Sabotage : Atomkraftwerk lahm gelegt

Es klingt wie ein Polit-Thriller: Unbekannte sabotieren einen Atomreaktor in Südafrika, um durch tagelange Stromausfälle Millionen Menschen zu verunsichern und den Ausgang einer Wahl zu beeinflussen.

Johannesburg - So zumindest sieht es die vom Afrikanischen National-Kongress (ANC) dominierte südafrikanische Regierung. Nach ihren Erkenntnissen wurde einer der beiden Reaktoren im Atomkraftwerk Koeberg bei Kapstadt vorsätzlich durch Sabotage lahm gelegt. Ein normalerweise außerhalb eines 200 Tonnen schweren Generators angebrachter Bolzen war im Dezember 2005 im Innern des Gerätes entdeckt worden und hatte zum Ausfall eines der beiden Koeberg- Reaktoren geführt. Der verbliebene Reaktor war überlastet und bescherte Kapstadt Stromausfälle.

«Lassen Sie es mich ganz klar sagen: Der Bolzen, der zur Zerstörung des Reaktors führte, ist nicht durch Zufall dorthin gekommen«, erklärte der für öffentliche Unternehmen zuständige Minister Alec Erwin. Ohne Namen zu nennen betonte er, Polizei und Geheimdienste hätten die Schuldigen identifiziert und würden gegen sie demnächst strafrechtliche Schritte einleiten. Auch die Stromausfälle in anderen Orten würden nun untersucht. Seine für Energiefragen zuständige Kollegin Lindiwe Hendricks machte Anspielungen, dass die tagelangen Stromausfälle in Kapstadt im Zusammenhang mit der Kommunalwahl an diesem Mittwoch stehen.

«Diese Ereignisse fallen merkwürdigerweise mit einem wichtigen Prozess im demokratischen Kalender dieses Landes zusammen. Es ist klar, dass das jüngste Ereignis nicht nur mit ungenügender Übertragungs- oder Stromerzeugungskapazität erklärt werden kann - ganz eindeutig sind andere Kräfte am Werk», meinte Hendricks. Die chronischen Stromausfälle haben Kapstadt und seinem Umland nicht nur dreistellige Millionenschäden, sondern auch wütende Wähler beschert. Für den ANC, der wegen schwerer Mängel im öffentlichen Dienst in den Townships zunehmend in die Kritik gerät, sind die Stromausfälle in Kapstadt im Vorfeld der Wahl politisch eine Katastrophe.

Nach den Prognosen droht ihm der Machtverlust im Rathaus der zweitgrößten südafrikanischen Stadt. Die oppositionelle Demokratische Allianz hatte die Stromausfälle im Wahlkampf einem ANC-Missmanagement angelastet. Die Kapstädter, die dort wohnenden Ausländer und die Touristen dagegen dürfte nach dem Ärger über tagelange Blackouts das Entsetzen gepackt haben. Denn obwohl Greenpeace-Mitarbeiter bereits 2002 auf das Kraftwerkgelände in Koeberg vordrangen und so auf Sicherheitspannen aufmerksam machten, galt die Möglichkeit einer Sabotage dort bisher eigentlich eher als gering. (Von Ralf E. Krüger, dpa)

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