Spendengala : Hilfe für Haiti: Die Wucht der guten Tat

Deutschland spendet so viel wie seit dem Tsunami nicht mehr. Seit Dienstagabend kamen bei der ZDF-Spendengala über 20 Millionen Euro zusammen. Bereits am Abend lag die Summe bei 17,8 Millionen Euro.

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Mehr als 17,8 Millionen Euro. Moderator Thomas Gottschalk, hier mit der Sängerin Sarah Connor, bei der großen Spendengala "Wir...Foto: dpa

Berlin - Es war eine in Teilen bewegende Gala, die das Fernsehen in nur wenigen Tagen organisiert hatte. Viele Prominente hatten spontan zugesagt, unter ihnen die Musiker Marius Müller-Westernhagen, Silbermond, Sarah Connor und Peter Maffay, die Schauspieler Andrea Sawatzki, Uschi Glas und Sven Martinek, Designer Wolfgang Joop, Fernsehköchin Sarah Wiener und die Schwimmerin Britta Steffen. Die am Dienstagabend im ZDF ausgestrahlte Spendengala „Wir wollen helfen – Ein Herz für Kinder“, moderiert von Thomas Gottschalk und Steffen Seibert, war eine Kooperation des Senders und der „Bild“-Zeitung.

Es kommt eine Menge Geld zusammen bei solch einer Veranstaltung. Die erschütternden Kinder-Bilder aus Haiti, die Schilderung einer Frau, in deren Händen ein Baby starb – die Zuschauer fühlten sich als Teil eines bedeutsamen Ereignisses, und viele wollten mit einer Spende dazugehören. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ins Studio zugeschaltet wurde, bedankte sich bei den Spendern und nahm die Gelegenheit wahr, die große Leistung der USA bei der Organisation der Hilfe hervorzuheben.

Schon nach weniger als einer Stunde konnte Britta Steffen einen sensationellen Zwischenstand verkünden. Fast drei Millionen Euro waren nach so kurzer Zeit zusammengekommen. Manche gaben fünf, manche 500 000 Euro. Und manche Firma konnte sich mit einer Großspende vor einem Millionenpublikum präsentieren, Werbung und guter Zweck fanden da einträglich zueinander. Telefonspenden bieten bei einer solchen Veranstaltung außerdem für die Zuschauer die Gelegenheit, wenigstens kurz einen Prominenten ans Telefon zu bekommen. Eine weitere Stunde später waren 9,6 Millionen zusammengekommen, am Ende des Abends waren es 17,8 Millionen. Über eine weiter freigeschaltete Hotline konnten Zuschauer auch noch in der Nacht spenden und taten dies auch. So vermeldete das ZDF Mittwoch eine Spendensumme von über 20 Millionen Euro.

Was deutschen Spendern möglicherweise wieder etwas Mut macht: Nach den erschreckenden Nachrichten der vergangenen Tage über Gewalt, Hoffnungslosigkeit und stockende Hilfe gibt es zunehmend ermutigende Informationen aus Port-au-Prince. Helfern ist es am Dienstag gelungen, 330 000 Menschen mit Essen zu versorgen. Die Hilfe kommt also inzwischen in größeren Dimensionen an, auch wenn sie noch nicht ausreicht. Es wird geschätzt, dass 3,5 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen sind. Viele können nur aus der Luft versorgt werden. US-Truppen werfen Hilfspakete aus Hubschraubern ab.

Bundesbürger spendeten bereits vor der ZDF-Gala mehr als 15 Millionen Euro an die verschiedenen Hilfswerke. Das Spendenaufkommen erhöht sich von Minute zu Minute. Die Hilfsorganisationen verzeichnen eine so große Spendenbereitschaft wie seit dem Tsunami nicht mehr. „Die Bilder sprechen für sich“, heißt es bei Misereor. Das Leid der Trauernden, Verletzten und Hungernden löse Anteilnahme aus. Die Spendenaktionen von ARD und RTL haben bislang mehr als zwei Millionen Euro eingebracht. Während und nach der ARD-Talksendung „Anne Will Extra“ am Sonntagabend gingen Spendenanrufe ein, die sich bis Dienstagnachmittag auf über 1,2 Millionen Euro summierten. Die Wucht der guten Tat – es ist eine große Welle der Solidarität, die in Deutschland angelaufen ist.

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