Rügen : Jetzt 13 Tiere mit Grippevirus H5N1 gefunden

Auf der Insel Rügen ist die Zahl der mit dem gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1 infizierten Tiere auf 13 gestiegen. Insgesamt seien am Donnerstag 37 tot aufgefundene Vögel auf Riems angeliefert worden, hieß es.

Schwerin/Berlin - Die Vögel seien am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) für Tiergesundheit auf Riems untersucht worden, teilte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter mit. Bei sechs Tieren sei eine Untersuchung wegen des schlechten Erhaltungszustandes nicht möglich gewesen. Von 31 untersuchten Tieren hätten zehn das Influenzavirus vom Typ H5N1 aufgewiesen.

"Die Lage hat sich extrem zugespitzt", sagte der Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD). Bei den zehn neuen Fällen handelt es sich den Angaben zufolge um sechs Höckerschwäne, drei Singschwäne und eine Gans. "Die Ergebnisse zeigen, dass Schwäne entweder besonders häufig Träger des Virus oder aber besonders anfällig für die Infektion sind", sagte Mettenleiter. Er kündigte an, dass die Untersuchungen an tot aufgefundenen Vögeln in den kommenden Tagen fortgesetzt würden.

Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) sagte am Donnerstagabend im ZDF, die Singschwäne als Träger der Vogelgrippe stellten eine neue Situation dar, da sie im Gegensatz zu den Höckerschwänen, bei denen das Virus bereits festgestellt worden war, Zugvögel seien und längere Strecken zurücklegten. Alle Tiere stammen aus der Umgebung der Wittower Fähre, wo auch die ersten beiden infizierten Schwäne gefunden worden waren. Ein Singschwan war beringt und kam aus Lettland. Neue Vogelgrippe-Fälle gab es auch in Griechenland und Rumänien.

Seehofer ging schon vor Bekanntwerden der neuen Testergebnisse von einer weiteren Ausbreitung der Tierseuche aus. Er forderte deshalb am Donnerstag im Bundestag ein "rigoroses und konsequentes" Vorgehen. Gleichzeitig verteidigte er Schutzmaßnahmen wie die Stallpflicht für Geflügel. Sie tritt bundesweit an diesem Freitag wieder in Kraft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vor den neuen Funden auf Rügen vor überzogenen Redaktionen gewarnt. "Es gibt keinen Grund, dass wir nun panisch reagieren", sagte Merkel in der ZDF-Sendung "Was nun". "Menschen brauchen sich im Moment keine Gedanken zu machen", sagte Merkel.

Nach den neuen Funden von Vogelgrippeviren auf Rügen forderte Backhaus den Landkreis auf, umgehend zu handeln. "Ich habe dem Kreis eine Frist bis Freitag 10 Uhr gesetzt, alle toten Tiere zu beseitigen", sagte er. Das Land sei bereit, Personal zur Verfügung zu stellen. Der Minister äußerte sich später unzufrieden über die vom Landkreis nach dem Bekanntwerden der Vogelgrippe ergriffenen Maßnahmen. Sie hätten nicht den seit langem im Land festgelegten Plänen entsprochen.

Nach Forscheransicht besteht für Menschen in Deutschland keine akute Vogelgrippe-Gefahr. Maßnahmen wie die Stallpflicht und das Anleinen von Hunden seien aber sinnvoll, sagte der Biochemie-Professor Wolfgang Garten vom Institut für Virologie in Marburg. (tso/dpa)

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