Welt : "Schlagermove" und "Ringfest": Eine Fiesta Mexicana für den kühlen Norden

Was für Köln der Karneval und Berlin die Love-Parade ist, ist für Hamburg seit einigen Jahren der Schlagermove: Verkleidet und geschminkt tanzten mehr als 500 000 Menschen in den Straßen der sonst so kühlen Hansestadt. Aus gigantischen Lautsprechern dröhnten von geschmückten Tiefladern die Schlagerhits der 70-er Jahre von "Anita" bis "Fiesta Mexicana", und alle sangen mit. Auf einem kilometerlangen Rundkurs zogen die Wagen und die Fans vom Hafen über die Reeperbahn.

"Ich traf sie irgendwo, allein in Mexico - Aniiita!" Die Stimme von Oliver aus Hamburg-Bergedorf wackelte nicht ein einziges Mal, als er den alten Hit mitschmetterte, obwohl das Lied älter ist als er selbst. "Ich komme hierher, um Party zu feiern", sagte er, "Schlager sind Kult". Wie Oliver dachten wohl viele der mehr als 500 000 Fans. Ein großer Teil hatte sich mit Fantasie und Witz vorbereitet: Männer trugen Perücken mit den Wuschelfrisuren der 70-er und falsche Backenbärte. Dazu enge klein gemusterte Polyesterhemden mit breiten Schlipsen. Viele Frauen hatten Schlaghosen und Ringelpullover an. Im spätsommerlich schwülen Hamburg kamen sie beim Tanzen kräftig ins Schwitzen, was mit viel Bier und Sekt wieder ausgeglichen werden musste.

Der Weg führte den Zug von den Landungsbrücken am Hafen entlang bis fast nach Altona, wo die Wagen abbogen auf die Reeperbahn. Hier gab es eine Zusatzattraktion: Die Tagschicht des Eros-Centers hatte sich auf einem Vordach und in den Fenstern versammelt, um sommerlich knapp angezogen die Parade abzunehmen. Für ein paar Minuten waren optische Eindrücke wichtiger als die Musik.

Der Schlagermove 2000 endete mit großen Partys, eine etwa in der alten Fischauktionshalle, eine andere auf dem Gelände einer Brauerei in St. Pauli. In der Nacht zum Sonntag spülte dann ein großer Regen die Reste des Festes von den Straßen.

Mehr als zwei Millionen Musikfans haben am Sonntag auf dem "Kölner Ringfest" trotz teilweise heftiger Regenschauer Stars und Bands wie Blümchen, Tic Tac Toe und Fettes Brot gefeiert. Das "größte Musikfest der Welt" war Teil der internationalen Musikmesse Popkomm, die am Wochenende zu Ende ging. An den zehn Bühnen der rund zwei Kilometer langen Partyzone in der Kölner Innenstadt war die Hölle los.

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