Smog-Alarm in China : „Wie im Katastrophenfilm“

China ruft Smog-Alarm aus – für deutsche Arbeitnehmer ist das Land immer seltener ein Traumziel.

Tai Chi mit Atemschutz. Auch die Provinz Anhui ist vom Alarm betroffen.
Tai Chi mit Atemschutz. Auch die Provinz Anhui ist vom Alarm betroffen.Foto: dpa

Wegen des verheerenden Smogs im Osten Chinas haben die Behörden am Sonntag in fünf Provinzen die zweithöchste Alarmstufe „Orange“ ausgerufen. Die Zahl der Menschen mit Atemwegserkrankungen in Krankenhäusern in Schanghai stieg deutlich, wie staatliche Medien berichteten. Der Verkauf von Atemschutzmasken und teuren Luftfiltern schnellte in die Höhe.

„Es stinkt verraucht. Die Luft kratzt richtig im Hals“, sagte eine Frau in der Hafenmetropole. „So einen Smog haben wir hier noch nie erlebt.“ Während sich die Luftverschmutzung in der Hauptstadt Peking am Sonntag durch frischen Wind besserte, war die Lage in den Provinzen Jiangsu, Zhejiang, Anhui, Hebei und Shandong im östlichen Teil Chinas weiter schlimm. In den fünf Provinzen leben 360 Millionen Menschen. „Es ist wie im Katastrophenfilm“, schrieb ein Internetnutzer.

Die Stadt Nanjing rief am Samstag sogar den höchsten Smog-Alarm der Stufe „Rot“ aus. In der Provinzhauptstadt von Jiangsu stieg die Belastung mit den besonders gefährlichen Feinstaubpartikeln, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind, auf 602 Mikrogramm. Das ist 24 mal so viel wie der Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation. Die Sicht in Nanjing war so schlecht, dass 60 Flüge gestrichen werden mussten. Schulen und Kindergärten waren schon seit Donnerstag geschlossen.

In Peking hatte die Belastung bis Sonntagmorgen noch auf dem „gefährlichen“ Wert von mehr als 400 gelegen. Dann kam Wind auf, so dass der Index deutlich fiel. In der Hafenstadt Schanghai, die am Freitag unerträgliche Spitzenwerte erreicht hatte, ging die Luftbelastung bis Sonntagabend auf weiterhin „ungesunde“ 181 zurück.

„Früher war es nicht so schlimm“, sagte ein Deutscher, der mit Frau und zwei Kindern im Grundschulalter in Schanghai wohnt. „Wir sind jetzt vier Jahre hier, aber nächstes Jahr ist Schluss“, sagte er. „Das reicht jetzt.“ Manager großer deutscher Unternehmen beklagten schon seit dem schlimmen Smog im vergangenen Winter, dass sie zunehmend Probleme haben, Deutsche zur Arbeit in China zu bewegen.

„Der Smog geht zum großen Teil auf unser gegenwärtiges Entwicklungsmodell zurück“, sagte Vizeminister Xie Zhenhua von der obersten Wirtschaftslenkungsbehörde NDRC laut Xinhua. Fabriken dächten nur an das Wachstum ihrer Produktion und ignorierten den Umweltschutz. dpa

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