Welt : Russischer Ölteppich vor türkischer Küste (Kommentar)

cvm

Was treibt die Welt voran: gute Absicht oder Leidensdruck? Es sind wohl doch Katastrophen, die die größeren Veränderungskräfte freisetzen. Seit Jahren bemüht sich die Türkei, den Schiffsverkehr durch den Bosporus drastisch zu reduzieren. Als Horrorszenario diente ein Tankerunglück, das die Trinkwasserversorgung der Millionenstadt Istanbul gefährden und unzähligen Gemeinden rund um das Marmara-Meer durch einen Öko-GAU die Lebensgrundlagen entziehen könnte. Doch Moskau besteht auf dem Vertrag von Montreux von 1936, der die freie Durchfahrt vom Schwarzen ins Mittelmeer garantiert. Im türkischen Wunsch, den Bosporus zu schließen, sah man den Versuch, Russlands Ölexporte zu erschweren: die heutigen und die strategisch bedeutsameren der Zukunft, wenn die Mega-Lagerstätten unter dem Kaspischen Meer so richtig sprudeln. Diesmal behielt Kassandra Recht, das Tankerunglück ist eingetreten. Doch darunter leiden die Türken, nicht die Russen. Wenig wahrscheinlich also, dass Moskau seine Haltung ändert. Bleibt als Abhilfe nur ein internationaler Vorstoß, die beiden Pipelines rasch fertig zu bauen, die den Öltransport per Tanker durch den Bosporus überflüssig machen - bevor auch das gesteigerte Horrorszenario noch Realität wird: ein brennender Ölteppich, der auf Istanbul zutreibt.

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