Sorge vor der Epidemie : Verdacht auf Schweinegrippe in Deutschland

Die Schweinegrippe rückt näher. Reisende aus Bielefeld haben sich möglicherweise mit dem Virus infiziert. Sie liegen seit ihrer Rückkehr aus Mexiko auf der Isolierstation.

Zwei Männer und eine Frau in einer Bielefelder Klinik haben sich möglicherweise mit dem Virus H1N1 angesteckt, sagte der stellvertretende Leiter des zuständigen Gesundheitsamts, Peter Schmid, als Reaktion auf einen Bericht der Neuen Westfälischen. Die beiden Männer seien mit einer fieberhaften Erkrankung von einer Mexiko-Reise zurückgekehrt. Die Frau sei eine Schwester von einem der beiden und könnte sich in Bielefeld angesteckt haben.

Schmid sagte weiter, dass das Ergebnis des molekularbiologischen Nachweises für Dienstag oder Mittwoch erwartet werde. Das Problem mit dem Schnelltest in diesem besonderen Fall sei jedoch, dass noch niemand in Deutschland dieses Nachweisverfahren an dem neuen Virus ausprobiert habe. "Ich weiß noch nicht, ob der Verdacht in den einzelnen Fällen überhaupt klinisch begründet ist", sagte Schmid mit Verweis auf eine Symptomliste des Robert Koch-Instituts. Er warnte vor Hysterie. "Ich sehe keinen Grund zur Befürchtung einer echten Grippe-Pandemie."

Währenddessen sind Flughafenmitarbeiter und Kabinenbesatzungen dazu aufgefordert worden, Passagiere mit Symptomen sofort zu melden. Zudem würden Karten für die Erfassung von Passagierdaten und Informationsmaterial vorbereitet, gab ein Sprecher des Frankfurter Gesundheitsamts bekannt.

In Großbritannien gibt es drei Verdachtsfälle der Schweinegrippe. Eine Kanadierin, die zu Besuch in Manchester war, sei mit Grippesymptomen vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte der staatliche Gesundheitsdienst NHS mit. Die Frau werde in einer Klinik in Manchester auf Erreger der Schweinegrippe getestet. Es war nicht klar, ob sie sich zuvor in Mexiko aufgehalten hatte.

Die Bundesregierung gab für Deutschland hingegen offiziell Entwarnung: Für die Menschen gebe es durch das Virus in Amerika derzeit keine direkte Gefahr. Zwar habe es einen Verdachtsfall in Deutschland gegeben, dieser habe sich jedoch nicht bestätigt.

Der Reiseveranstalter TUI wird wegen des Ausbruchs der Schweinegrippe in Mexiko bis einschließlich 4. Mai keine Reisen mehr nach Mexiko-Stadt anbieten. Auch bei Rundreisen werde die Stadt innerhalb der nächsten Woche nicht mehr angesteuert.

Mexiko ist weiterhin am schwersten von dem Virus betroffen. Insgesamt gebe es landesweit rund 1600 Verdachtsfälle, 400 Menschen werden in Krankenhäusern behandelt, sagte Mexikos Gesundheitsminister José Ángel Córdava am Sonntag im Fernsehen. Die Infizierten sollen aber bereits auf dem Wege der Besserung sein. Mehr als 100 Menschen seien bereits an einer Grippe gestorben, die möglicherweise durch das Schweinegrippe-Virus hervorgerufen wurde.

Präsident Felipe Calderón stattete die Gesundheitsbehörden mit Sondervollmachten aus, um die Epidemie einzudämmen. Die Behörden sollen unter anderem das Recht haben, Wohnungen zu betreten, um Grippekranke aufzuspüren, sie zu isolieren und zu behandeln. Auf allen Flughäfen und Busbahnhöfen waren medizinische Teams, auch in Begleitung von Soldaten und Polizisten im Einsatz, um Grippekranke aufzuspüren.

In Mexikos Hauptstadt-Region sind seit Freitag alle Schulen geschlossen, Großveranstaltungen sind verboten. Fußballspiele werden ohne Publikum ausgetragen. Auch die katholische Kirche musste die Pforten ihrer Kirchen für die Sonntagsmessen schließen.

In den USA gab es bis zum Sonntag 20 bestätigte Krankheitsfälle, davon acht Schüler eines Privatgymnasiums in New York. Die Vereinigten Staaten riefen daraufhin den Gesundheitsnotstand aus, wodurch zusätzliche Bundesmittel für Vorsorgemaßnahmen bereitgestellt werden können. Heimatschutzministerin Janet Napolitano kann nun die staatlichen Lagerbestände an Antiviren-Medikamenten zur möglichen Verteilung abrufen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht im Zusammenhang mit der Schweinegrippe von einem Gesundheitsnotfall internationalen Ausmaßes. In Kanada gab es sechs bestätigte Fälle. Zahlreiche Länder vor allem in Lateinamerika treffen Vorbereitungen, um ein Einschleppen des Virus aus Mexiko und den USA zu verhindern. Bereits am Vorabend waren zwei Menschen in Schottland mit grippeartigen Symptomen in eine Klinik gekommen. Sie waren von einer Mexikoreise zurückgekehrt.

Die EU-Kommission berief die Gesundheitsminister der Mitgliedsländer zu einer Krisensitzung ein. Es sei zu früh, um über die Situation zu spekulieren, sagte Kommissionspräsident Manuel Barroso am Montag in Athen. "Wir beobachten die Situation sehr genau, zusammen mit den Mitgliedsstaaten." In Frankreich wurden vier Menschen unter Beobachtung gestellt, die kürzlich in Mexiko waren.

Bei dem Grippevirus handelt es sich um eine neue Variante des bekannten Subtyps A/H1N1. Laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) enthält der Erreger Gene, die sowohl in Schweinen, Vögeln und Menschen vorkommen.

Menschen erkranken durch das Virus an der Influenza, die sich durch Symptome wie Fieber, Husten und Probleme beim Atmen, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen zeigen kann. Einige Patienten berichteten von Durchfall, auch Erbrechen kann die Erkrankung begleiten. Lungenentzündungen und das Versagen der Atemwegsfunktionen haben in der Vergangenheit zu Todesfällen geführt.

Der DAX reagierte mit Abschlägen auf die Grippe-Nachrichten und verlor im Vormittagshandel 1,7 Prozent. Aktienhändler Matt Buckland von CMC Markets sagte, Befürchtungen über die Ausbreitung der Schweinegrippe sorgten für neue Unsicherheit an den weltweiten Finanzmärkten. Die Börsen in Hongkong und Shanghai fielen auf ein mehrwöchiges Tief. Nach der Lungenkrankheit Sars vor sechs Jahren sind die Investoren in Asien für solche Ereignisse besonders sensibilisiert. Der Hang-Seng-Index in Hongkong schloss 2,7 Prozent tiefer. Die Börse in Shanghai schloss 1,8 Prozent schwächer. (raw, rtr, dpa)

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