Sex Appeal von Sprachen : Die Liebe spricht Französisch

Liebe ist eine Himmelsmacht. Doch wer stumm bleibt, hat auf dem Flirtmarkt keine großen Chancen. Auf die Sprache kommt es an. Deutsch ist allerdings in Herzensangelegenheiten eher hinderlich.

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Blickkontakt allein reicht beim Flirten nicht aus, auch die Worte wollen wohl gewählt sein.
Blickkontakt allein reicht beim Flirten nicht aus, auch die Worte wollen wohl gewählt sein.Foto: Imago

Man könnte natürlich die Liebe als eigene Sprache betrachten, die mit ihrer eigenen, allumfassenden Ausdrucksweise die Welt zu einem erfreulicheren Ort macht. Oder man könnte, angesichts der Himmelsmacht, einfach verstummen, wie Friedrich von Schiller, der dichtete: "Ach, wenn Du es erfahren wolltest, wie ich Dich liebe, so müsstest Du mir eine neue Sprache schenken."

Man kann aber auch einfach mal den pragmatischen Ansatz wählen, um Licht in die große Sprachverwirrung zu bringen. Die Sprach-lern-App Babbel wollte wissen, was die Sprache der erotischen Liebe ist. Rund 14.000 Sprachschüler stimmten darüber ab, welche Sprachen besonders sexy sind. Als Motivation für den Spracherwerb sind größere Chancen auf dem internationalen Flirtmarkt sicher nicht zu unterschätzen.

Deutsch schneidet im Ergebnis leider ganz schlecht ab. Aus Flirtgründen lohnt es jedenfalls nicht, diese Sprache zu lernen. Bei der Frage nach der Sprache mit dem geringsten Sex Appeal landete Deutsch auf dem zweiten Platz, gleich hinter Chinesisch. Deutschen Muttersprachlern bleibt noch der Ausweg eines Flirt-Urlaubs in England oder in den USA.

"Schau mir in die Augen, Kleines"

Dort landete Deutsch in der Kategorie "Sexy" immerhin schon auf dem vierten Platz. Wenig Sex Appeal wird auch dem Russischen und dem Türkischen zugeschrieben. Aber natürlich sind Komplimente, Liebesschwüre und selbst verfasste Gedichte nicht die einzige Art, seine Gefühle auszudrücken. Der Klassiker "Ich seh’ dir in die Augen, Kleines", dürfte auch 73 Jahre nach Casablanca noch gute Wirkung erzielen.

Mit dem französisch anmutenden Titel "Merci Chérie" gewann Udo Jürgens einst den Grand Prix d’Èurovision. Dazu mag beigetragen haben, dass die französische Sprache international als Sprache mit dem größten Sex Appeal gilt. Sogar unter den Akzenten liegt Französisch an der Spitze. Wer also ernsthaft interessiert ist, sollte die trockenen "ch"-Laute mit einem sinnlichen Zischen aufpeppen. "Isch liebe disch", klingt gleich etwas weniger nüchtern.

Romanische Sprachen haben Romantikfaktor

Schon Balzac befand: "Liebe ist die Sprache der Sinne." Nicht umsonst ist auch "Ti amo" eine beliebte Schlagerzeile. Die italienische Art, den schönsten Satz der Welt auszudrücken, landete auf dem zweiten Platz. Den dritten Platz sicherten sich die Spanier mit "Te quiero". Romanische Sprachen also haben offensichtlich einen besonders hohen Romantik-Faktor. Da verwundert es fast ein wenig, dass die Grundsprache Latein in dieser Umfrage gar keine Rolle spielt. Liebesbriefe in lateinischer Sprache hätten sicher einen hohen Exklusiv-Faktor, wenn auch nicht unbedingt in den Augen der Generation App.

In der internationalen Gemeinde der Romantiker tun sich die Deutschen auch von sich aus schwer, ins Spitzenfeld vorzudringen. Zwar können sich 83,6 Prozent der Befragten vorstellen, eine Sprache allein der Liebe wegen zu lernen. Aber zurückhaltender sind in dieser Frage nur die Österreicher mit 82,2 Prozent und die Schweizer mit 81,1 Prozent.

Latin Love setzt sich nicht nur in der Leidenschaft durch, sondern auch in der Bereitschaft, alles zu geben. 94 Prozent der befragten Spanier, 95,7 Prozent der Italiener und 96,6 Prozent der Portugiesen würden die Sprache des oder der Geliebten lernen wollen. Die Liebe spricht alle Sprachen und versteht alle Sprachen, sie überwindet die babylonische Sprachverwirrung. Ganz bestimmt dann, wenn man ein bisschen nachhilft.

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