Spielshow : Jauchs Kandidat doch nicht gefeuert?

Es gibt weiter Rätselraten um das Schicksal eines Bundestagsfahrers, dessen offene Antworten bei „Wer wird Millionär?“ für Wirbel sorgten.

Pablo Silalahi
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Konrad Göckel (l.): Die ehrliche Antwort war die falsche.Foto: RTL

Berlin - Bei der Frage hätte sich Konrad Göckel vielleicht doch besser einen Joker nehmen sollen, denn seine offenherzige Antwort hat für ordentlichen Wirbel gesorgt. Showmaster Günther Jauch wollte am vergangenen Freitag bei „Wer wird Millionär ?“ von Göckel wissen, ob höhergestellte Parlamentarier freundlicher seien als Hinterbänkler. Als Fahrer im Auftrag des Bundestags müsste er es ja wissen. Die Antwort des 56-jährigen Berliners war deutlich: „Wollen Sie eine ehrliche Antwort ? Je höher, desto arroganter.“ Zunächst sah es so aus, als hätte diese Bemerkung Göckel den Job gekostet. Die „Bild“-Zeitung zitiert am Donnerstag Manfred Reuter, den Geschäftsführer der Firma Roc Vin, die im Auftrag des Bundestages die Fahrdienste erledigt, mit den Worten: „Gockel hat sich als Fahrer des Deutschen Bundestages ausgegeben. Dies ist eine Falschaussage. Er ist bei uns angestellt, und wir sind Vertragspartner des Bundestages. Allein das könnte Grund für eine Entlassung sein.“

Dabei war es Moderator Günther Jauch, der Göckel in der Sendung als „Fahrer des Bundestages“ vorgestellt hatte. Aber die falsche Berufsbezeichnung allein scheint es nicht gewesen zu sein. Auch Göckels indiskrete Plauderei über Politiker war Reuter wohl übel aufgestoßen. Das Unternehmen habe in Abstimmung mit dem Deutschen Bundestag das Arbeitsverhältnis aufgelöst, weil er gegen seine im Anstellungsvertrag festgeschriebene Verschwiegenheitspflicht verstoßen hat, so wird der Geschäftsführer in der „Bild“-Zeitung zitiert. Bundestagssprecher Christian Hoose widersprach der Behauptung, dass es Absprachen mit der RocVin gab und bezeichnete den Fall als eine „interne Angelegenheit des Dienstleisters“, Einfluss auf die Entlassung habe man nicht genommen. Dagmar Enkelmann von der Fraktion der Linken im Bundestag äußerte sich empört. „Als öffentlicher Arbeit- oder Auftraggeber hat der Bundestag eine Vorbildfunktion. Das Prinzip des Heuerns und Feuerns aber ist in keiner Weise vorbildlich“, so die Politikerin.

Am frühen Donnerstagnachmittag dann dementiert man bei Roc Vin allerdings, dass es eine Entlassung überhaupt gegeben habe. Der für den Fuhrpark des Unternehmens zuständige Geschäftsführer Norbert Tiedtke sagte: „Wir haben ihn nicht entlassen, er könnte theoretisch sofort wieder fahren.“ Göckel habe sich jetzt aber erst einmal freigenommen, da er derzeit „nicht in der Verfassung sei zu arbeiten“. Ebenso wie der Kandidat selbst sei man auch bei Roc Vin „total erschrocken, was da passiert ist“. Göckel habe ihm gesagt, er wolle nun umgehend mit einem Anwalt sprechen und „überlegen, wie er das richtig stellen kann“. Der Betroffene ist indes abgetaucht. Konrad Göckel, dem nach Agenturberichten die Sache „über den Kopf wachse“ und der von allen Seiten bedrängt werde, stand am Donnerstag für die Presse nicht zur Verfügung. 

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