Sie bewegte die Bauhauskünstler : Gret Palucca

Hübsch und lieblich tanzen wollte Gret Palucca noch nie und kehrt deshalb schon in frühen Jahren der Ballettstange den Rücken. Besessen, temperamentvoll und verausgabend nennen Kritiker ihren Stil, der sie zu einer bedeutenden deutschen Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin machte.

1902 kommt Margarete Paluka als Tochter einer Münchener Apothekerfamilie zu Welt. Mit 18 bricht sie ihre klassische Ballettausbildung ab und wird Ausdruckstänzerin. Mit ihren ungestümen Auftritten voller halsbrecherischer Sprünge und akrobatischer Elemente macht sie sich schon bald einen Namen und wird zu Muse namhafter Bauhauskünstler, die in ihrem Tanz das neu gefundene Gesetz der Bewegung sehen.

Neben vielen anderen zählten Kandinsky, Klee und Gropius zu den Bewunderern ihres kraftvollen und lebensbejahenden Tanzstils.

Groß war ihr Einfluss als Tanzpädagogin. Mit 23 eröffnet sie ihre erste Tanzschule in Dresden. Ihre Ausbildung basiert nicht auf körperlichem Drill, sie lässt ihre Schüler improvisieren und experimentieren. Palucca lehrt bis ins hohe Alter, mit einer Unterbrechung: Zwischen 1939 und 1945 muss sie die Leitung der Schule abgeben und darf auch nicht mehr öffentlich auftreten, weil ihre Mutter Jüdin war.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird ihre Tanzschule in Dresden wiedereröffnet, 1949 wird sie verstaatlicht. Trotz ihrer Differenzen mit Kulturfunktionären bleibt Palucca in der DDR. Die Führung weiß um die Bedeutung der Künstlerin und versucht sie mit allen Mitteln im Land zu halten. Sie kann deshalb immer wieder Zugeständnisse erzwingen. Ihre Schule wird zu einer künstlerischen Insel, die internationales Ansehen genießt. 1993 stirbt sie in Dresden im Alter von 91 Jahren. Wlada Kolosowa

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