Schloss Windsor : Knausert die Queen? Personal der Royals droht mit Streik

Job bei der Königin, königliche Bezahlung? Gewerkschaftern zufolge kann davon jedenfalls auf Schloss Windsor keine Rede sein. Sie wollen den Royals ihren ersten Arbeitskampf einbrocken. Die Queen hat schon länger den Ruf, nicht allzu großzügig zu zahlen.

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Queen Elizabeth II 2012 im Schloss Windsor.
Queen Elizabeth II 2012 im Schloss Windsor.Foto: dpa

Der Queen droht der erste Personalstreik in der Geschichte der britischen Monarchie. Das hat Gewerkschaftsführer  Mark Serwotka von der Dienstleistungsgewerkschaft PCS nicht ohne Stolz angekündigt. Die Queen bezahlt offenbar nur einen Hungerlohn und er will Schluss machen mit Selbstausbeutung in den Palästen und falscher Solidarität über Klassenschranken hinweg, wie sie die Fans von „Downton Abbey“ so begeistert. 

Befürchtungen, das Bett der Queen könne ungemacht bleiben, sind allerdings fürs erste unnötig. Den Streik haben 120 Mitarbeiter des „Royal Collection Trusts“ angedroht und er beschränkt sich auf Verweigerung des „guten Willens“. Es geht um "Extraleistungen" wie Erste Hilfekurse oder Fremdsprachen-Dienste der Kartenverkäufer, Führer und Aufseher, die  jährlich 1,1 Millionen Touristen den Besuch von Schloss Windsor zu einem „unvergesslichen Erlebnis“ machen, wie es in den Broschüren heißt. 

Die Gewerkschaft hat mit einer Urabstimmung begonnen, weil „Jahre der Lohnzurückhaltung dazu geführt haben, dass loyale Arbeiter weniger verdienen als der allgemein anerkannte Living Wage". Damit ist nicht der gesetzliche Mindestlohn gemeint,  den Arbeitgeber bezahlen müssen, sondern ein empfohlener, freiwilliger Lohn, der die Lebenshaltungskosten deckt. Serwotka spricht von „skandalösen Zuständen“ und „erbärmlicher Bezahlung“. Man erwarte von den Mitarbeitern, dass sie unentgeltlich ihr äußerstes geben – nur „damit die königliche Familie mehr Geld verdient“.  

Wie knausrig ist die Queen? Vor einem Jahr rügte das Unterhaus noch ihre mangelnde Spardisziplin. Die Finanzreserven der Paläste seien von 35 Millionen Pfund in 2001 auf nur noch eine Million Pfund abgeschmolzen – der Notgroschen. Ministerien müssten bis zu einem Drittel einsparen, der „Royal Houshold“ schaffe gerade fünf Prozent. Es würden zu fürstliche Gehälter  gezahlt – der Durchschnittslohn bei der Queen beträgt 44,724 Pfund oder 61 720 Euro – 70 Prozent über dem britischen Durchschnittslohn. 

Einstiegsgehalt  in der untersten Lohngruppe ist laut einer aktuellen Stellenanzeige für einen „Household Assistant“ mit Pflichten von Putzen bis Aufwarten bei öffentlichen Empfängen 14.513,16 Pfund im Jahr. Für Kost und Logis gibt es Abzug. Der Einstiegslohn entspricht dem gesetzlichen Mindestlohn und wird auch den Angestellten in Windsor bezahlt. 

Die Royal Collection weist die Vorwürfe der Gewerkschaft zurück. Es liege im Ermessen der Einzelnen, ob sie Extraleistungen erbringen wollten, es gebe eine leistungsbezogene  Gehaltserhöhung von 2,5 Prozent über den Regellohn hinaus und im übrigen dienten die Einnahmen aus den Windsor-Besuchen nicht der königliche Familie, sondern der Erhaltung der Paläste. 

Ist die Streikdrohung auch etwas Wahlkampftheater? Labour und Linke haben stagnierende Lebensstandards zum Thema gemacht. In der vergangenen Woche führte Serwotka Sicherheitsbeamte und Putzpersonal zum Protest vor das Landwirtschaftsministerium. Auch dort wird kein „living wage“ bezahlt.

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