Welt : Sport macht mobil

Ruth Franziska Hoffmann

Für den uralten Wunsch des Menschen, ewig zu leben, hat die moderne Statistik eine Lösung parat: Wer täglich 12 Stunden Sport macht, stirbt nie - zumindest statistisch gesehen und zumindest nicht an Herzgefäßerkrankungen. Denn für jede Stunde intensives Training, werden, das haben amerikanische Studien ergeben, zwei Stunden auf dem Lebenszeitkonto gutgeschrieben.

Bewegung ist die Allzweckwaffe im Kampf gegen Osteoperose, Schlaflosigkeit, Krebs, Vergesslichkeit und Impotenz. Und man muss nicht gleich zum Spitzensportler werden, um in den Genuss der positiven Nebenwirkungen zu kommen. "Schon die Verbrennung von 2000 Kalorien pro Woche senkt das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung im Alter um 50 Prozent", sagt Klaus Völker, Professor für Sportmedizin am Universitätsklinikum Münster. Wie man die Kalorien abarbeite, sei dabei egal. Wer beispielsweise wochentags mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt und dabei auf täglich 40 Minuten Fahrtzeit kommt, hat das Soll erfüllt.

Doch nicht nur dem Herz kommt Bewegung zugute. Nahezu jedes Organ profitiert davon: So wird etwa der Darm beweglicher und kann die verdaute Nahrung schneller aus dem Körper heraus transportieren - und mit ihr Gifte und krebserregende Stoffe (Karzinogene). Dadurch könnte sich das Darmkrebsrisiko deutlich verringern. Auch Gallensteinen und schmerzhaften Entzündungen, ausgelöst durch in Darmwindungen hängen gebliebene Nahrungsreste, wird auf diese Weise vorgebeugt. Durch Sport wird - auch bei Nicht-Übergewichtigen - Körperfett abgebaut. Dadurch verringert sich das Risiko von hormonell bedingtem Brust- und Gebärmutterkrebs.

Wissenschaftlern gilt Bewegungsmangel inzwischen auch als ein Risikofaktor für Altersdiabetes: In den Muskeln lagert der Körper Glucose (Traubenzucker) ein, der gewissermaßen der Kraftstoff ist, der bei Bewegung verbrannt wird. Das Hormon Insulin, das während der Verdauung produziert wird, sorgt für die Aufnahme von Glucose in die Zellen. Offenbar stumpfen nicht trainierte Muskeln gegenüber Insulin ab. Dadurch erhöht sich das Risiko für die Zuckerkrankheit.

Viele Verbraucher sind verwirrt von der Vielzahl der Ernährungsempfehlungen. Gerade verkündete die Universität Kansas, das im Eigelb enthaltene Lecithin senke die Aufnahme von Cholesterin im Darm. Das tägliche Frühstücksei scheint also nicht mehr tabu zu sein. Doch bei aller Verwirrung und Widersprüchlichkeit gilt für eine gesunde Ernährung noch immer das, was schon beinahe zur Binsenweisheit geworden ist: Wenig Fleisch, und wenn dann eher Geflügel, Vollkornprodukte wegen der Ballaststoffe, möglichst wenig Fett und viel frisches Obst und Gemüse. Letztere enthalten weit mehr als nur Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe.

Untersuchungen haben in ihnen Inhaltsstoffe gefunden, die erwiesenermaßen Krankheiten entgegen wirken, sich jedoch nicht synthetisieren lassen. Vitamintabletten sind also kein Ersatz und sollten allenfalls als Nahrungsergänzung verstanden werden. So enthalten beispielsweise Karotten einen Stoff namens Terpineol, der das Wachstum von Tumoren hemmt. In Tomaten fand man ein Antioxidans, das das Prostata- und Lungenkrebsrisiko senken kann. Und ein Stoff im Brokkoli kann Karzinogene unschädlich machen.

Für Gesundheit und Wohlbefinden im Alter lassen sich die Weichen also auch schon in jüngeren Jahren stellen. Das dürfe jedoch nicht zum krampfhaften Kampf um Jugend führen, warnt Paul Baltes, Professor für Psychologie und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. "Die Gesellschaft muss sich darüber Gedanken machen, ob sie Jugend wirklich zum Kriterium für gutes Alter machen will." Der "unreflektierte Import der Anti-Aging-Bewegung aus den USA" verhindere eine "Kultur des Alters". Es sei aber nötig, das Schöne und Besondere dieser Lebensphase zu akzeptieren und sich für realistische Ziele einzusetzen. "Im Alter nur jung bleiben zu wollen, ist im Grunde eine Wahnvorstellung."

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