte über weitere Rolling-Stones-Tourneen nach fast 40 Jahren Bühnenpräsenz kursieren so regelmäßig wie die über das Ungeheuer von Lochness - glücklicherweise bewahrheiten sie sich aber immer wieder. Zuletzt zogen die Stones, längst als Rockrentner abgeschrieben, zu weltweitem Erstaunen mit der "Bridges to Babylon"-Tour um die Welt und verdienten rund 1,6 Milliarden Mark. Dabei setzten die Stones wie schon bei der "Voodoo Lounge"-Tour 1995 auf die Begleitung von Darryl Jones (Bass), der noch immer nicht offiziell als Ersatz für den 1991 ausgeschiedenen Bill Wyman benannt wurde, Bobby Keys (Saxophon) und Lisa Fischer (Gesang). In dieser Besetzung waren die Stones auch mit dem Grammy zum ersten Mal für das beste Rock-Album ausgezeichnet worden. Zur Ergänzung dieser Produktion erschien 1995 das "unplugged" album "stripped" mit den eigenwilligen Studio-Aufnahmen "Love in Vain" und "Sweet Virginia".

Die letzte CD stammt aus dem Jahre 1998 ("No security"), einer Sammlung von Live-Konzertmitschnitten, alten Songs und den besten Titeln der Welttour "Bridges to Babylon". Zuletzt waren die Stones von Herbst 1997 an zwei Jahre lang in den Arenen der Welt unterwegs. Allein mit den "Bridges"-Auftritten im Londoner Wembley-Stadion spielten sie 9,6 Millionen Mark ein.

Mick Jaggers parallel laufende Projekte - das sind neben seinen sechs Kindern und zwei Enkeln die Pläne seiner Filmproduktionsfirma "Jagged Films". Nachdem "Enigma" - ein Film über die britischen Geheimkodeknacker im zweiten Weltkrieg - mit Titanic Star Kate Winslett - bereits international angelaufen ist, soll Jaggers nächstes Projekt ein Che Guevara Film sein: "Tanya" erzählt die Geschichte einer DDR-Agentin, die sich in Che verliebte. 100 Millionen Mark soll der Streifen kosten, mit dem sich Mick Jagger im direkten Konkurrenzkampf mit einem neuen Che Guevara Streifen von Robert Redford in Hollywood Respekt verschaffen will. Bleibt da noch Zeit für das Fitnesstraining des 57-jährigen für die World Tour?

Guitarrist Keith Richards, der eigentliche musikalische Kopf der Band, hat mit Solo-Produktionen wie "Talk is cheap" bereits gezeigt, dass er mehrspurig fahren kann. Und auch Ronnie Wood hat seine eigenen Pläne. Sobald er sich von der letzten Alkohol-Entziehungskur erholt hat, so hieß es aus seiner Umgebung, will er sich mit Arbeit zuschütten: Ein viertel Jahrhundert nach ihrem letzten Auftritt wollen Ron Wood und Rod Stewart die legendäre Rockformation "The Faces" wiedererwecken - das wäre ein Gruftie-Ensemble, dass Altrocker so begeistern würde wie eine neue Stones-Tour.

Sicher ist, dass angesichts der aktuellen Ideenflaute im Musikgeschäft viel Geld mit Rocklegenden zu machen ist. "Soft Cell" tritt wieder auf, und auch "Roxy Music" soll für einen Wiederbelebungsversuch anstehen. Allerdings kann auch Mick Jagger die Gage für eine neue Tour schon gut brauchen: Seit kurzen muss er dem brasilianischen Modell Luciana Morad für Söhnchen Lucas rund 30 000 Mark Alimente pro Monat bezahlen.

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