Smogbekämpfung in Großstädten : Fahrverbote für eine bessere Luft

Nach Paris will auch Madrid bei Smog nur noch die Hälfte der Autos auf die Straßen lassen. Peking hat damit schon lange Erfahrung.

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Madrid im Berufsverkehr. Die europäischen Großstädte wie die Megastädte in Entwicklungsländern leiden allesamt an zu vielen Autos, Staus und extrem schlechter Luft.
Madrid im Berufsverkehr. Die europäischen Großstädte wie die Megastädte in Entwicklungsländern leiden allesamt an zu vielen Autos,...Foto: Imago

„Boina“ (Baskenmütze) nennen die Bewohner Madrids jene gigantische Abgaswolke, die im Herbst und Winter oft über der spanischen Millionenstadt hängt und das Atmen schwer macht. Braun-grau schiebt sich diese Mütze über die Silhouette der spanischen Hauptstadt, von der dann, wenn man aus der Höhe herabschaut, nur noch ein paar Hochhaustürme aus der Miefwolke ragen. Vor allem die mehr als eine Million Autos, die sich täglich durch die Metropole quälen, machen die Luft in der City ziemlich dick. So dick, dass die Abgaskonzentration seit Jahren bei Smogwetterlagen die EU-Grenzwerte übersteigt, weshalb die Stadt demnächst zu einer Millionenstrafe verdonnert werden könnte.

Damit steht Madrid nicht allein. Die EU-Kommission hat gegen fast alle Mitgliedstaaten Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, da die Feinstaub- oder Stickoxidwerte überschritten werden. Deshalb bereitet Bürgermeisterin Manuela Carmena die Hauptstadtbewohner nun darauf vor, dass demnächst bei hoher Schadstoffkonzentration Fahrverbote drohen: Dann soll der Verkehr innerhalb des inneren Stadtautobahnringes, also im Herzen Madrids, um die Hälfte reduziert werden. Und zwar indem, wie schon in Paris, an einem Tag nur Autos fahren dürfen, deren Nummernschild mit einer geraden Zahl endet. Und am nächsten Tag eben jene mit einem ungeraden Nummernschild. Nur abgasfreie Fahrzeuge haben immer freie Fahrt.

An Tagen des Fahrverbotes soll der öffentliche Nahverkehr kostenlos sein

Damit das öffentliche Leben in der Metropole nicht zusammenbricht, soll der öffentliche Nahverkehr an den Tagen des Fahrverbots kostenlos sein. Auch das hat Paris schon vorgemacht. In Paris gibt es zudem ein enorm beliebtes Car-Sharing-Modell mit Elektroautos. Über eine App im Smartphone können die Pariser jederzeit herausfinden, wo sie eines der mehr als 3000 Elektrofahrzeuge von Autolib finden. 300 000 Pariser haben sich für das Auto-Teilsystem registriert.

Die 71-jährige Madrider Bürgermeisterin Carmena, die seit Juni in Spaniens wichtigster Stadt regiert, geht schon mal mit gutem Beispiel voran: Sie verzichtete auf ihren persönlichen Dienstwagen und fährt, so oft es geht, mit dem Fahrrad oder der Metro durch ihre Stadt.

London und Stockholm versuchen, Stau und schlechter Luft mit Einfahrgebühren beizukommen. London plant eine Umweltzone, in die nur noch nahezu emissionsfreie Fahrzeuge einfahren dürfen. Großbritannien hat wegen Nicht-Einhaltung der Luftreinhalterichtlinie bereits einen Strafbescheid zugestellt bekommen. In Deutschland sind noch keine Strafgebühren festgelegt. Hierzulande versuchen die Städte, mit Umweltzonen ihre Luftqualität zu verbessern – mit mäßigem Erfolg. Heiko Balsmeyer, der für den Verkehrsclub VCD eine die Clean-Air-Koalition von neun europäischen Nicht-Regierungsorganisationen koordiniert, sagte dem Tagesspiegel: „Ich hoffe, dass die Aufmerksamkeit, die der Luftqualität wegen des VW-Skandals derzeit zukommt, dazu genutzt wird, einen bundesweiten Aktionsplan für bessere Luft zu erarbeiten.“

In Peking sind die Autofahrer Beschränkungen längst gewohnt

In der smog- und staugeplagten chinesischen Hauptstadt Peking sind Autofahrer Beschränkungen längst gewohnt. Neben einer Zulassungsbegrenzung existieren in Peking seit 2008 dauerhafte Fahrverbote für die mehr als fünf Millionen Autos. Ein Fünftel darf an einem Wochentag nicht fahren, montags trifft es Fahrzeuge, deren Nummernschilder auf 1 oder 6 enden, dienstags die mit den Nummern 2 oder 7 und so weiter. Vor prestigeträchtigen Veranstaltungen wie den Olympischen Spielen oder der Militärparade unlängst wird das Verbot auf die Hälfte aller Fahrzeuge erweitert. Allerdings fand eine Studie heraus, dass sich fast die Hälfte aller Fahrer nicht an die Verbote hält und lieber die Strafe von umgerechnet 30 Euro riskiert.

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