Seuchengefahr : Cholera in Birma ausgebrochen

Manche Dörfer haben noch immer keine Hilfe bekommen, fast 30.000 Menschen werden weiter vermisst. In den von dem Wirbelsturm "Nargis" betroffenen Gebieten in Birma hat es nun die ersten Fälle der schweren Infektionskrankheit Cholera gegeben. Das Rote Kreuz bittet die internationale Gemeinschaft um 33 Millionen Euro

Birma
Eine Mutter steht mit ihrem Kind in ihrem verwüsteten Dorf. An einigen Stellen steht das Wasser noch knietief. -Foto: dpa

BangkokNeben der Cholera leiden auch zwanzig Prozent der Kinder an Durchfall, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag mitteilte. "Die Region ist endemisch für Cholera", sagte eine WHO-Sprecherin in Thailand. Das Risiko daran zu erkranken, sei nun besonders hoch. Die Infektionskrankheit wird durch Bakterien in verschmutztem Wasser übertragen und ist tödlich, wenn die Erkrankten nicht innerhalb von 24 Stunden nach Ausbruch behandelt werden.

Das Internationale Rote Kreuz warnte vor diesem Hintergrund in Genf vor einer "erneuten Verschlimmerung der Situation". Es bat die internationale Gemeinschaft unterdessen um finanzielle Hilfen in Höhe von knapp 33 Millionen Euro.

Heftige Regenfälle erwartet

Im Katastrophengebiet haben Helfer mit Hochdruck daran gearbeitet, die Zyklon-Opfer vor den erwarteten heftigen Regenfällen in Sicherheit zu bringen. Hunderttausende sitzen nach Einschätzungen der Hilfsorganisationen noch im Freien. In abgelegenen Dörfern war auch zwei Wochen nach der verheerenden Katastrophe noch keine Hilfe angekommen.

Laut neuesten offiziellen birmanischen Angaben, die die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua zitierte, starben bisher etwa 43.300 Menschen. Vermisst wurden am Donnerstagabend noch 27.800 Einwohner.

Behören schicken Menschen nach Hause

Nach Informationen des Online-Magazins "Irrawaddy News" haben die Behörden in Rangun inzwischen begonnen, Überlebende, die Zuflucht in Klöstern und Schulen gefunden hatten, nach Hause zu schicken. "Wo sollen sie hin?" fragte ein Einwohner Ranguns fassungslos. "Ihre Häuser sind zerstört." Die Opfer seien in staatliche Flüchtlingslager dirigiert worden, doch reichen die Zelte nach Informationen des Magazins bei weitem nicht. In der zerstörten Hafenstadt LaButta sollen 10.000 Leute in ein Fußballstadion umziehen, berichtete die Zeitschrift. Dort stünden aber nur 60 Zelte für 1000 Menschen zur Verfügung.

Die birmanischen Behörden haben nach dem Besuch des thailändischen Regierungschefs Visa für 30 thailändische Ärzte und Krankenschwestern in Aussicht gestellt. Die Teams sollten am Samstag eintreffen, berichteten Medien in Bangkok. Auch eine Gruppe von Katastrophenexperten aus den Staaten der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean hatte grünes Licht für einen Einsatz bekommen. Ob sie allerdings in das bislang für alle Ausländer gesperrte Katastrophengebiet reisen können, blieb unklar. Asean, dessen Mitglied Birma ist, hatte eine "Koalition der Barmherzigkeit" angekündigt. Unklar ist weiter, wann wie viele Helfer einreisen dürfen. Die Asean-Außenminister treffen sich am Montag in Singapur. (mpr/ae/AFP/dpa)

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