Welt : Spanien: Legionärskrankheit durch Klimaanlagen

Ralph Schulze

Die Stadt Murcia an der spanischen Costa Blanca ist zunehmend durch die Legionärskrankheit bedroht. Rund 500 Einwohner dieser Großstadt sind inzwischen an Lungenentzündung erkrankt, dem gefährlichsten Symptom der Legionärskrankheit. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser in dieser Stadt standen am Mittwoch vor dem Kollaps. Es gab kaum noch freie Krankenbetten.

Wegen der Ausbreitung der Legionärskrankheit steht inzwischen die europäische Jugend-Olympiade auf der Kippe, die vom 22. bis 26. Juli in Murcia stattfinden soll. Rund 3000 junge Athleten aus ganz Europa haben sich für diesen Wettkampf angemeldet. Inzwischen wurden im Zentrum Murcias vier Infektionsquellen ausgemacht: Kühltürme von Klimaanlagen, eine davon gehört dem größten und bekanntesten Kaufhaus der Stadt. Auch Klimageräte von Regierungsgebäuden, Bibliotheken und Krankenhäusern standen unter dem Verdacht, die Bakterien zu verbreiten. Alle als Infektionsorte in Frage kommenden Klimaanlagen wurden abgeschaltet und desinfiziert.

Binnen 24 Stunden hat sich die Zahl der Erkrankten verdoppelt: Am Dienstagmittag waren es genau 253 Menschen, die mit Symptomen der lebensgefährlichen Lungen-Krankheit behandelt wurden. Am Mittwoch wurden bereits 470 Fälle registriert - Tendenz weiter steigend. Doch die Gesundheitsbehörden glauben, dass langsam der Scheitelpunkt der Epidemie erreicht ist. Mindestens ein Mann starb bisher, der Zustand von sieben weiteren Menschen ist kritisch, die anderen Fälle, so heißt es, seien derzeit unter Kontrolle.

Angesichts des unsichtbaren und unheimlichen Feindes breitet sich Panik in der Stadt aus, in der rund 330 000 Menschen leben. In dem zentralen Stadtviertel Santa Maria de Gracia, in dem die meisten Krankheitsfälle auftraten, gehen manche Menschen nur noch mit Atemschutzmaske auf die Straße. Andere verlassen schon seit Tagen ihre Wohnungen nicht mehr, aus Angst, sie könnten die Bakterien einatmen. Der Mineralwasser-Umsatz hat sich vervielfacht, mancherorts ist Wasser aus Flaschen ausverkauft. Doch die Behörden gaben Entwarnung: "Es existiert nicht das geringste Risiko durch Trinkwasser."

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