Welt : Spektakulär gescheitert

Entführung von Fiona Swarovski verhindert Rumänische Bande wurde von Komplizen verraten

Markus Huber[Wien]

Die Szenerie wirkte wie in einem Agententhriller, der Unterschied war freilich, dass die Sache echt war. Am Dienstagabend meldete sich ein Rumäne, der zurzeit in einer Tiroler Haftanstalt eine Gefängnisstrafe absitzt, bei der Gefängnisleitung, denn er hatte eine ziemlich spektakuläre Geschichte zu erzählen. Die Geschichte war so spektakulär, dass der Leiter der Haftanstalt sofort die Cobra, so heißt in Österreich die Spezialeinheit der Polizei, informierte, die kurz darauf zwei Sonderkommandos losschickte. Am Mittwoch um drei Uhr morgens läuteten die Beamten dann in einem Haus in Kitzbühel sowie in einer Wohnung im dritten Wiener Gemeindebezirk. Die Wohnungs- und Hausbesitzer sind in Österreich nicht gerade unbekannt: Finanzminister Karl- Heinz Grasser sowie seine Frau Fiona, Erbin des Swarovski-Kristallimperiums.

Der inhaftierte Rumäne hatte der Polizei von einem ziemlich spektakulären Entführungsplan berichtet. Fiona Swarovski, so der Informant, sollte von einer rumänischen Bande gekidnappt werden, die dann mit der österreichischen Society-Dame Lösegeld erpressen wollte.

Die Planung zu diesem Coup war dem Vernehmen nach bereits abgeschlossen: Die Bande hatte die beiden Domizile des Paares bereits ausgekundschaftet, Fotos und Informationen über die Alarmanlagen beschafft. Die Entführung hätte in den nächsten Tagen durchgeführt werden sollen. Der Informant selbst war von der Bande als Komplize angeworben worden, hatte dann aber kalte Füße bekommen und den Plan deswegen bei der Polizei angezeigt.

Der nächtliche Ausflug der Cobra belegt, dass die Behörden die Informationen durchaus ernst nehmen. Sowohl Swarovski als auch ihr Mann werden derzeit rund um die Uhr von Personenschützern bewacht, das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ist ebenfalls eingeschaltet, und nach der Bande wird via Interpol gesucht.

Grasser, der derzeit mitten in Regierungsverhandlungen mit den Sozialdemokraten steckt, hat kurzfristig alle öffentlichen und privaten Termine abgesagt, und selbst zu den Koalitionsgesprächen wird er nun von mehreren Personenschützern begleitet. Fiona Swarovski sitzt derzeit mit ihren drei Kindern gut bewacht in ihrem Kitzbüheler Landhaus. Laut Angaben der Cobra soll aber durch das massive Polizeiaufgebot die Entführungsgefahr derzeit gebannt sein.

Die Einschränkungen für ihr Privatleben müssen enorm sein, denn Grasser und Swarovski gelten als das österreichische Glamourpaar schlechthin. Es gibt kaum ein wichtiges Fest in Kitzbühel oder in der Bundeshauptstadt, an dem die beiden für gewöhnlich nicht teilnehmen, und das hat sie seit ihrer Heirat vor einem Jahr zum Lieblingspaar der österreichischen Yellow Press gemacht. Vor allem Swarovski selbst, die vor Grasser mit internationalen Jetsettern wie Flavio Briatore liiert war, sorgt in dieser ziemlich öffentlichen Beziehung auch für internationales Rampenlicht. Erst Anfang dieses Jahres durften die beiden sogar vor 13 Millionen Fernsehzuschauern auf der „Wetten, dass ..?“-Couch von Thomas Gottschalk Platz nehmen. Normalerweise ist das nicht unbedingt ein Ort, an dem man einen österreichischen Finanzminister vermuten würde. Und auch finanziell hat es Grasser, der Sohn eines Kärntner Autohändlers, durch seine Heirat in für österreichische Regierungsmitglieder ungewohnte Höhen gebracht. Fiona Swarovskis Mutter gehört dem Gesellschafterausschuss des gleichnamigen Tiroler Kristallerzeugers an. Der Swarovski-Clan gehört zu den reichsten Familien Österreichs.

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