Rügen : Walexpertin: Buckelwal in Ostsee ohne Chance

Der vor Rügen gesichtete Buckelwal muss schleunigst wieder den Rückweg in den Atlantik antreten, wenn er seinen Abstecher in die Ostsee unbeschadet überstehen will. Sein Problem: In der Region gibt es nicht genügend Nahrung für den Meeressäuger.

Buckelwal
Sensation: Der Buckelwal vor Rügen. -Foto: dpa

StralsundDer in der Ostsee beobachtete Buckelwal muss den Rückweg in den Atlantik finden, um zu überleben. Langfristig würde er in der Ostsee nicht genug Nahrung finden, sagte die Stralsunder Walforscherin Anja Gallus einen Tag nach der Entdeckung des Buckelwals vor Rügen. Sie vermutete, dass das fast ausgewachsene Tier bereits Hunger habe. Es sei auf dem Rückweg von den Gewässern am Äquator, wo die Wale jedes Jahr kalben. Weil sie dort aber nicht fressen, sei er zu den Fressgebieten in der Arktis unterwegs gewesen. Auf der Reise ist der Buckelwal vermutlich "falsch abgebogen" und verirrte sich in die  Ostsee.
  
Vogelkundler hatten von einem Boot aus zum ersten Mal seit 1978 einen zwölf Meter langen Buckelwal in deutschen Gewässern beobachtet. Der Direktor des Stralsunder Meereskundemuseums, Andreas Benke, bewertete dies als Sensation. Für 1851 verzeichnen die Chroniken der Walforscher ebenfalls eine Sichtung. 2003 wurde zudem ein sechs Meter langes totes Buckelwalbaby in der Lübecker Bucht geborgen.

Kaum Überlebenschancen für Buckelwal in Polen
  
2006 hielt sich allerdings ein Buckelwal in polnischen Gewässern auf. Walforscherin Gallus hält es wegen der geringen Überlebenschancen für Wale in der Ostsee für unwahrscheinlich, dass dieser Buckelwal mit dem nun vor Rügen beobachteten identisch ist. Mit Sicherheit ließe sich dies nur anhand der Schwanz- oder der Rückenflossen sagen. Die als Fluke und Finne bezeichneten Körperteile sind bei jedem Buckelwal individuell ausgeprägt, sagte  Gallus.  

Die besten Chancen, den Wal erneut zu sehen, bestehen laut Gallus auf der offenen Ostsee. Der Buckelwal werde kaum so nah an die Küste herankommen, dass er vom Strand aus zu beobachten wäre. (mpr/AFP)

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