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Sicherheitstechnik an Flughäfen : Körperscanner werden doch in Deutschland eingeführt

Körperscanner sollen nun doch an deutschen Flughäfen eingeführt werden. Inzwischen sei die Technik ausgereift, heißt es bei den Behörden. Auch Flüssigkeiten sollen vermutlich ab 2016 wieder mit an Bord genommen werden dürfen.

Rainer W. During
Der Scan eines Körperscanners ist auf einem Bildschirm im Flughafen in Hamburg zu sehen. Dort waren die Geräte getestet worden.
Der Scan eines Körperscanners ist auf einem Bildschirm im Flughafen in Hamburg zu sehen. Dort waren die Geräte getestet worden.Foto: dpa

Einst als „Nacktscanner“ verschrien und dann für unzuverlässig befunden, werden die Körperscanner jetzt doch in großem Umfang an den deutschen Flughäfen eingeführt. Das erfuhr der Tagesspiegel aus gut informierten Behördenkreisen. Inzwischen, so heißt es, sind die Geräte ausgereift und finden bei den Passagieren eine hohe Akzeptanz. 89 Einheiten sind bestellt. Dank neuer Technologie sollen bald auch die Beschränkungen bei der Mitnahme von Flüssigkeiten der Vergangenheit angehören.

Die Vorläufer der heutigen Scanner wurden 2010 in den USA und in Großbritannien eingeführt. Zuvor war es einem Terroristen gelungen, in der Unterwäsche versteckten Sprengstoff an Bord eines Flugzeugs zu schmuggeln, zum Glück versagte der Zünder. Die so genannten “Backscatter“ arbeiteten noch mit Röntgenstrahlen und wurden in beiden Ländern inzwischen wieder aus dem Verkehr gezogen.

Heutige Bodyscanner tasten die Passagiere mit von offizieller Seite als unschädlich eingestuften Millimeterwellen ab. Die Untersuchung zweier Geräte durch das Bundesamt für Strahlenschutz ergab für die kontrollierten Personen eine Strahlenbelastung, die zwischen unter 0,0001 und 0,001 Prozent des in der EU zulässigen Grenzwertes lag. Dennoch sieht das Amt die Gefahr einer stärkeren Belastung bei untypischer Annäherung an die Sendeantenne oder wiederholten Kontrollen binnen weniger Minuten und empfiehlt weitere Forschungen.

Zehn Monate lang waren ab 2010 Geräte in Hamburg getestet worden

2010/11 hatte die Bundespolizei die ersten Bodyscanner in einem zehnmonatigen Feldversuch am Hamburger Flughafen getestet. 809.000 Passagiere, die freiwillig diese Kontrollform wählten, wurden gescreent. Bereits damals kam eine zweite Gerätegeneration mit einer Automatic Target Detection (ATD)-Software zum Einsatz. Dabei werden keine individuellen Körperbilder mehr verwendet, sondern auf dem Bildschirm an einem Strichmännchen die Stellen markiert, wo sich verdächtige Gegenstände befinden könnten. Nur dort wird dann per Hand nachkontrolliert.

Beim Scan von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere gab es einen Fehlalarm

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere war (CDU) war damals als erster in die Kabine getreten, in der man während des 1,5 Sekunden dauernden Scanvorgangs die Arme heben muss. Eine simple Falte in seinem Hemd löste gleich den ersten Fehlalarm aus. Letztendlich ergab sich eine Fehlerquote von 54 Prozent und der damalige de Maiziere-Nachfolger Hans-Peter Friedrich (CSU) entschied 2011, in Deutschland vorerst auf den regulären Einsatz der Scanner zu verzichten. Seitdem konnten von der Bundespolizei in Zusammenarbeit mit dem Hersteller des derzeit einzigen den deutschen Anforderungen entsprechenden Scanners - der US-Firma L3 Communications - deutliche Verbesserungen erzielt werden.

Bisher werden Scanner in Deutschland zur Zweitkontrolle eingesetzt

14 Scanner des Typs ProVision ATD stehen bereits an den Flughäfen Berlin-Schönefeld, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart. Sie werden zur vorgeschriebenen Zweitkontrolle von Passagieren der besonders sicherheitskritischen Flüge  nach Israel und in die USA eingesetzt. Die Zahl der Fehlalarme konnte deutlich reduziert werden und es gibt keine Durchsatzprobleme, heißt es in den Behördenkreisen. Bei mehr als der Hälfte der Passagiere ist keine Nachkontrolle erforderlich, die Zahl der Reisenden, die komplett durchsucht werden müssen, wurde im Vergleich zu den klassischen Metall-Torsonden auf 15 Prozent halbiert. Deshalb wurde jetzt beschlossen, die Geräte auch für die Erstkontrolle der übrigen Fluggäste einzusetzen. 14 zusätzliche Exemplare des verkleinerten Modells ProVision 2 werden noch in diesem Jahr in Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart installiert. 75 weitere Scanner zum Einsatz an den internationalen deutschen Flughäfen werden im kommenden Jahr ausgeliefert.

Für Tegel werden keine Geräte mehr angeschafft

Obwohl noch immer unklar ist, wann der neue Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) in Schönefeld eröffnet wird, sind für den Flughafen Tegel keine Bodyscanner mehr vorgesehen. Aufgrund der wiederholten Ankündigung einer baldigen Schließung des Airports hatten die Behörden angesichts der hohen Investitionen - jeder Scanner kostet rund 160.000 Euro – hier auf eine Anschaffung verzichtet. Für den BER selbst waren vor dem geplatzten Eröffnungstermin im Juni 2012 sechs bis zehn Scanner vorgesehen, die dann aber doch nicht geliefert wurden. Die herkömmlichen Kontrollgeräte dagegen vergammeln seitdem auf der Baustelle, ein Teil konnte demontiert und zu anderen Flughäfen geschafft werden.

Bis Ende 2016 auch Neuregelung für Mitnahme von Flüssigkeiten

Bis Ende 2016 könnten der EU-Kommission zufolge auch die Beschränkungen bei der Mitnahme von Flüssigkeiten aufgehoben werden. Bereits seit dem 31. Januar dieses Jahres dürfen aus Drittländern kommende Transitpassagiere an EU-Flughäfen in Sicherheitstüten verpackte Getränke und Kosmetika aus Duty-Free-Käufen auch auf Anschlussflügen mit sich führen. Diese müssen aber separat in einem Flüssigkeitsscanner kontrolliert werden. Das Verfahren ist zu zeitaufwändig, um für alle Fluggäste angewandt zu werden. Abhilfe sollen Scanner vom so genannten Typ D bringen, bei denen die Flüssigkeitsbehälter in den Handgepäckstücken verbleiben können. Die bisherigen Geräte sind allerdings zu groß, um in die klassischen Kontrolllinien zu passen. Kleinere Scanner und Kombi-Geräte befinden sich noch in der Prototyp-Phase, erste Praxis-Tests an deutschen Flughäfen wird es nicht vor Mitte 2015 geben.

Inzwischen arbeitet das Bundesinnenministerium unter anderem mit einem deutschen Unternehmen an der Entwicklung des Walk-Through-Security-Scanners. Bereits in einigen Jahren könnte es dann überflüssig sein, eine Kabine zu betreten und die Arme zu heben. Dann werden die Reisenden im Vorbeigehen gescreent.

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